Freitag, 8. März 2019

Umweltsündern auf der Spur

Liebe Rüganer,
die Aufregung ist immer groß, wenn irgendwo Bäume auf unserer Insel herunter gesägt werden. Selten lässt sich dabei rekonstruieren, was wirklich geschah. Erst kürzlich berichtete ich Euch von den "Athleten im Holzfällen", die offensichtlich für "Timbersports" in und um Sassnitz trainieren sollten. Manchmal wird allerdings selbst meine Fantasie von den Realitäten überholt. Oder ist es umgekehrt? 

Aber lest doch einfach selbst die nachfolgende Geschichte...

Wie der Dezember 2018, war auch der Januar und Februar 2019 extrem warm und feucht. Das Wetter war geradzu mild für diese Jahreszeit. Auch an jenem Sonntag, den 24. Februar 2019. Tom Naseweis, der ein Büro für Landschaftsarchitektur betreut, erhielt an diesem Tage einen Anruf. Am anderen Ende der Leitung war der Bürgermeister Gernegroß. Er, der mit seiner Gemeinde schon öfter mal einige millionenschwere Aufträge an Naseweis vergeben hatte, war an diesem Sonntag mächtig in der Klemme, denn: Am darauffolgenden Montag sollten die "Athleten im Holzfällen" in seiner Gemeinde anreisen und er hatte ihnen zugestanden, dass sie mal kräftig die Motorsägen anwerfen könnten, um ein paar Bäume unweit des Rathauses "einzukürzen". 

Wie Naseweis erfährt, benötigt Gernegroß dafür allerdings ein "schnelles" Gutachten. Bis zur Ankunft der "Athleten im Holzfällen"verblieben jedoch nur noch weniger als 24 Stunden und natürlich muss alles formal seine Ordnung haben. Naseweis, der noch gerade im Morgenmantel und Schlappen mit seinem Kaffeebecher in der Hand durch seine vier Wände schlurfte, war ratlos. Was soll er denn in sein Gutachten schreiben? Am Ende kreutzte er dann jedoch kurzerhand von Pilz- bis zum Mausbefall alles mit "NEIN" an oder anders: Die Bäume sind kerngesund! - Außer: Bürgermeister Gernegroß meint, dass sie runtergesägt werden müssten. Auch Naseweis muss bei dem Gedanken feixen, wie simpel das Geschäft ist, wenn nicht der Bürger sondern die öffentliche Hand Bäume fällen möchte. Mit einem Ritschratsch ist das Papier unterschrieben und auf dem Weg ins Rathaus. 

Gernegroß (den die Kollegen, die noch nicht wegen Krankheit im Amt ausgefallen sind und am Morgen zum Appell antreten, auch als "Sonnenkönig" bezeichnen) kommt am Montagmorgen frisch vergnügt ins Rathaus. Er fragt nach dem Posteingang und grinst. Alles ist vorbereitet!

Er segnet die Motorsägen der "Sägespäne-Athleten" und wünscht ihnen ein guten sauberen Schnitt. Gesagt, getan: Ab sind die Bäume. Daran kann auch ein eilig herbeigerufener Polizeiwagen nichts ändern. Den Ordnungshütern bleibt nur noch Zeit, um die niedergestreckten Stämme zu begutachten - weil: ein Gutachten war ja vorhanden. Dennoch ist die Aufregung groß. Gernegroß grinst und beschwichtigt. Über die sozialen Netzwerke lässt er verbreiten, dass "notwendige Baumarbeiten durchgeführt" wurden. Um die Baumfällungen zu erklären, werden diese damit begründet, dass die untere Naturschutzbehörde erhebliche und nachhaltige Schädigungen an den Bäumen festgestellt und eine Fällung empfohlen hätte. So solle die Gefährdung von Passanten und Autofahrern verhindert werden. Dumm nur, dass die zwei Mitarbeiter, die mit diesen Dingen in der Behörde vertraut sind, zu diesem Zeitpunkt keinerlei Kenntnis davon hatten...

In der darauffolgenden Gemeindevertretersitzung erklärte er den aufgebrachten Bürgern und ihren gewählten Vertretern am "Beichtdienstag" (das ist der Tag vor Aschermittwoch), dass er sich gerne schützend vor die Bäume gestellt hätte. Nur: Als er sich umdrehte, seien diese schon gefällt worden...

Und die Moral von der Geschicht? Umweltsünder, die Bürgermeister sind, bestraft man nicht.

Natürlich sind Ähnlichkeiten mit den realen Geschehnissen auf unserer Insel Rügen nur rein zufälliger Natur und im Zweifel immer (!) frei erfunden. Wer wollte auch bestreiten, dass Bürgermeister bei uns nie so handeln würden, wie dieser Gernegroß?

Hans Hegel

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