Mittwoch, 1. Mai 2019

Aus einer gespaltenen Stadt: Der 1. Mai in Greifswald

Schirmherr Dr. Stefan Fassbinder (Bündnis 90/Die Grüne) begrüßt die Gäste des Kulturfestes
Greifswald (PA). Heute, am Mittwoch, den 1. Mai 2019, begann um 13.00 Uhr das vierte Greifswalder Kulturfest auf dem Markt der pommerschen Universitätsstadt. Eingeladen hatte das Bündnis "Greifswald für alle" zu einer Veranstaltung, die unter das Motto "Vielfalt, Solidarität, Gerechtigkeit" gestellt wurde.

Zur Eröffnung des Festes auf dem Platz am Rathaus richtete auch Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder  (Bündnis 90/Die Grüne) als Schirmherr seine Grußworte an die Gäste. Er erinnerte dabei an einen dänischen Flüchtling - Harald Blauzahn - der einst nach Pommern geflohen sei und betonte, dass Pommern schon immer ein gastfreundliches Land gewesen wäre. In diesem Zusammenhang erwähnte er auch, dass er den Auftrag der Bürgerschaft hätte, den auf Rügen gefunden Silberschatz nach Greifswald zu holen. Zudem meinte Fassbinder, dass Menschen, die nach Greifswald kämen, die pommersche Universitätsstadt bunter machen würden. Auch erwähnte er, dass er am Vorabend des 1. Mais 2019 in die Nähe der Oder gefahren sei und erinnerte an die Aufnahme Polens in die Europäische Union im Jahre 2004. So leitete er seine Worte auch auf die Europawahlen über und forderte die Gäste des Festes auf, zur Wahl zu gehen und ggf. auch die Briefwahl zu nutzen. Abschließend drückte er seine Freude über die Vielfalt der Teilnehmer am Fest auf dem Markt aus, dankte den Organisatoren und wünschte allen einen schönen ersten Maitag.

Auf dem Markt präsentierten sich sowohl Parteien, als auch Vereine und Organisationen der Stadt. Lediglich die CDU, als stärkste Fraktion der Bürgerschaft mit 11 Sitzen, fehlte. Begründet wurde die Abwesenheit der Partei damit, dass das - nach eigenen Aussagen "sehr offene" - Bündnis der Bürgerinitiative "Ernst Moritz Arndt bleibt" keinen Platz auf dem Fest eingeräumt habe, weil diese sich nicht klar genug von anderen "intoleranten Menschen oder Positionen" abgegrenzt hätte. Die Absage einer Teilnahme der Bürgerinitiative "Ernst Moritz Arndt bleibt" am vierten Kulturfest durch die Veranstalter wurde auch von Seiten der Bürgerinitiative heute bestätigt.

Bürgerinitiative "Arndt bleibt": Treffen am Mühlentor um eine Volksinitiative auf den Weg zu bringen
So trafen sich die Vertreter der Bürgerinitiative nur einige hundert Meter weiter am Mühlentor, um gemeinsam Unterschriften für eine Volksinitiative zu sammeln. Ziel der Initiative sei es, die Festlegung des Namens "Ernst Moritz Arndt" für die pommersche Universität auf diesem Wege durch das Festschreiben im Landeshochschulgesetz zu erzielen. Immerhin erhielten sie heute so etwa einhundert weitere Unterschriften dafür. Tatktäftige Unterstützung und politischer Rückenwind kam auch hier von Seiten der CDU, die mit Arndt sogar in den Wahlkampf zieht und das Abbild des Rüganers in ganz Greifswald plakatiert hat.  

Ein Ende der Spaltung der Hansestadt, die sich auch quer durch die politischen Lager zieht, ist derzeit nicht absehbar. Zu den Mitgliedern der Bürgerinitiative "Ernst Moritz Arndt bleibt", die sich im Zuge des Streits um die Ablegung des Namens durch die Greifswalder Universität gründete, gehört u.a. Peter Multhauf (Die Linke). Er erklärte erst kürzlich gegenüber einem lokalen Medium: 

„Es ist einfach falsch, fast bösartig und erscheint uns als eine Art ,Schutzbehauptung’, dass wir angeblich organisierten Rechtsextremisten auf ihren Veranstaltungen öffentlich wirksamen Raum geben.“

Wenn es nach Bürgerschaftspräsidentin Birgit Socher (Die Linke) ginge, hätten sich das Bündnis "Greifwald für alle" und die Bürgerinitiative "Ernst Moritz Arndt bleibt" einfach an einem Runden Tisch getroffen. Doch dazu kam es im Vorfeld des vierten Kulturfestes auf dem Marktplatz nicht. 

Die CDU plakatiert in Greifswald "Wir sind Arndt!"
---

Weitere Beiträge zu Ernst Moritz Arndt: