Mittwoch, 10. April 2019

Vortrag: Rudolf Petershagen - Mythos und Wahrheit

Der ehemalige Greifswalder Stadtkommandant Rudolf Petershagen (Foto: Stadtarchiv Greifswald)
Greifswald (PA). Am Donnerstag, den 11. April 2019, findet um 19.00 Uhr ein Vortrag anläßlich des 50. Todestages des ehemaligen Greifswalder Stadtkommandanten Rudolf Petershagen (1901-1969) im Bürgerschaftssaal des Rathauses statt.

Der Vortrag "Rudolf Petershagen: Mythos und Wahrheit" vom Leiter des Stadtarchivs Uwe Kiel widmet sich dem Greifswalder Ehrenbürger, der damals im Alter von 67 Jahren aus dem Leben schied. Noch heute verbindet sich für viele sein Name mit der kampflosen Übergabe der pommerschen Universitätsstadt Greifswald an die Rote Armee. Dieses Ereignis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wird bis heute kontrovers diskutiert - auch weil sich damit die Rettung der Stadt vor der Zerstörung verbindet und wohl keiner der daran Beteiligten so umstritten war, wie der Stadtkommandant selbst.

In der DDR wurden Rudolf Petershagen seit Mitte der 1950er Jahre viele Ehrungen zu Teil. Sein Buch „Gewissen in Aufruhr“ und der darauf basierende gleichnamige Mehrteiler des DDR-Fernsehens mit Erwin Geschonneck in der Hauptrolle sorgten für einen enormen Bekanntheitsgrad. Mit dem Ende der DDR begann jedoch auch das „Monument“ Rudolf Petershagen zu wanken. Neue Legenden traten an die Stelle alter Mythen. Was aber ist die Wahrheit?

Der Greifswalder Stadtarchivar Uwe Kiel, der seit Jahren die Geschichte der kampflosen Übergabe und das Leben von Oberst Rudolf Petershagens erforscht hat, stellt in seinem Vortrag am Donnerstag einige der Ergebnisse seiner Recherchen einer breiten Öffentlichkeit vor.

Rudolf Petershagen entstammte einer Hamburger Kaufmannsfamilie. Nachdem er eine militärische Laufbahn einschlug und seine Frau Angelika von Lindequist geheiratet hatte, wurde er 1937 zum Hauptmann befördert und als Kompaniechef in das Infanterieregiment 92 nach Greifswald versetzt. 1938 war er an der Besetzung der Tschechoslowakai durch die Wehrmacht beteiligt. 1939 wurde er außerplanmäßig zum Major befördert. Als solcher gehörte Petershagen zum Stab der Ersatzdivision in Stettin. Weitere Einsätze waren in Frankreich, auf dem Balkan und Rußland. Für einen Ausbruchversuch in der ersten Schlacht um Charkow erhielt er das Ritterkreuz. Bei der Schlacht um Stalingrad wurde er schwer verwundet und aus Stalingrad ausgeflogen. Er kam in ein Lazarett nach Greifswald und wurde am 1. Januar 1945 zum Stadtkommandanten von Greifswald ernannt. Am 30. April 1945 wurde die Stadt Greifswald kampflos durch Stadtkommandant Oberst Rudolf Petershagen an die Rote Armee übergeben.