Sonntag, 17. November 2019

Mein Sonntag in Saßnitz

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Liebe Saßnitzer,
an diesem Sonntag wird wieder der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht werden. Was jedoch wie ein politisch eingeübtes Ritual aussieht, ist es nicht mehr, wenn es persönliche Bezüge zu den Opfern der letzten Weltkriege gibt. In vielen Fällen gibt es eine Betroffenheit in der eigene Familie, bei Freunden und Bekannten. Liebe und nächste Verwandte starben als Soldat, waren Opfer von Bombenangriffen, von Flucht und Vertreibung oder kamen durch Hunger und Not ums Leben.

Im März des kommenden Jahres jähren sich beispielsweise die Bombenangriffe auf unsere Heimatstadt zum 75. Mal. Reden wir also darüber? 

Ja, denn für die Nachgeborenen ist es wichtig, dass die Opfer - in Saßnitz waren es ja nicht nur Einheimische sondern auch Flüchtlinge und Soldaten - ein Gesicht erhalten. Sie waren damals so alt, wie einige ihre Kinder oder Enkel heute. Und: Auch sie hatten Wünsche und Träume, schmiedeten Pläne für eine Zukunft bevor sie im Strudel des Krieges fortgerissen wurden. 

In der Schule hatte man uns früher einen Spruch mit auf den Weg gegeben:

"Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin."

Die Realität war jedoch meist eine andere: Männer wurden eingezogen und erhielten Befehle. Deswegen gibt es heute das Leitbild des "Bürgers in Uniform", der nicht blind seinen Befehlen folgen soll. Doch ist das genug? In den Medien wurde der Krieg meist vorweg genommen - Menschen wurden immer im Vorfeld mobilisiert, indem man Misstrauen säte und Falschmeldungen verbreitete. Doch was kann man dagegen tun? Eines ist klar:  Persönliches Kennenlernen baut Vorurteile ab, darum sind Städtepartnerschaften und der Jugendaustausch wichtig. 

Doch es beginnt noch früher: Seinem Gegenüber zuzuhören, mit ihm Argumente auszutauschen ist der erste Schritt, um Mißverständnissen vorzubeugen. Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn der Frieden ist der Weg. Er beginnt im kleinsten Ort, führt über die Stadt, ins Land und schließlich in die Welt. Es liegt an uns, ob wir ihn beschreiten.

Heute findet um 14.00 Uhr die Gedenkveranstaltung anläßlich des Volkstrauertages auf dem Alten Friedhof in Saßnitz statt. Im Anschluß wird auch der Toten auf dem Waldfriedhof von Dwasieden gedacht.

Einen friedlichen Sonntag wünscht 
Euer Fiete