Samstag, 16. März 2019

Prof. Dr. Knapp über Arndt & die Kulturlandschaft Rügens

Prof. Dr. Hans D. Knapp bei seinem heutigen Vortrag in Groß Schoritz
Groß Schoritz (PA). Am Samstag, den 16. März 2019, lud die Arndt-Gesellschaft wieder Interessierte zu einem Vortrag ein. Dieses Mal stand er unter dem Titel „Ein Wort über die Pflegung und Erhaltung der Forsten und der Bauern...“ und wurde von Prof. Dr. Hans D. Knapp gehalten.

Schon gegen 14.45 Uhr begann sich der Saal des Gutshauses in Groß Schoritz zunehmend zu füllen. Am Ende fanden sich im Geburthaus von Ernst Moritz Arndt an die 50 Gäste ein, unter Ihnen auch Dr. Gerd Albrecht vom Barther Vineta-Museum, Marlies Preller vom NABU Rügen und der ehemalige Sassnitzer Bürgermeister Dieter Holtz.

Prof. Dr. Hans D. Knapp, der langjährige Leiter der Naturschutzakademie Vilm, skizierte in den darauffolgenden etwa 50 Minuten eine Seite Ernst Moritz Arndts, die wahrscheinlich vielen der Gäste bislang unbekannt war. Dabei machte er aus seiner Sicht auf den Rüganer keinen Hehl: Er sah ihn u.a. als Beobachter von Dingen, die in der Schieflage waren und fand oftmals kritische Worte. Überhaupt Arndt! Er begleitete - wie Prof. Dr. Hans D. Knapp verriet - auch ihn im Leben. Schließlich besuchte Knapp in Bergen die Arndt-Schule und später studierte er in Greifswald an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität.

Wie Arndt hatte auch Knapp eine Beziehung zu Rügen und zur Natur der Insel aufgebaut. Dies vereinfachte auch seinen einleitenden Blick auf die Landschaft des südlichen Muttlands, die für Ernst Moritz Arndt in seinern Kindheits- und Jugendjahren prägend war. Und diese Landschaft, die von den Naturgewalten geformt wurde und mit der Arndt die allseits bekannte Sagenwelt verband, war für ihn Teil von Betrachtung und Erkenntnis. Dabei hatte der Rüganer seine Schrift, die den sperrigen Titel „Ein Wort über die Pflegung und Erhaltung der Forsten und der Bauern...“ trug, zunächst in Teilen einer Zeitschrift publiziert, die 1815 unter dem Titel "Wächter" erschien. Das Buch jedoch kam erst im Jahre 1827 in den Druck. Es ist, wie viele andere Veröffentlichungen Arndts auch im Internet abrufbar.
https://www.inselreport.de/p/arndt.html

Die Publikation Arndts stellte vor allem den Boden und das Verhältnis zum Land, in den Mittelpunkt einer Kulturlandschaft: In den Forsten und freien Bauern sah er dabei das Fundament eines Staates. Und da auch Arndt schon damals die Geschichtsvergessenheit ansprach, ging Knapp nun auf eine kleinen Zeitreise rückwärts, um die Entwicklung dieser Kulturlandschaft darzustellen. Dabei machte Knapp darauf aufmerksam, dass diese sich seit Ende des 16. Jahrhunderts auf der Insel Rügen und auf dem pommerschen Festland zu einer Gutslandschaft gewandelt hatte. Sie war Folge der Änderung von Besitzverhältnissen und zog zahlreiche Wüstungen nach sich. Diese beschrieb Arndt bekanntlich in seinem Werk "Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen".

Dann ging Knapp in kurzen Zügen auf den Austausch Arndts mit weiteren Personen der Zeitgeschichte Rügens ein. Zu ihnen zählten beispielsweise Gotthard Ludwig Kosegarten (1758-1818), Karl Nernst (1775-1815), Johann Jacob Grümbke (1771-1849), Caspar David Friedrich und Carl Gustav Carus (1789-1869).

