Donnerstag, 9. Mai 2019

Erschütternde Ausstellung zum 8. Mai

"Wolfskinder" - Titel der Ausstellung im Greifswalder Dom

Greifswald (PA). Am Mittwoch, den 8. Mai 2019, wurde um 18.00 Uhr die aktuelle Ausstellung "Wolfskinder" im Dom St. Nikolai eröffnet. An dem Festakt nahmen u.a. der pommersche Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit sowie der litauische Botschafter SE Darius Jonas Semaska, Prof. Dr. Stephan Kessler und Dr. Christopher Spatz teil.

Blick auf die Tafeln der Wanderausstellung "Wolfskinder"
Die pommersche Kirche erinnert in diesem Jahr auf ganz eigene Art und Weise an das Ende des 2. Weltkrieges. Pünktlich zum 8. Mai rückt sich nicht "Sieger und Besiegte" oder "Befreier und Befreite" in den Mittelpunkt sondern Kinder. Es sind Kinder, die mit dem Ende des Krieges nicht nur das Dach über dem Kopf verloren haben sondern auch ihre Eltern. Und diese Kinder haben heute auch einen Namen: "Wolfskinder". Der Begriff, der seine Prägung erst in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts erhalten hat und an die Sage von Romulus und Remus erinnert, umschreibt die deutschen Kinder, welche sich durch den Verlust von Heim und Eltern verselbständigten, verwilderten und soweit dies vorkam auch zusammenschlossen, um gemeinsam in den von ihnen gebildeten Notgemeinschaften zu überleben. In der Nachkriegszeit und angesichts des drohenden Hungertods mussten sie dabei von Ostpreußen nach Litauen gehen, um zu betteln oder zu arbeiten, wobei sie sich dafür z.T. sogar verleugneten, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. 

Eindrucksvolle Schilderungen der Erlebnisse durch Zeitzeugen erfolgen auch in Bild und Ton
In der nun gezeigten Ausstellung, die noch bis zum 10. Juni 2019 im Greifswalder Dom zu sehen ist, wird das Schicksal dieser "Wolfskinder" eindrücklich dokumentiert. Inhaltlich hebt die Ausstellung dabei vor allem exemplarische Einzelschicksale heraus und stellt diese auf Tafeln mit Fotos aus dem Leben dieser Kinder dar. Ergänzt werden diese zusätzlich durch Kurzfilme die Gespräche dokumentieren, die mit den Betroffenen geführt wurden. Die Darstellung erfolgt dabei sowohl auf deutsch als auch auf litauisch, da das Litauische Zentrum für die Erforschung des Genozids und des Widerstandes diese Wanderausstellung konzipierte. Ziel der Ausstellung ist es, dadurch auch einen Beitrag zur Aufarbeitung dieses tragischsten Kapitels der gemeinsamen deutsch-litauischen Geschichte zu leisten. In Deutschland war die Ausstellung zuvor bereits in Erfurt, Berlin und Potsdam zu sehen.   

Die Ausstellung gibt den schwächsten Opfern des letzten Weltkrieges ein Gesicht
Das Zeigen der Ausstellung in Vorpommern hat zudem noch einen historischen Zusammenhang. Wie kürzlich zu erfahren war, hatte die Sowjetunion einen Teil dieser tausenden Kinder, die nun Vollwaisen waren, zwischen Herbst 1947 und Herbst 1948 von Ostpreußen nach Pasewalk transportiert. Hier seien sie aus den Zügen genommen und in Heime nach Eggesin, Seltz, Grimmen und Koserow verbracht worden - so der Historiker Dr. Christopher Spatz, der sich dem Thema in seinem Buch "Nur der Himmel blieb derselbse - Ostpreußens Hungerkinder erzählen vom Überleben" widmete. So wären alleine 1.334 Mädchen und Jungen im Kinderquarantänelager Eggesin aufgenommen worden. Die Kinder waren dabei traumatisiert und unterernährt. Bedingt durch die Mangelernährung war nicht einmal eine Impfung möglich...