Mittwoch, 16. Oktober 2019

Hänsel und Greta


"Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald..."
Liebe Rüganer,
vielleicht ist Euch auch schon vor Jahren aufgefallen, dass die heutige Jugend die Musik ihrer Eltern und Großeltern hört - beispielsweise auf Konzerte von Roland Kaiser geht. Nichts gegen den Pop-Monarchen (wer es mag...)! Aber: Was ich damit meine? ...dass es schon komisch ist, wenn eine Jugend so angepaßt (an ihre Eltern) daher kommt (früher gab es eben noch Penner, Punks, Rocker, Popper oder Grufties). Das hat sich nun geändert, als Greta im letzten Jahr die "Bühne" betrat. Seither versuchen sich erstaunlich viele der "Alten" bei der Jugend anzubiedern und lassen sich dafür auch noch vorwerfen, ihr die Zukunft geraubt zu haben...

Vielleicht haben sie dabei allerdings vergessen, dass wir noch bei Oma Krause das gesammelte Zeitungspapier abholten, um es zur Sammelstelle zu bringen und Taschengeld zu haben. Es wurde dann wiederverwertet und dadurch wurden weniger Bäume gefällt (wir pflanzten sogar Wälder an!), um u.a. Bücher oder Zeitungen herzustellen. Es gab die Pfandflasche in jedem Einkaufsmarkt - flächendeckend! Und niemand wäre auf die Idee gekommen, dass man diese nur dort abgeben könnte, wo man sie gekauft hat. Wer sich fragt, wann sich das geändert hat, könnte die letzten zehn Jahre vor der Jahrtausendwende vor Augen haben. Am Ende flog die deutsche Luftwaffe wieder Einsätze über fremden Ländern und die Dosenpfandverordnung wurde von Angela Merkel als grenzenloser Schwachsinn bezeichnet. Zu jener Zeit also wurde eine neue Generation geboren. Diese Kinder "verbrauchten" als Kleinkind - lt. Statistik - etwa 5.000 bis 6.000 Windeln. Und in der Tat hatten schon ihre Großeltern den Kopf geschüttelt, wenn sie deren großen Windelpakete sahen, die Woche für Woche von den Eltern gekauft und weggeworfen wurden. Für ihre Sprüche mit den Baumwollwindeln ernteten sie allerdings nur ein müdes Lächeln der "neuen" Eltern. Wer hätte diese auch auswaschen mögen? Man kaufte mit dem Geld nicht nur diese Zeit. Und Notstand brauchten die kleinen Racker ohnehin nicht zu erleiden. Da in ihrer Generation nur noch ein Bruchteil von Kindern auf die Welt kamen, standen auch weit mehr Geschenke von den Eltern und Großeltern auf den Gabentischen zu den angesagten Festen - egal ob Geburtstage, Ostern oder Weihnachten: Man konnte fast Mitleid haben, wenn sich die Kinder zwischen dem Spielzeug nicht entscheiden konnten. So war der spätere Ausfall des Internets und die so herbeigeführten Familienkrisen eigentlich folgerichtig! An einen Stromausfall möchte man bis heute nicht denken: Wie sollten dann auch die Handys der "Teenager" geladen werden? Und wer Kleidung für die Jüngsten einkaufte, musste schon bald erkennen, dass es in dieser Welt um angesagte Marken ging - vor allem in der Schule! Klar, ein Hort der (Marken-)Bildung! ...die Zeiten hatten sich eben gewandelt. Also wurde auch nicht lange diskutiert, zumal Töchter und Söhne keine Außenseiter werden sollten. Und statt mit der Bahn oder dem Auto in die Ferien zu fahren, durfte es schon mal ein Flugzeug oder ein Kreuzfahrtschiff sein...

Heute erklären uns "Hänsel und Greta" nun unsere ökologischen Fußabdrücke, die wir hinterlassen. Sie gehen Freitags für die Zukunft ("Fridays for Future") demonstrieren, wettern gegen Diesel oder SUV´s und fragen uns am Montag kleinlaut, ob sie nicht zur Schule gefahren werden könnten. Bei Schulausflügen (mit dem vom Diesel getriebenen Reisebus) soll es nach Berlin oder Hamburg gehen, damit man in der Großstadt mal so richtig "shoppen" gehen kann (mit dem Geld welches ihnen Eltern und Großeltern zugesteckt haben.). Ihre Zukunft? Die ist rosarot! Eigentlich wollen alle studieren (dabei bricht fast ein Drittel aller Studenten sein Studium ab), damit sie später auch das Sagen haben können. Weil: Körperliche Arbeit gilt oftmals als für Dumme (Warum fehlt die Achtung davor?) und im Zweifel wird man dann doch lieber Hartzer oder Youtube-Star. Und für alle, die noch keinen Plan haben, bleibt ja noch der Staatsdienst - im Zweifel mit Pfeil und Bogen unter dem Motto: "Wir.Dienen.Deutschland." (Wirklich?)

"Hu, hu, da schaut eine alte Hexe raus,
sie lockt die Kinder ins Pfefferkuchenhaus.
Sie stellte sich gar freundlich, o Hänsel, welche Not!
Sie will dich backen im Ofen braun wie Brot!"
Ein Blick über den unbegrenzten Tellerrand würde dabei reichen, um zu verstehen, dass man so als Jugend wirklich keine Zukunft haben kann. Und die Schuldfrage? Die ist dabei gar nicht so einfach zu beantworten, denn die Verantwortung für diese Entwicklung beginnt natürlich bei jedem von uns. Weniger ist manchmal eben doch mehr. Das Fazit? Laßt die Kinder wieder zu Fuß laufen (das ist gut für die Umwelt) oder Fahrrad fahren (nicht e-Bike oder e-Scooter), kauft ihnen keine Playstations oder Handys (dass frisst nur unnötig Strom) und laßt sie sich wieder wahre Freunde suchen und sich mit ihnen persönlich treffen (dann braucht man kein Facebook). Sicher ist das überspitzt, aber: Nur etwas mehr von diesem "Weniger!" könnte auch unsere Kinder und Enkel wieder erden (wenn der Sinn dieses Wortes noch bekannt ist). Dann bedürfte es auch keiner Kulturrevolution, wie sie (mit ganz anderen Zielen) in Gang gesetzt wurde...

Wer wissen will, wohin das Ganze ansonsten führt, dem kann man nur das Lesen des Buches "Hibiskus oder Vom Wandel der Beständigkeit" von Gu Hua empfehlen. Es war schon zum Ende der DDR schwer zu bekommen und ist noch nicht verboten. Wer lieber die Gebrüder Grimm (auch als Gute-Nacht-Geschichte für seine Kinder) vorzieht, dem sei verraten, dass sich auch bei Hänsel und Gretel alles noch zum Guten wendet. Sie wurden zwar zunächst verführt, besiegen dann aber die "menschenfressende" Hexe (und Ähnlichkeiten sind natürlich rein zufällig)...

Hans Hegel

PS: Die Illustrationen für das Grimmsche Märchen sind von Alexander Zick (1845-1907)