Freitag, 26. April 2019

Wie geht es weiter mit der Metropolregion Stettin?

Ein Regio ET 446 der Deutschen Bahn fährt an blühenden Rapsfeldern (Foto: Deutsche Bahn /Georg Wagner)
Stettin (PA). Vor über 140 Jahren nahm die Berlin-Stettiner Eisenbahn-Gesellschaft (BStE) die Bahnstrecke zwischen der Hauptstadt Berlin und der Odermetropole Stettin in Angriff und stellte die 135 Kilometer lange Strecke 1873 zweigleisig fertig. Die Wiederbelebung dieser bahntrasse, die von Seiten der Länder Berlin und Brandenburg vorangetrieben wurde, droht nun politisch ins Hintertreffen zu kommen. Für Irritationen sorgen neue Nachrichten aus Stettin.

Sie gehört zu den ersten Bahnstrecken, die in Deutschland gebaut wurden: Die Strecke Berlin-Stetin oder kurz die "Stettiner Bahn". Auf ihr rollten Güter- und Personenzüge, ab 1873 sogar auf zwei Gleisen zwischen der Hauptstadt Berlin und der Odermetropole Stettin. Erst das Ende des zweiten Weltkriegs bremste den Verkehrsfluß zwischen den beiden Städten aus. Das zweite Gleis wurde als Reparationsleistung für die Sowjetunion demontiert und eine Grenzziehung westlich der Oder sorgte zusätzlich für Einschränkungen. 

Kein Wunder aslo, dass die bereits 2012 erzielte Einigung zur Elektrifizierung der Gesamtstrecke und der letztlich von den Ländern Berlin und Brandenburg vorngetriebene  Ausbau der Bahntrasse mit zwei Gleisen als Signal für den ländlichen Raum verstanden wurde, der nun auf eine bessere Anbindung zu den beiden Städte an der Oder und der Spree hoffen durfte. Greifbar wurde dies, nachdem man im letzten Jahr beim 3. Bahngipfel mit der Republik Polen erklärte, dass die Länder Berlin und Brandenburg mit der Investition von 100 Mio. sogar in Vorleistung gehen wollten, um die Bahnstrecke diesseits bis 2026 fertig stellen zu können und damit die Vorraussetzungen für einen zweigleisigen Verkehr der Deutschen Bahn (DB) zwischen Berlin und Stettin zu schaffen.

Für Irritationen sorgte nun jedoch die jüngste Nachricht, dass auf den letzten 10 Kilometern vor Stettin nun doch wieder mit einem Gleis geplant wird. Für den Ausbau dieser letzten Streckenkilometer soll derzeit - wie das "Märkische Medienhaus" kürzlich berichtete - noch eine Studie erarbeitet werden, die einen zweigleisigen Ausbau prüft. Parallel dazu wurde bekannt, dass die Stadt Stettin derzeit Pläne für ein "Stettiner Metropolbahn-Netz" nach vorne treibt, welches noch in diesem Jahr begonnen werden soll. Die so entstehende S-Bahn soll Reisende vom Zentrum in das Umland bringen. 85% der Investitionskosten könnten dabei durch EU-Gelder gedeckt werden. Eine Anbindung nach Berlin wäre dabei verkehrstechnisch eigentlich das "i Tüpfelchen".

Grund genug, um beim Bahngipfel, der am Mittwoch, den 8. Mai 2019, in Breslau stattfindet auch die Bahnstrecke zwischen Berlin und Stettin noch einmal zu thematisieren, denn derzeit enden die Bahnverbindungen in Richtung Stettin noch im Industriegebiet Pölitz (etwa 15 Kilometer nördlich von Stettin), am Flughafen Gollnow (etwa 45 Kilometer nordöstlich von Stettin), in Stargard (etwa 40 Kilometer östlich von Stettin) oder in Greifenhagen (etwa 25 Kilometer südlich). Für eine Metropolregion, wie Stettin, gibt es also einigen Handlungsbedarf!

Dabei sind die Pläne rund um Stettin nicht nur in Sachen Schiene sondern auch beim Straßenbau ehrgeizig: So wurden bereits im letzten Jahr Pläne vorgestellt, die einen 50 Kilometer langen Schnellstraßenbau westlich von Stettin vorsehen. Von Kolbitzow erfolgt die Straßenführung über Daber (östlich davon) und Pölitz (nördlich davon), überquert dann die Oder bei Langenberg um über Hackenwalde (südlich davon) nach Gollnow (nördlich davon, beim Flughafen) zu enden. Für den Ausbau der Infrastruktur wurden bereits etwas über 2 Mio. EUR veranschlagt. Unklar ist lediglich - wie Lukas Lendner von der Genraldirektion der Straßen und Autobahnen 2018 in Stettin mitteilte, ob die Ausführung - die einen "Stettiner Ring" entstehen lassen könnte - alleine durch finanzielle Mittel der öffentliche Hand erfolgt.

Bereits in diesem Jahr sollen 130 Kilometer der Schnellstraße (wir berichteten) zwischen Gollnow und Köslin für den Verkehr freigegeben werden. Experten haben für die dann nutzbare Strecke zwischen Stettin und Köslin eine Fahrzeitverkürzung um eine Stunde prognostiziert.

https://www.inselreport.de/p/stettin.html

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