Sonntag, 1. September 2019

Mein Sonntag in Saßnitz

Für alle jüngeren Leser: Auch Saßnitz hatte mal einen Strand und eine Seebrücke... (Historische Postkarte)
Liebe Saßnitzer,
mit einiger Verwunderung blickt man derzeit nach Binz, denn die "Wasser-Prawda" reitet dort gerade das Kurtaxen-Thema "tot". Unter Schlagzeilen wie "Kurkarten-Chaos auf Rügen stört den Inselfrieden" oder "Diskussion über Kurkartenregelung setzt sich fort" ist die Aufregung, die sich wohl in einem "OZ+ Abo" für 2,49 EUR die Woche steigern soll, kaum noch zu bändigen. Wie die nächste Schlagzeile heißen könnte? Vielleicht so? "Kurkarten-Empörung ist auf dem Siedepunkt!" Von solchen Problemen ist Saßnitz derzeit jedenfalls weit entfernt.
"Kein Strand, keine Rettungstürme, keine Probleme!"

Keine Probleme? Das kann man durchaus anders sehen. Denn auch in Saßnitz gibt es eine Kurkarte. Was man dafür bekommt, wäre hinterfragenswert. Unser "Erholungsort" (mehr wird derzeit politisch nicht angestrebt) erhebt 1,50 EUR in der Saison - so der letzte Beschluß der Kurabgabensatzung (...die schon bald ihr Jubiläum von 20 Jahren feiert!). Nun: Wenn es stimmt, dass der Zweck der Kurabgabe der "Deckung des Aufwandes dient, um die Herstellung, Anschaffung, Erweiterung, Verbesserung, Erneuerung, Verwaltung und Unterhaltung" der öffentlichen Einrichtungen für Kur- und Erholungszwecke zu finanzieren, dann hat sich der Bedarf in Sassnitz jedenfalls seither nicht geändert. Hut ab! Inflationsausgleich, Lohnsteigerung, Finanzkrise... - bei uns blieb das alles folgenlos. Sogar die Schließung des Seesteges, der Abriß des Tierparks... Keine Wirkung!

...und Fährschiffe, die aus dem Ausland kamen und in Saßnitz festmachten... (Historische Postkarte)
Viele Fragen ließen sich also von den neuen Stadtvertretern an die Stadtverwaltung stellen. z.B.: 
Wie hoch ist der Finanzbedarf zum Erhalt der touristischen Infrastruktur? 
...

Und einigen Fragen müssen sich auch die neuen Stadtvertreter möglichst bald stellen:
Welche Leistungen soll man für die Kurkarte erhalten? 
Welche Zielgruppen soll Saßnitz zukünftig ansprechen? 
Welche touristische Entwicklung wird angestrebt?

Derzeit ist es fast so, als würde man sich auf einem Segelschiff wähnen, wo alle an Deck die gute Aussicht loben, aber keiner bereit ist, den Kurs festzulegen. 

(...da hilft auch nicht, dass das Beste an Binz der Blick auf Saßnitz ist!)

...und eine Küstenfischerei, deren Schiffe stolz ihr "SAS" über das Wasser trugen... (Historische Postkarte)
Achja, zum Thema "Abriß alter Tierpark - Neuer Tierpark". Trotz wohlwollender Berichterstattung der Wasser-Prawda (das erinnert schon an Berlin!) zur Investition von 5 Mio. EUR. - Man darf auch Planungen hinterfragen! Nein, es ist sogar die Pflicht, wenn man die Interessen der Bürger ernsthaft vertreten möchte. Erst recht, weil die alte Stadtvertretung den neuen Bürgervertretern wohl mit dem Tierpark einen "großen Mühlstein" um den Hals gehängt hat und es nun darauf anzukommen scheint, den Neubau "noch mit Anstand" über "die Bühne" zu bekommen. 

Kaum zu glauben ist jedenfalls heute, dass man einst die Diskussion um den Tierpark begonnen hatte, weil die laufenden Kosten zu hoch waren... Nehmen wir mal an, dass also 5 Mio. EUR an Steuermitteln wirklich bedarfsgerecht ausgegeben werden und setzen 30.000 Besucher jährlich mit 5,- EUR ins Verhältnis, dann würde der neue Tierpark 150.000,- EUR Einnahmen haben. Ohne die Unterhaltung der Tiere, die Bezahlung der Mitarbeiter und die Werterhaltung der neuen Anlage sowie aller weiteren Kosten, würde man also theoretisch weit über 30 Jahre benötigen, um die Investition zu tilgen (und das wäre noch zinsfrei und schöngerechnet). 

Wie kommt man eigentlich auf solche Ideen liebe alte Stadtvertreter? 

Einen schönen Sonntag wünscht
Euer Fiete