Sonntag, 8. September 2019

Mein Sonntag in Saßnitz

Ein echtes Rügen-Produkt: "Heringsfilet in Tomatentunke" vom Produzenten "Rügenfisch"
Liebe Saßnitzer!
Ist es nicht erstaunlich, wie gelassen Politik und Medien mit dem Austritt Großbritaniens aus der EU (Brexit) umgehen? Dabei könnte man meinen, dass wir nur Zuschauer sind und eigentlich gar nichts damit zu tun hätten. Wirklich?

Gerade erst hat die Insel den "Rügener Badejungen" verloren. Er war ein echtes Inselprodukt mit pommerschen Wurzeln und einer Erfolgsgarantie ("Stolper Jungchen"). 2016 soll er sogar der beliebteste Cambertkäse Deutschlands gewesen sein...

Nun geht es wohl - vielleicht schon im Oktober! - der Rügener Fischverarbeitung an den Kragen. Die Einschläge kommen jedenfalls dichter. Denn wie formulierte es erst kürzlich Uwe Richter, der die Fischfabrik von Euro-Baltic (es ist das größte deutsche Herings-Verarbeitungsunternehmen!) in Mukran leitet? "Wir sind zu 100 Prozent angewiesen auf Hering aus der britischen Zone. Das stellt die Existenz des Werkes in Frage." Die Fakten: Euro-Baltic bezieht den Fisch vor allem aus schottischen Küstengewässern. Das sind 40.000 Tonnen Fisch jährlich und damit etwa 80% der Heringe, die in dem Werk auf der Insel Rügen verarbeitet werden. Und: Dabei geht es nicht nur um die etwa 250 Beschäftigten sondern auch um Arbeitsplätze bei den Firmen, die mit Euro-Baltic zusammen arbeiten... 
 
Peter Altmeier (CDU) im September 2017 im Hafenbahnhof
Es ist auch nicht so, dass man im Kanzleramt nichts davon wüßte. Im Gegenteil! Während des Wahlkampfes zum 19. Deutschen Bundestag war Peter Altmeier (CDU) in Saßnitz. Damals Chef des Bundeskanzleramtes (hier werden u.a. auch die deutschen Geheimdienste koordiniert) und einer der wichtigsten Vertrauten von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, heute Wirtschaftsminister (!). Bevor er in den Hafenbahnhof auf "ein Würstchen" die Vertreter von Vereinen einlud, war er mit seinem Parteifreund Holger Kliewe bei Euro-Baltic in Mukran gewesen. Zur Erinnerung: Schon damals war der Austritt Großbritaniens aus der EU (Brexit) ein Thema gewesen...

Kann man so ein Thema aussitzen? Es geht um hunderte Arbeitsplätze und erneut um verarbeitendes Gewerbe (von dem es immer weinger gibt). Als Wirtschaftsminister wäre Peter Altmeier jedenfalls der erste Ansprechpartner, oder?

Wir hätten da mal eine Frage, Peter Altmeier.
"Wie kommt der Fisch zukünftig in die Büchse?"

Ein schönes Wochenende wünscht
Euer Fiete