Donnerstag, 1. August 2019

Wie auf Rügen die zivile Luftfahrtgeschichte begann

Historische Postkartenmotive dokumentieren die zivile Luftfahrtgeschichte Rügens am Selliner See

Rügen (PA). Wenn man alten Überlieferungen glauben mag, begann die Fluggeschichte auf Deutschlands größter Insel mit einem Besuch des Berliner Fliegerpiloten Robert Heinrich Thelen (1884-1968). Er veranstaltete im August 1911 - also vor 108 Jahren - mit seinem Flugapparat der Gebrüder Wright ein zweitägiges Schaufliegen. 

Die zivile Luftfahrtgeschichte startete jedoch erst nach dem ersten Weltkrieg auf der Insel. Alles begann mit Post- und Bedarfsflügen. Zwar steuerten bereits kurz zuvor (im Jahre 1917) die neu gegründete Deutschen Luftreederei (DLR) und später auch die 1919 gegründeten österreichischen Luftverkehrsgesellschaft von Dr. Joseph Sablatnig Rügen an, doch den regulären Anschluss an den Luftlinienverkehr erhielt die pommersche Insel erst im Jahre 1921. So wurde die Fluglinie Travemünde-Warnemünde-Saßnitz-Swinemünde eingerichtet.

Zum eigentlichen Durchbruch kam es jedoch erst 1925. Neben der vorgenannten Flugverbindung, die die beide pommerschen Bäder Saßnitz und Swinemünde verband, wurde erst mit der Gründung der Luftverkehr Pommern GmbH (LVP), die auf Initiative des Ober-Präsidenten der Provinz Pommern Julius Lippmann erfolgte, die regelmäßigen Landungen von Wasserflugzeugen ab dem 1. Juli 1925 auf Mönchgut möglich.

Ein weiteres historisches Postkartenmotive vom Landeplatz der Wasserflugzeuge auf dem Selliner See
Dies war auch der Beginn einer neuen Ära des pommerschen Flugverkehrs. Zwar musste man schon bald feststellen, dass das Wasser der Ostsee sehr "kippelig" war, doch man fand mit dem Selliner See einen perfekten Ausweichlandeplatz. Die Deutsche Luft Hansa arbeitete dabei mit der bereits erwähnten Luftverkehr Pommern G.m.b.H. Stettin in einer Betriebsgemeinschaft zusammen, so dass nun die Flieger Teil des Luftfahrplans wurden, der Rügen mit der Welt verband. Der Seeflughafen von dem aus die Sommerfluglinie Stettin-Sellin-Stralsund betrieben wurde, war übrigens der Seeflughafen Aldamm (am Dammschen See, bei Stettin), wo sich nun auch der Sitz der Lufthansa (auch für den Landflughafen Kreckow) befand. Um eine Vorstellung für die damalige Zeit zu erhalten, sei erwähnt, dass man nun mit dem Flieger von Berlin um 8.50 Uhr von Berlin abflog, die Ankunft erfolgte um 10.00 Uhr in Stettin. Von hier aus konnte man weiter nach Swinemünde (Ankunft: 11.15 Uhr), Sellin (Ankunft: 12.00 Uhr) oder Stralsund (Ankunft: 12.35 Uhr) reisen.

Eingesetzt wurde für den Sommerflugverkehr die legendäre Junkers F13. Später erfolgten auch Flüge mit der W33/34. Neben Passagieren nahm auch die Beförderung von Luftfracht immer größeren Raum ein. Allerdings kam mit dem Beginn des zweiten Weltkriegs auch der reguläre Luftverkehr mit der Insel Rügen zum Erliegen...