Samstag, 6. April 2019

Schon gelesen? (42) "Nackt zwischen Dornen"

Äußerlich dezent, innerlich ein Mosaik der Vielfalt und Farben
Wenn einer wie Klaus Ender auf sein ereignisreiches Leben zurückschaut, dass diessiets der Oder - von den Habseligkeiten befreit - mit der Hoffnung, unbeschadet durchs Leben zu kommen, begann, dann hat er etwas zu erzählen: Was  ist der Sinn des Lebens? Antworten darauf suchte auch Klaus Ender. Und da viele das gleichnamige Buch "Der Sinn des Lebens" zur Jugendweihe geschenkt bekamen, räumt er auch gleich mit einer Verlogenheit auf, die schon in der DDR begann...
Das neue Buch auch ein soziales Medium - hier kommen auch die Leser zu Wort

Exemplarisch zeigt er dies an Hand der Losung "Nie wieder Krieg - nie wieder ein Gewehr in deutsche Hände!" Nur kurze Zeit später - so resümiert der Autor - standen Deutsche wieder mit der Waffe in der Hand - als Polizisten, Kampfgruppen-Mitglieder oder Soldaten. Dem Leser bleibt es dabei überlassen, den Wortbruch weiter zu denken: "Nie wieder soll von deutschem Boden ein Krieg ausgehen." - So jedenfalls sagten es einmal deutsche Politiker und ließen Ende der 90er Serbien von der deutschen Luftwaffe bombardieren. Und zukünftig? Da wollten sie die Demokratie auch am Hindukusch verteidigen... Im Gegensatz dazu hielt Ender sich an sein Versprechen. Eine Waffe blieb für ihn Tabu. Zweifellos macht er schon auf den ersten Seiten deutlich: "Ich habe meine Prinzipien und Standpunkte." Sie sind sein Kompass, wenngleich: Sie zu verteidigen, machte ihm das Leben weder in der DDR noch in der Bundesrepublik einfacher.
Natürliche Schönheit, eingefangen mit der Kamera von Klaus Ender
Andererseits: Die Selbstdisziplin die eigenen Prinzipien und Standpunkte zu leben, erklärt das Ergebnis dieses Buches. Er hat sich damit auch einen eigenen Wunsch zu seinem 80. Geburtstag erfüllt. Stück für Stück ordnet sich das Buch, Seite für Seite - wie ein Mosaik - zu einem beeindruckenden Ganzen. Die Fotos bestechen und spiegeln Akt und Landschaft im gewohnten Ender-Stil. Der wird bisweilen sogar noch angereichert durch neue Techniken. Das erzeugte Bild des Lesers wird ergänzt durch Aphorismen, Gedichte und Texte, die inhaltlich fein aufeinander abgestimmt sind, um sich ohne Bruch aneinander zu fügen. - Kritik an Politik und Gesellschaft inklusive! Dabei ist das neue Buch sogar ein soziales Medium, denn: Der Autor ergreift nicht nur selbst das Wort, er lässt auch seine Leser zu Wort kommen. Kritisch stellt er sie Kulturministerien, Kunstbeauftragten, Galerien und Kolumnisten entgegen, die ihn - wie zu DDR-Zeiten - zur "unerwünschten Person" erklärten (die man bestenfalls beschweigt). Der Volksmund dürfte mit seiner Feststellung richtig liegen: "Der Prophet im eigenen Land gilt nichts!" (jedenfalls bei den Etablierten)
Den "Geist der Zeit" auf ´s Korn genommen - hier: "Modetorheit"

Beim "gemeinen" Volk dürfte ihn sein neues Buch "Nackt zwischen Dornen" indes noch populärer machen. Der mündige Bürger und Leser wird sich dabei wohl so manches Mal auf die Schenkel klopfen, wenn Klaus Ender beispielsweise dem ehemaligen Bundespräsidenten Gauck die Leviten liest oder er die Bundeswehr kurzerhand für den Friedens-Nobelpreis vorschlägt, weil nur noch jedes dritte Fahrzeug einsatzfähig ist und das Sturmgewehr G 36 so selten trifft. Der Autor weiß eine feine Klinge zu führen, wenn es etwa um die marktkonforme Demokratie, Doppelmoral, Fördergelder, Windkraft oder die "Verkehrswege-Sicherung" geht. Für Letztere werden auf der Insel Rügen derzeit reihenweise die Bäume niedergestreckt. Und weil Bilder manchmal mehr als tausend Worte sagen, zeigt Klaus Ender die ihn erschütternde "Mondlandschaft" und deren übriggebliebenen Baustümpfen mitten im Nationalpark Jasmund, so klagend, dass man weinen möchte. Denen aber, die selbst den Mut der Verzweiflung pflegen, um aktiv zu werden, gibt er noch einen Rat mit auf den Weg:

"Wenn einem andere Menschen einen Strick drehen, 
sollte man daraus eine Hängematte flechten." 

Als mündiger Bürger spricht er aus, was immer mehr denken...

"Politik in diesen Tagen
heißt für mich - zu hinterfragen,
was in der Polemik steckt,
die mein ganzes Mißtrau´n weckt..."

Es mag sein, dass sich mancher Leser am Ende des Buches bestätigt fühlt - in seinem Gefühl "Nackt zwischen Dornen" - aber: Nun weiß er, dass er nicht allein ist und nirgendwo hat man je schöner gelitten als auf diesen 120 Seiten, die uns die Gegenwart unserer Zeit spiegeln und die eigene Verletzbarkeit offenbaren. Der Autor beschreibt sein neuestes Werk in wenigen Zeilen so:

"Mit 80 Jahren ziehe ich Bilanz - persönlich, gesellschaftskritisch, teils ironisch - erfährt der Leser Hintergründe. Ich werbe für einen respektvolleren Umgang mit der Natur und nehme die unfähige Politik aufs Korn. Erstmalig lasse ich Leserinnen und Leser bzw. BesucherInnen meiner Ausstellungen zu Wort kommen."

Das Buch "Nackt zwischen Dornen" wurde im Rügen-Druck in Putbus in einer sehr hohen Qualität im Format 24 x 22 cm mit Hardcover gedruckt und ist erst vor wenigen Tagen unter der ISBN 978-3-00-062161-1 im Verlag Klaus Ender erschienen. Die Fotos, Texte, Gedichte, Aphorismen sind von Klaus Ender, Satz und Layout lagen bei Gabriela Ender. Damit ist es - im Gegensatz zu vielen anderen Produkten, wo "Rügen" drauf steht - ein echtes "Rügen-Produkt", das sich für 18,00 EUR mehr als empfiehlt und im guten Buchhandel oder direkt bei Klaus Ender zu erwerben ist.

PS: Leider vermögen unsere Fotos nicht einmal ansatzweise die Qualität der Fotos zu zeigen...

Und immer wieder Rügen: Hier der Leuchtturm von Sasnitz
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