Freitag, 10. Mai 2019

Zwingen hohe Abwassergebühren Kleingärtner in die Knie?

Bergener Geschäftsstelle des Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen (ZWAR)
Bergen / Sellin (PA). Die am 12. Dezember 2018 beschlossene Gebührensatzung zu den Grundstücksabwasseranlagen regelt auch die Abfuhr von Inhalten der Kleinkläranlagen auf der Insel Rügen. Bedingt durch ein geringeres Fassungsvermögen ist bei diesen ein häufigeres Anfahren in der Saison notwendig.

Um eine kostendeckende Gebührensatzung zu erzielen, sah man die Einführung einer gestaffelten Anfahrtspauschale und einen einheitlichen Kubikmeterpreis von 7,10 EUR als eine Lösung an. Dies bedeutete jedoch auch, dass die Kleinkläranlagen von Kleingartenparzellen, die in der Regel ein Fassungsvermögen von bis zu 3 m³ haben, für die einmalige Entsorgung mit Kosten von 100,00 EUR sowie 7,10 EUR für jeden Kubikmeter Abwasser rechnen müssen. Bedingt durch mehrmalige Anfahrten explodieren so die Nebenkosten und Verursachen mehrere hundert Euro. Da dies zu einem großen Unmut bei den Kleingärtnern der Insel führte, wurden vom Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen (ZWAR) neue Varianten zur kostendeckenden Abrechnung erarbeitet und auf der Zweckverbandsversammlung am Mittwoch, den 24. April 2019, den Vertretern der Städte und Gemeinden der Inseln Rügen, Hiddensee und Ummanz vorgestellt. Dazu konnte jedoch nur der Umlagemaßstab verändert werden. Bei der nun angesetzten Abstimmung sprach sich eine Mehrheit der Bürgermeister der Städte und Gemeinden gegen eine Neuregelung aus, wodurch die ursprüngliche Satzung vom 12. Dezember 2018 bestehen bleibt und folglich ab diesem Jahr auch seine Anwendung findet.

Zu diesem Thema, dass den Unmut der Kleingärtner erregt, erreichte uns nun ein Leserbrief: 

"Der Vorstand der Kleingartenvereinigung e. V. Sparte „Frieden“ Sellin ist mit dem jetzigen gefassten Beschluss von ZWAR erstaunt über unsere Bürgermeister der Insel Rügen, 35 vom Volk gewählte Bürgermeister sind gegen die neue Vorlage vom ZWAR, 28 dafür und 9 enthalten sich der Stimme. Das ist beschämend, bei einer solchen wichtigen Entscheidung sich zu enthalten.

Das zeigt doch eindeutig, dass diese Damen und Herren gar kein Interesse an den Kleingartenvereinen haben und hoffen, dass die letzten auch noch aufgeben, weil Menschen, welche sich 40 Jahre und länger ein Kleinod geschaffen haben und sie diese hohe Kosten nicht mehr leisten können.

Diese Anlagen können dann auch noch als Bauland umgewandelt und verscherbelt werden.

Noch interessanter sind die Aussagen von unserem jetzigen Bürgermeister Herrn Liedtke in dem Wahlprogramm der SWG, „wir setzen uns für eine gesicherte Zukunft unserer Kleingartenanlagen ein“.

Noch vor drei Jahren wollte er und seine Gemeindevertretung die Gärten verkaufen. Es ist doch schon alles sehr seltsam und steht im Widerspruch.

Wir als Vorstand werden uns gegen diesen Beschluss vom ZWAR wehren."

Peter Ahrend  

(Die von den einzelnen Autoren veröffentlichten Texte, Leserbriefe und Beiträge geben nicht die Meinung der Redaktion wieder)
 

---

Die Kleingartenvereinigung e. V. Sparte „Frieden“ wurde 1947 gegründet und ist die älteste Gartenanlage des Ostseebades. Sie ist eine von über 50 Vereinigungen, die Mitglied im Inselverband der Gartenfreunde e.V. Rügen sind. Dieser hat weitere Gartenvereinigungen in Altefähr, Altenkirchen, Bergen, Binz, Bobbin, Breege, Buschvitz, Dranske, Dreschvitz, Drosevitz, Garz, Gingst, Göhren, Lancken-Granitz, Lauterbach, Lohme, Mukran, Neuenkirchen, Putbus, Poseritz, Rambin, Sagard, Samtens, Saßnitz, Schaprode, Thiessow, Vaschvitz und Wiek.

Der Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen (ZWAR) ist ein kommunales Unternehmen, dass am 3. Juni 1992 von den Städten und Gemeinden der Inseln Rügen, Hiddensee und Ummanz als Zweckverband gegründet wurde, um die Aufgabe der Trinkwasserversorgung und der Abwasserbehandlung gemeinsam zu lösen.