Dann kam Knapp auf die Forsten und Wälder heute zu sprechen und machte darauf aufmerksam, dass die Insel Rügen waldarm ist. Allerdings hätte sie eine der großartigsten Baumbestände, die bisweilen sogar urwaldartig sind. So kam er u.a. auf den Nationalpark Jasmund, die Granitz und die Bewaldung im südlichen Küstenbereich Rügens sowie auf die Insel Vilm zu sprechen. Kritische Worte fand er zu den gegenwärtigen Fällungen. Überall würde das Holz gehackt, gesägt und geschreddert. Angesichts der Ausplünderung unserer Wälder könne einem Angst und Bange werden - so Knapp. Dabei zeigte er Fotos mit riesigen Stapel von Stämmen gefällter Bäume, einen durch schweres Gerät tief zerfahrenen Waldboden und Neupflanzungen, die jeder Logik entbehrten. Im Kontrast dazu ließ er Arndt zu Wort kommen, der dazu anhielt, still zu stehen vor dem Wald und ihm die eigene Ehrfurcht zu zeigen.

Leider war auch die Skizzierung der Bauern und des Bodens in der Gegenwart keineswegs erfreulicher. Auch hier machte Knapp deutlich, dass die Kulturlandschaft Rügens ab den 60er Jahren eine Wandlung zur agrarindustriellen Fläche vollzog. Dies hatte auch mit den politischen Rahmenbedingungen zu tun, die erst eine Bodenreform und anschließend die Kollektivierung der Landwirtschaft nach sich zogen. Die Zerstörung der Landschaft umschrieb Knapp kurz und bündig mit den Schlagworten Chemisierung, Mechanisierung und Meloration. Die Folge waren laut Knapp Erosion und Bodenschwund. Dieser massive Eingriff in die landwirtschaftlichen Strukturen zog erneut Wüstungen nach sich. Daneben gab es einen Verlust biologischer Vielfalt, eine eingeschränkte Fruchtfolge und Bodendegradation. Knapps Fazit: Die Kulturlandschaft ist in einer ökologischen, sozialen und ökonomischen Krise. Das Probelm ist jedoch: Eine Kulturlandschaft lässt sich nicht konservieren! Sie ist Wiege und Produkt zugleich. Die Kulturlandschaft ist aber auch das Spiegelbilder von Kultur und Gesellschaft.

Kein Wunder also, dass Knapp sich für eine Wende zu mehr Nachhaltigkeit aussprach. Die Schlagworte die für ein neues (Nach)Denken stehen, brachte er mit Glyphosat, Insektensternen, Nitratbelastung und Massentierhaltung auf den Punkt. Sicher gibt es einige gedankliche Übereinstimmungen zwischen Ernst Moritz Arndt und Hans D. Knapp. Ein Beispiel? "Die Insel als Kulturlandschaft ist für ihre Bewohner Lebensraum und Existenzgrundlage zugleich."

Abgerundet wurde der Vortrag durch eine kurze Fragerunde, bei der es u.a. um die Verpachtung von Agrarflächen durch die öffentliche Hand und Einwirkung auf deren Nutzung, Bodenspekulationen sowie Agrarsubventionen ging. Eine der kurzen Formeln, die dabei zum Tragen kamen war zum Beispiel dies: "Kurze Pachtzeiten gleich maximale Ausbeutung des Bodens." Zudem wurde auch der Öko-Landbau auf Rügen thematisiert. Dieser liegt allerdings in seinem Anteil an der Landwirtschaft sogar unter dem Landesdurchschnitt.

Abschließend soll Ernst Moritz Arndt noch einmal zu Wort kommen:

"Der Mensch soll die Erde, die Natur, so verwalten und regieren, dass das Schöne und Gute in ihr bleiben und wachsen könne."

Und weiter:

"Wenn es gelingt, die Erde besser zu machen, werden auch die Menschen besser. Gehen die Menschen schlecht mit der Erde um, werden auch die Menschen schlechter..."

(Quelle: „Ein Wort über die Pflegung und Erhaltung der Forsten und der Bauern...“ E. M. Arndt)

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