Samstag, 2. März 2019

Was Bundesminister Heil mit Vorpommern verbindet...

Das Schloß Karnin (auf einem der einst größten Besitztümer Vorpommerns) gehörte Hubertus Heils Großeltern
Karnin (PA). Wer den "Vögeln des Glücks" nachstellt, dürfte an der pommerschen Küste Erfolg haben. Nicht nur auf der Insel Rügen kann man derzeit Kranichen begegnen, sondern auch auf dem Festland. Und so verwundert es nicht, dass unzählige dieser Vögel auf den Feldern auch rund um Karnin zu finden sind. Wer ihnen folgt, wandelt auch schon bald auf den Spuren der Vorfahren vom derzeitigen Bundesminister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil (SPD).

Unscheinbar wirkt das Rittergut an der Bundestraße 105
Karnin. - Viele Rüganer dürften diesen Ort nur von der Durchfahrt kennen. Kurz vor den Toren der Hansestadt Stralsund gelegen, bleibt er beidseitig der Bundesstraße 105 liegen, wenn man in Richtung Rostock unterwegs ist. Erst im Spätsommer des Jahres 2017 hatte man hier einen großen Festumzug zum Dorfjubiläum unternommen. Schließlich soll der Ort erstmals am 25. September 1242 erwähnt worden sein, als der Rüganer Witzlaw I. den Verkauf des Fleckens bestätigte. Seither hat Karnin (oder auch "Carnin") viele Besitzer kommen und gehen sehen. 

Die Überreste des Kutschstalls am Schloß Karnin
Einge davon kamen aus der Familie von Sodenstern und später auch aus der Familie Henning. Letztere war über Jahrhunderte in Vorpommern ansässig und wurde mit dem Kauf des Rittergutes Karnin 1876 durch Wilhelm Heinrich Henning auch zu Besitzern großen Grundbesitzes in Vorpommern. Dieser belief sich zum damaligen Zeitpunkt auf etwa 1.300 Hektar Land und soll für über 770.000 Mark den Eigentümer gewechselt haben. Zum Rittergut zählte das erst etwa 40 Jahre zuvor errichtete zweigeschossige Schloß Karnin, welches im Tudorstil noch von Friedrich Wilhelm von Sodenstern errichtet worden war.

Zur gleichen Zeit wie das Schloß wurde auch der dazugehörige Park angelegt. Und auch die Uhlenbäk, die von hier zum Barther Bodden fließt, war Teil der Umgestaltung. Durch einige Eingriffe in das Flußbett entstanden dabei die Teiche, die sich noch heute beidseitig der Bundesstraße 105 finden lassen. Von Bedeutung war die Parkanlage jedoch auch geworden, weil der preußische Gartenkünstler Peter Joseph Lenné (1789-1866) sich der Gestaltung des Umfeldes annahm.

Alte Baumbestände im Schloßpark Karnin
Wer heute diese einst romantische Zuflucht erfassen möchte, wird dennoch seine Schwierigkeiten haben. Nicht nur das die bereits erwähnte Bundesstraße 105 die einstige Anlage durchschneidet, auch die baulichen Anlagen haben in den letzten hundert Jahren einiges über sich ergehen lassen müssen. Sowohl die Torpfeiler (auf denen einst beidseitig Hirsche über den Zugang zum Park wachten) als auch die schmucke Fassade (die einst dem Schloß ein herrschaftliches Ansehen gab) sind stark mitgenommen. Wer sich direkt vor der Freitreppe befindet, von wo sich aus (über den Eingang) das Gebäude erschloß, wird auch den wehrhaft anmutendenTurm vermissen, der sich rechter Hand über das Dach erhob und nur noch auf alten Postkarten abgebildet ist. Er soll im Zuge einer Sprengung 1945 beschädigt worden sein - später wurden die Reste abgetragen.

Wenn man den Beschreibungen glauben mag, verfügte auch dieses Schloß mit seinen weit über zwanzig möblierten Zimmern über eine reiche Ausstattung, die von Jagdtrophäen über Gemälden bis hin zu einer Bibliothek mit über 10.000 Bänden reichte. Diese soll jedoch Opfer der Plünderung zum Ende des zweiten Weltkrieges geworden sein. Die Besitzerin des Rittergutes, Renate Henning, die seit 1942 verwitwet war, wurde während der Bodenreform entschädigungslos enteignet und durfte sich mit ihren Kindern und einer Nichte nicht mehr im Ort aufhalten. 1946 soll sie in der Hansestadt Stralsund an den Folgen eines Hungerödems gestorben sein. Zu ihren Enkeln gehört u.a. der SPD-Bundesminister Hubertus Heil.

Die St. Marienkirche in Flemendorf, nördlich der Bundestraße 105
Eine Erinnerung an einige seiner Vorfahren findet sich nur wenige Kilometer nördlich, im Dorf Flemendorf. Hier, direkt vor der um 1380 errichteten St. Marienkirche, gibt es eine kleine Familiengrabstelle. Hier sind u.a. die Grabsteine für Hubertus Heils Großeltern, den Rittergutbesitzer Wilhelm Henning und seine Frau Renate Henning, geb. Musculus.   

Grabstätte der Familie Henning (/Heil)