Samstag, 20. April 2019

Heimatkunde: Die pommerschen Osterbräuche


Ein Beitrag von Torsten Seegert

Wie überall spielt auch an der pommerschen Ostseeküste das Ei eine besondere Rolle im Brauchtum der Osterzeit. So werden sie auch bei uns gefärbt, versteckt und gesucht. Sie wurden aber auch als Morgengabe geschenkt oder dienten dazu, sich vom "Stiepen" loszukaufen.

Stiepen? Ja, "Osterstiepen". So nannte man den wohl populärsten Osterbrauch (der auf der Insel Rügen auch schon zuvor als "Fastnachtsstiepen" praktiziert wurde - in Barth u.a. als "Wecken" oder "Pummel und Milch" in der Fastnachtzeit bekannt) neben dem Osterwasserschöpfen. Wenn es in den frühen Morgenstunden des Ostersamstags ein heimliches Huschen und Laufen gab, dann waren meist die "Stieper" mit Haselnuß- Birken- oder Weidenzweigen (die schon 14 Tage zuvor geholt wurden und nun schon erste Knospen trugen) unterwegs, um den zum "Stiepen" Auserwählten einen Besuch abzustatten. Sie stürmten in die Schlafstuben derer, zogen die Bettdecken beiseite und begannen sie mit leichten Attacken und sanften Schlägen aus ihrer Ruhe zu bewegen. Dazu sagten sie einen Vers auf, der da lautete:

"Stiep, stiep Osterei!
Gibst Du mir kein Osterei,
Stiep ich Dir das Hemd entzwei!"

"Eierbicken" und "Eiertrudeln" waren beliebte Wettkämpe zur Osterzeit
Und nur mit ein paar Eiern, die später auch aus Schokolade oder Marzipan waren, ließ sich noch "Schlimmeres" verhindern. Die Eier selbst waren durch ihre runde Form auch ideal zum "Eiertrudeln", einem weiteren Osterbrauch. Dieser zwischen Peene und Ihna sowie an den Läufen der Oder und Uecker beliebte Brauch war bei Kindern sehr beliebt. Die hart gekochten Eier ließ man gemeinsam eine Anhöhe hinunter kullern. Traf einer der Teilnehmer dabei das Ei des anderen, dann ging es in den Besitz desjenigen über, der das Ei getroffen hatte. Eier deren Schale beim "Eiertrudeln" angeschlagen wurden, wanderten nach dem Abpellen sofort in den Mund. Der Wettbewerb wurde so lange ausgetragen, bis das letzte Ei "zerbrochen" war. In einem Bericht zum "Eiertrudeln" unweit von Fiddichow hieß es denn auch:

"Damit sich keiner das Fieber an den bloßen Eiern essen sollte,
kriegte jeder Brot und Salz mit..."
 
Die "Osterwölfe" gab es schon Gründonnerstag beim Bäcker (Foto: Karl Kaiser / Repro: PA)*
Nicht weniger unterhaltsam war das "Eierbicken" (auch "Eierkullern" genannt). Dieser Wettkampf, der vor allem bei Jungen populär war, zielte darauf ab, die hartgekochten Eier des Gegners beim Zusammenstoß so zu treffen, das das eigene Ei möglichst keinen Schaden nahm. Auch hier winkte dem Sieger das Ei des Gegners. Doch es ging nicht nur ums Eieressen, denn an diesem Tage kamen auch "Osterwölfe" auf den Tisch. Nein, das sind natürlich keine echten Wölfe! Diese (vor allem nördlich der Peene bekannten Backwerke) sind schon eine jahrhunderte alte Tradition, die sich u.a. in Stralsund, Grimmen, Greifswald und Wolgast sowie auf der Insel Rügen nachweisen lässt und in Deutschland sonst ohne Vergleich ist. Die früheste Erwähnung erfolgte wohl 1451. Allerdings lässt sich bekanntlich darüber streiten, was ein Osterwolf ist. Der Teigling wurde in eine lange Rolle geformt, Dann trennte man diese in mehre Stücke. Das dickere wurde als Hauptrumpf genutzt, der über zwei dünnere Querstücken ragte, die an die vom Körper abgespreizten Beine eines Tieres erinnern. Das Maul wurde durch eine Einkerbung angedeutet und die Augen konnten aus zwei Rosinen sein. Überhaupt erinnern sie sehr in ihrer Ausformung an das gekreuzte Fastelabendgebäck.

Aufpassen! Damit aus dem "Osterwasser" kein "Plapperwasser" wird...
Bliebe noch das Osterwasser zu erwähnen. Und: Dies ist und bleibt ein Thema für Frühaufsteher! Denn: Wer dieses reinigende und gesunderhaltene Naß holen will, muss es nicht nur an einem fließenden Wasser holen. Die größte Herausforderung liegt darin, es nach dem Holen nicht zu entwerten. Schließlich ist eine Anwendung nur mit der Wunderkraft ausgestattet, wenn man beim Holen des "Osterwassers" kein Wort spricht. Das Wissen darum führte schon in vergangenen Zeiten zu viel Schabernack. So legte man sich mancherorts am Ostersonntag bewußt auf die Lauer, um Osterwasserschöpfer freundlich zu begrüßen. Erwiderten diese dann (der Gewohnheit folgend) diesen Gruß aus dem "Osterwasser" ein "Plapperwasser". Und dieses hat zu Ostern keinen Wert...

Eher unkompliziert dürfte da noch der Genuß eines Apfels auf nüchternen Magen sein. Er verspricht am Ostersonntag den Schutz gegen Krankheit und Fieber über das ganze Jahr.

*) u.a. erschienen in "Das Bollwerk" (1936) und im "Atlas der Pommerschen Volkskunde" Karl Kaiser, Universitätsverlag Rathsbuchhandlung L Bamberg, Greifswald (1936) 

Nachtrag:
In Bezug auf die Osterbräuche gab es vor etwa hundert Jahren auch in Saßnitz auf der Insel Rügen eine Befragung. Bekannt war als Osterbrauch das Holen des Osterwassers, wobei natürlich kein Wort gesagt werden durfte. Das Wasser selbst wurde getrunken. Auch war der Osterapfel bekannt, welcher morgens gegessen wurde.
 
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