Dienstag, 2. Juli 2019

Was die alten Römer über Rügen wußten...

Der römische Historiker und Senator: Publius Cornelius Tacitus (* um 58 n. Chr.; † um 120)
Rügen (PA). Wer hätte das gedacht? Schon den alten Römern war die Insel Rügen bekannt! Tacitus, der römische Historiker und Senator, der zugleich einer der bedeutendsten Redner seiner Zeit war, widmete sich der Insel Rügen und den Rüganern in seinem Werk "Germanica". So schrieb er u.a.:

"Protinus deinde ab Oceano Rugii et Lemovii; Omniumque harum gentium insigne rotunda scuta, breves gladii et erga reges obsequium..." (Cap. 44)

Inhaltlich berichtet er von den germanischen Stämmen, die am Baltischen Meere - der Ostsee - wohnen. Unmittelbar darauf wohnen am Ocean die Rugier und Lemovier. Ihre Eigenheit beschreibt er durch runde Schilder und kurze Schwerter sowie ihren Gehorsam gegenüber den Königen. Auch von der Göttin Nerthus und dem Hertha-See weiß er Dinge zu berichten:

"Nec quiquam notabile in singulis, nisi quod in commune Nerthum, id et Terram matrem, colunt camque intervenire rebus hominum, invehi populis arbitrantur, est in insula Oceani castum nemus, dicatumque in eo vehiculum, veste con tectum; attingere uni facerdoti concessum. is adesse penetrali deam intellegit vectamque bubus feminis multa cum veneratione prosequitur. laeti tunc dies, festa loca, quaecumque adventu ho spitioque dignatur non bella ineunt, non arma sumunt; clausum omne ferrum; pax et quies tunc tantum nota, tunc tantum amata, donec idem jacerdos satiatam conversatione mortalium deam templo reddat. mox vehiculum et vestis et, sie credere velis, numen ipium secreto lacu abluitur. seroi mic nistrauts quos statim idem lacus haurit. arcanus hinc terror sanctaque ignorantia quid sit illud, quod tantum perituri vident." (Cap. 40)

Tacitus schreibt ferner, dass an einigen nordischen Stämmen nichts Bemerkenswertes ist: Das sie gemeinschaftlich die Nerthus (gemeint ist die Mutter Erde) verehren oder von ihr glauben, sie mische sich unter das menschliche Treiben und komme zu den Völkern gefahren. Doch es gibt auf einer Insel im Ocean einen Hain und in diesem einen geweihten Wagen, welcher von einem Tuche bedeckt ist. Diesen darf jedoch nur ein Priester berühren. Er spürt, wenn die Göttin im Heiligtum sitzt, und: Er folgt ihr, wenn diese in ihrem Wagen von Rindern gefahren wird, in tiefer Ehrfurcht. Die Orte, die die Göttin besucht, sind festlich geschmückt, wenn sie die Stätten mit ihrem Erscheinen würdigt. Alles ist friedlich und es herrscht Ruhe. Die Waffen bleiben an diesen Tagen unberührt und es wird nur geliebt, bis derselbe Priester die Göttin, nachdem sie des Verkehrs mit den Sterblichen zur Genüge genossen hat, in das Heiligtum zurückbringt. Im Anschluß werden Wagen und Tuch - und so man es glauben mag auch die Göttin - in einem einsamen See gewaschen. Diese Dienste verrichten Sklaven, die derselbe See sofort verschlingt. Das erklärt den geheimen Schauer und das heilige Dunkel darüber, was jenes Wesen ist, dass nur dem Tod Geweihte zu sehen bekommen...

Und so dachten wir: Sicher ist es auch heute noch interessant, dass man sich selbst im damaligen Imperium mit der Insel, den Bewohnern und ihren Eigenheiten beschäftigte.

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Ausschnitt: "Germania antiqua in quatuor magnos populos in minores et minimos distincta"  (Robert de Vaugondy)