Montag, 30. Dezember 2019

Die Brauerei am Schloß

Die Brauerei befindet sich unterhalb des Schlosses der Pommerschen Herzöge mit Blick auf die Oder
Stettin (PA). Pommersche Hansestädte haben auch große Bierbrauer-Traditionen. Und ehrlich: Was wäre Stralsund heute ohne das "Stralsunder Bier"? Leider war jedoch auch bei vielen Brauereien in den letzten hundert Jahren "Hopfen und Malz" verloren: Namen wie "Greifenbräu", das "Demminer Bock-Bier" oder die "Elysium Biere" aus Stettin sind klangvolle Namen, die nun schon länger vom pommerschen Bierglobus verschwunden sind. 

Doch es gibt einen neuen Trend: Überall schießen kleine Brauereien aus dem Boden. Längst ist auch geschmacklich im alten Handwerk der Bierbrauer wieder Vielfalt angesagt. Auch in Stettin! Eine echte Entdeckung war für uns bereits im August die Brauerei im Stettiner Rathauskeller am Heumarkt. Nun wollen wir auch eine Brauerei vorstellen, die sich unterhalb des Schlosses befindet.

Frisch gezapfte Biere: Von Pils bis American Pale Ale
Der Name "Browar Pod Zamkiem" bezeichnet genau diese Lage. Die Brauerei wird von der Familie Langowski seit dem 18. März 2019 betrieben und wurde technisch mit einer Brau- und Abfüllanlage aus München versehen. Der Standort selbst ist traditionsreich: Hier soll sich bereits zwischen 1856 und 1871 die Familienbrauerei Hoffmann befunden haben. Natürlich gibt es hier auch heute wieder klassiche Biere zu verkosten: Angeboten wird u.a. Pils, Märzen-, Alt- oder Weizenbier. Diese tragen übrigens einen Zunamen, der sich auf Stettiner Stadtteile - wie Torney (Turzyn), Grünhof (Niebuszewo) oder Warsow (Warzewo) - bezieht. 

Zum Probieren gibt es spezielle Angebote zur Verkostung
Neben den klassischen deutschen Bieren findet sich aber auch ein American Pale Ale. Natürlich fragt man sich unweigerlich, was ein American Pale Ale sein soll. Nun, natürlich hat ein Pale Ale in Großbritanien eine jahrhundertealte Tradition. Diese geht auf die Verwendung klassischer englischer Hopfensorten zurück. Doch in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde in Oregon die Züchtung neuer Hopfensorten - wie des Cascade Hopfens - möglich und so kam es zur Weiterentwicklung des Pale Ale zum American Pale Ale. Geschmacklich erkennt man dies an den deutlichen Zitrusaromen.

Zweifellos: Dieses Gebäude möchte auch die Geschichte in Erinnerung rufen
Die Brauerei öffnet übrigens ab 12.00 Uhr. Wer eine ungestörte Bierverkostung - beispielsweise auf einem Brett mit drei verschiedenen Sorten - mag, dem empfiehlt sich dieser Zeitpunkt. Denn gegen Abend wird die Brauerei sehr gut besucht. Das mag daran liegen, dass bei einem Bummel durch die Altstadt die Lokalität auf direkt auf dem Weg liegt und das Bier hier sehr gut schmeckt. Wie gefragt das Bier der Brauerei ist, lässt sich auch daran messen, dass am Abend sogar die Kellergewölbe dieses Hauses von Gästen bevölkert werden. 

Die Kellergewölbe sin dabei der historische Teil der Brauerei, der z.T. rekonstruiert wurde
Die Altstadt wurde an dieser Stelle durch mehrere Bombenangriffe und spätere Kampfhandlungen im zweiten Weltkrieg schwer getroffen. So ist auch die Brauerei in einem 2005 errichten Haus untergekommen. Allerdings hat man auch hier auf Geschichte gesetzt, denn die Kellergewölbe, die z.T. noch in Resten vorhanden waren, wurden - so gut wie noch möglich - wiederhergestellt. 

Ein kleiner Abstecher in die Geschichte des Hauses unterhalb des Schlosses
Einige der Gegenstände, die beim Wiederaufbau gefunden wurden, dekorieren neben alten Fotos heute den Keller. Übrigens könnte die Brauerei auch eine andere Tradition begründet haben: Das Stettiner Oktoberfest. Man darf gespannt bleiben. Zumal man hier auch zu Mittag und am Abend gut essen kann...
Das wiederhergestellte Kellergewölbe

 Brauerei "Browar pod Zamkiem" 
unterhalb des Schlosses der Pommerschen Herzöge

Öffnungszeiten: 
Montag - Donnerstag: 12.00 - 0.00 Uhr
Freitag - Samstag: 12.00 - 2.00 Uhr
Sonntag: 12.00 - 0.00 Uhr




Unweit von hier erblickte der Stettiner Bestseller-Autor Alfred Döblin das Licht der Welt
Anmerkung:
Wer die Brauerei in der Frauenstraße unterhalb des Schlosses besucht und noch zum Heumarkt unterwegs ist, sollte nicht achtlos an einer Tafel vorübergehen, die sich hier an einem Neubau am Oderufer befindet. Am Bollwerk 37 wurde Alfred Döblin (10.08.1878-26.06.1957) geboren. Das populärste Werk dieses pommerschen Schriftstellers  ist zweifellos "Berlin Alexanderplatz". Es erschien 1929 im S. Fischer Verlag und erzählt, wie auch der Untertitel verrät, die Geschichte von Franz Biberkopf. 1931 wurde der Film übrigens mit Unterstützung des Autors verfilmt. Die Hauptrolle des Biberkopf übernahm dabei kein geringerer Schauspieler als der Stettiner Heinrich George, der Vater von Götz George. Dem Kritiker Herbert Ihering bescheinigte George dabei eine "grandiose Solonummer..."


Empfohlene Lokalitäten in Stettin:
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