Donnerstag, 11. April 2019

Automarke "Stoewer" kehrt zurück

Historische Werbung für Stoewer-Automobile aus Stettin
Stettin (PA). Wenn es eine Rangliste der ältesten europäischen Automarken gäbe, würde "Stoewer" auf dem dritten Platz rangieren. Die pommerschen Automobilbauer von "Stoewer" aus Stettin gehörten damit auch zu den Pionieren im deutschen Fahrzeugbau, die nicht nur hochwertige Luxuswagen sondern auch Elektromobile bauten. 

An diese Tradition - zu deren Wegmarken u.a. die Typen "Stoewer Greif Junior" und "Stoewer Sedina" oder "Stoewer Arkona" gehörten - erinnert seit dem April 2002 auch ein vom Stettiner Manfried Bauer gegründetes Museum, welches mitten im hessischen Odenwald ein Stück pommerscher Industriegeschichte präsentiert. Der Umfang geht dabei weit über die vielen Automobile hinaus, deren Kühler der pommersche Greif ziert, denn: Die Firma Stoewer stellt auch Nähmaschinen, Schreibmaschinen und Fahrräder her.

Nun überraschte die Stadt Stettin die Öffentlichkeit mit der Nachricht, dass "Stoewer" wieder dort präsentiert werde, wo die pommerschen Autobauer einst Technikgeschichte schrieben: In Stettin. Die Entscheidung dazu viel am Donnerstag, den 4. April 2019. Rund 900 Exponate, darunter einzigartige Automobile sollen - nach dem Willen der Stadt - zukünftig im Stettiner Museum für Technologie und Kommunikation ausgestellt werden. Zu den von der Stadt Stettin zu erwerbenen Produkten zählen u.a. 7 Autos, 8 Fahrräder, 34 Schreib- und 54 Nähmaschinen. Die ersten der Exponate sollen bereits im Sommer diesen Jahres in Stettin eintreffen und könnten dann vielleicht schon ab Herbst 2019 der Öffentlichkeit präsentiert werden. 

Noch heute lassen sich Zeugnisse des pommerschen Autobilbaus in aller Welt finden. So wird ein Stoewer D3 Sport Roadster im englischen Norfolk, ein Stoewer Greif V8 in Florida sowie die Stoewer B1, C1, D3, D5 und D5 Coupé sogar in Australien gezeigt. Stoewer-Freunde trafen sich zudem auf der Insel Rügen (2004), in Pasewalk (2007) und Ueckermünde (2016). Und am Freitag, den 26. April 2019, lädt die Gesellschaft für pommersche Geschichte um 19.00 Uhr sogar zu einem Vortrag an der Humboldt Universität Berlin ein. Das Thema? "Der Greif auf der Motorhaube. Von der Nähmaschine zum Automobil - Visionen eines pommerschen Unternehmers." Mit dabei auch dann ein Stettiner Oldtimer: Der Stoewer R150 Kabriolet...

Die Firma Stoewer wurde 1858 von Bernhard Stoewer als Feinmechanische Reparaturwerkstatt gegründet. Später begann die Produktion von Nähmaschinen unf Fahrrädern. 1899 wurde das Unternehmen von den Söhnen Bernhard Stoewer jun. und Emil Stoewer übernommen. Es entstand die Firma Gebrüder Stoewer, Fabrik für Motorfahrzeuge und die Entwicklung erster Automobile. Ab 1903 wurden auch Schreibmaschinen hergestellt. 1916 erfolgte die Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft. Neben privaten Fahrzeugen baute man auch Nutzfahrzeuge für die Wirtschaft. In den 20er Jahren erfolgte der Bau von hochwertigen und sportlichen Luxuswagen, die mit Horch und Mercedes im Wettbewerb standen. In den der 30er Jahre wurde Stoewer auch in die Rüstungsproduktion einbezogen. So begann auch die Herstellung von Flugzeugmotoren. Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges im Jahre 1945 endete auch die Firmengeschichte.


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