Sonntag, 27. Oktober 2019

Mein Sonntag in Saßnitz

Noch nicht im sicheren Hafen: Die "Havel"...

Liebe Saßnitzer,
bis vor zehn Jahren wurde das Saßnitzer Fischerei- und Hafenmuseum vom gleichnamigen Verein geführt. Der hatte einst - im Jahre 1996 - die kulturelle Einrichtung, die sich u.a. der Geschichte der Hafenstadt Saßnitz, der Fischerei & Fischverarbeitung - aber auch dem Fährverkehr und der Bäderschifffahrt - verschrieben hat, eröffnet. 

Am 1. Januar 2020 wären es nun genau 10 Jahre in denen das Fischerei und Hafenmuseum  durch die Stadt Saßnitz betrieben wird. Der gleichnamige Verein hatte sich indes - lt. Satzung - das Ziel gesetzt, das Museum zu erhalten und weiterzuentwickeln. Das klingt zwar gut, stellt sich aber letztlich so dar, dass die Stadt Saßnitz die Kosten dafür zu tragen hat. Und die sind nicht ohne! Immerhin zahlte die Stadt Saßnitz bisher etwa 80.000,- EUR jährlich - also 320.000,- EUR (!) in den letzten vier Jahren. Daran änderte auch der neue Stiftungsrat mit dem Vorsitzenden (wie zu hören ist: Bürgermeister Frank Kracht) nichts. Und dies, obgleich er sich gründete, um diese Kosten zu senken und ein zukunftsfähiges Konzept zu entwickeln. Wenn es nach dem Verein ginge, könnte der eingeschlagene Weg wohl so fortgesetzt werden, denn berufen kann man sich ja dabei auf eine fragwürdige Vereinbarung, die bei der Übergabe des Museums an die Stadt Saßnitz so schriftlich formuliert wurde:

„Sollte der Betrieb des Museums nicht kostendeckend möglich sein, wird die Stadt alle Möglichkeiten prüfen, durch Gewährung eines Zuschusses aus dem städtischen Haushalt den Fehlbedarf auszugleichen und dadurch den Betrieb weiterhin zu sichern.“ 

...und das Fischerei- und Hafenmuseum...
Schon einmal wurde an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht, dass man bei einem städtischen Zuschuß von etwa 10,-EUR pro Besucher ernsthaft kein "Weiter so!" einfordern kann. Wenn sich nun also zum 31. Oktober 2019 die Tür dieses Museums schließen sollte, dann müssen sich die Vertreter des Vereins und die neuen Stadtvertreter (spätestens dann) tief in die Augen schauen und sich endlich Gedanken um einen zukunftsfähigen Neuanfang machen. 

Um es nochmals zu betonen: Die Leistung des Aufbaus dieses Museums und sein einzigartiger Fundus muss als städtischer Anker für Saßnitz erhalten bleiben! Aber: Über das "Wie?" sollte man ernsthaft streiten! Dabei stellen sich viele Fragen:

Was kann man also wie einer breiten Öffentlichkeit so nahebringen, dass die Traditionen eines Fischerei- und Hafenmusems (welche übrigens weit vor den 2. Weltkrieg zurück reichen!!!) auch publikumswirksam fortgesetzt wird? Was zeigt man dauerhaft und was wird temporär in Sonderausstellungen präsentiert? Wo wäre der optimale Standort im Hafen? Welche Rolle kann dabei die "Havel" als begehbares Schiff spielen?... 

Diese und weitere Fragen müssen endlich ehrlich und im Interesse von Saßnitz diskutiert werden. Keine Lösung ist es, die neuen Stadtvertreter nun einfach vor den Karren zu spannen, nur weil der Stiftungsrat und die Stadtverwaltung Saßnitz ihre "Hausaufgaben" nicht gemacht haben!

Einen schönen Sonntag wünscht 
Euer Fiete