Sonntag, 10. November 2019

Stettiner Hafen gewinnt weiter an Bedeutung

DB Schenker Rail sieht den Stettiner Hafen als Drehscheibe (Foto: Deutsche Bahn AG / Bartolomiej Banaszak)
Stettin (PA). Die DB Schenker Rail betreibt einen Teil des Stettiner Hafens. Dies betrifft drei Kaianlagen mit einem derzeitigen Umschlagvolumen von 150.000 TEU. Die hier bisher u.a. beförderten Gütern kamen aus der Papier-, Stahl-, Automobil-, Baustoff- und Chemieindustrie.

Alles begann kurz nach dem Anbruch des neuen Jahrtausend. Damals übernahm die Deutsche Bahn AG weite Teile des Stettiner Hafens, um diesen zu betreiben. Hier wurden alleine im Jahr 2014 rund 1,5 Mio. Tonnen Stückgut umgeschlagen, was einem Umsatz von 11 Mio. Euro entsprach. Das war zu diesem Zeitpunkt zwar nicht vergleichbar mit den Umsatzzahlen von Gdingen oder Danzig, aber: Es gab Entwicklungspotential. Schließlich sah man eine wachsende Bedeutung im Transportmittel Schiene. Und bei dieser Betrachtung spielt auch die Nähe zur deutschen Hauptstadt eine wichtige Rolle. Beträgt die Entfernung zwischen Berlin und Rostock etwa 230 Kilometer, so beträgt sie zwischen Berlin und Stettin nur 150 Kilometer. Zumal Stettin schon früher als Hafen Berlins galt.

Und in dieser Richtung entwickelt sich derzeit einiges. Der zweigleisige Ausbau der Strecke Berlin - Stettin schreitet weiter voran und findet in den kommenden Tagen auch seinen festlichen Höhepunkt: So rollt beispielsweise am 13. November 2019 ein aus DDR-Tagen stammender Städteexpress erstmals von Berlin über Angermünde und Tantow nach Stettin. Die als historisch geltende Sonderfahrt hat das Amt Gartz organisiert. Anlaß ist die Einweihung des Bahnhofsumfeldes von Tantow, in welches im Zuge der Aufwertung der Eisenbahnstrecke etwa 1 Mio. Euro investiert wurden.

Doch zurück zur Bahnstrecke: Wenn es nach den Überlegungen zur Strecke geht, könnten nach dem Ausbau der elektrifizierten Eisenbahnstrecke täglich zwischen 5 und 10 Güterzügen zwischen dem Hafen Stettin und der Hauptstadt verkehren. Daneben gewinnt die Strecke auch für den Personenverkehr an Bedeutung. Vorgesehen ist mit Fertigstellung, Reisende aus Stettin (ohne Umsteigen!) bis zum Berliner Hauptbahnhof zu befördern und von dort aus sogar weiter zum neuen Flughafen. Dies wird vor allem viele Stettiner freuen, die bereits heute in Berlin ihre Flieger besteigen.

Doch auch die Hinterlandanbindung durch die Wasserstraße wird derzeit ausgebaut. Und hier fällt der Blick nach Niederfinow, wo Schiffe einen Höhenunterschied von 36 Metern überwinden. 85 Jahre ist das weit bekannte Schiffshebewerk alt. Und: Ein wenig muss das 1934 in Betrieb genommene und von 150.000 Schualustigen jährlich besuchte Werk noch aushalten. Bis spätestens 2025 soll aber das neue Schiffshebewerk "Niederfinow Nord" in Betrieb gehen. Es hat einen Trog von etwa 125 Metern Länge und fast 28 Metern Breite, welcher etwa 4 Meter tief ist (Zum Vergleich: Der Trog des alten Schiffshebewerkes ist 85 Meter lang, 12 Meter breit und hat eine Wassertiefe von 2,50 Metern). Mit dem Neubau soll ein Engpass auf der einzigen transeuropäischen Ost-West-Wasserstraßenverbindung zwischen Stettin und Duisburg (über Berlin, Magdeburg, Hannover und Münster) beseitigt werden. Und das könnte dann auch endlich die Verbindung Berlin-Stettin für den Container-Transport auf dem Wasserweg konkurrenzfähig werden lassen.

Wie kürzlich berichtet wurde, bietet der Stettiner DB Port nicht nur Container- und Stückgutumschlagsdienste (u.a. für Aluminium, Zellulose, Stahlprodukte, Schwergüter) und einen umfassenden Düngemittelservice einschließlich Umschlag, Lagerung und Verpackung an, sondern ist auch das größte europäische Terminal für Granitblöcke. Es verfügt über Verbindungen zu den größten Container-Hubs wie Hamburg und Bremerhaven sowie zu kleineren Häfen in Gdynia, Halmstad und Immingham. Das ständig erweiterte Containerterminal hat eine Umschlagkapazität von bis zu 150.000. TEU pro Jahr. Weitestgehend unbekannt dürfte jedoch ebenfalls sein, dass der Hafen NATO-zertifiziert ist. Dies ermöglicht sogar das Verladen von militärischer Ausrüstung. 

Ergänzende Informationen zur Sonderfahrt Berlin-Stettin am 13. November 2019:
Die Hinfahrt startet am 13. November 2019 um 8.12 Uhr. Startbahnhof ist Berlin-Lichtenberg. Dieser Zug wird dann gegen 9.37 Uhr in Angermünde ankommen und nach einem Aufenthalt von 5 Minuten seine Fahrt fortsetzen, um gegen 10.21 Uhr in Tantow einzufahren, von wo es dann weiter in Richtung Stettin geht (Ankunft 11.18 Uhr).