Dienstag, 10. Dezember 2019

Kückenmühl: Gedenksteine und -kreuze geborgen

Ansichtskartenmotiv der Kückenmühler Anstalten in Stettin - hier: Haus Abendfrieden und Damenpensionat
Stettin (PA). Wie ein lokales Medium in Stettin berichtete wurden auf dem ehemaligen Gelände der Kückenmühler Anstalten Untersuchungen durchgeführt. Diese erfolgten auf der rechten Seite des Mühlenbaches im Umfeld der alten Friedhofskapelle, die im Jahre 1900 errichtet wurde und nach dem zweiten Weltkrieg u.a. als Pathologisches Institut genutzt wurde.

Hier war einst ein Friedhof angelegt worden, auf dem Bestattungen von Bewohnern und Patienten stattgefunden haben. Zu den bekannten Toten, die hier ihre letzte Ruhe fanden, zählten beispielsweise der Direktor Paul Karig und der wegen seiner angenommenen jüdischen Abstammung während der Zeit des Nationalsozialismus angefeindete Direktor Wilhelm Bernhard sowie deren Angehörige. 

Bei den nun kürzliche geborgenen Gedenksteinen und -kreuzen handelt es sich um das Andenken an: Richard Klütz (1868-1901), Mathilde Köpp (1872-1938), Elisabeth Lüdecke (1893-1902), Julius Prill (1853-1927), das Kreuz von Hedwig Schennemann (1865-1895), Willy Schmidt ( 1862-1907).

Die Kückenmühler Anstalten, auch kurz "Kückenmühl" genannt, waren eine diakonische Einrichtung im Stettiner Ortsteil Nemitz. Der Name geht auf eine Wassermühle am Mühlenbach zurück, die den Namen "Kückenmühle" hatte. Der Vorsteher der Zülchower Anstalten, Gustav Jahn, erwarb die Mühle und das Grundstück 1863, um hier eine „Anstalt für Schwachsinnige“ zu errichten. Daneben betrieben die Zülchower Anstalten eine Einrichtung für Epileptiker (Tabor, seit 1882) und eine Krüppelanstalt (Bethesda, seit 1908). Mit 1.500 Patienten galten die Kückenmühler Anstalten 1938 als größte pommersche Diakonie. 1934 kam es zur Zwangssterilisation, 1940 zur Tötung von Patienten und zur Verfügung der Auflösung der Kückenmühler Anstalten.  1944 werden Teile der Gebäude durch Bombenangriffe vernichtet. Eine Erforschung der Geschichte der Stettiner Einrichtung erfolgte durch Friedrich Bartels. Die Tradition der Kückenmühler Anstalten wurde nach dem zweiten Weltkrieg in Züssow fortgeführt. Heute trägt diese Einrichtung den Namen „Pommerscher Diakonie Verein Züssow e.V.“

Weitere Informationen zur Pommerschen Diakonie

https://www.inselreport.de/p/stettin.html
https://www.inselreport.de/2019/04/die-hochsten-pommerschen-leuchtturme.html   https://www.inselreport.de/2019/04/die-groten-pommerschen-inseln.html   https://www.inselreport.de/2019/11/die-erfolgreichsten-pommerschen-musiker.html https://www.inselreport.de/2017/10/enders-welt.html   https://www.inselreport.de/2017/10/mythos-stortebeker-2-die-rugenfestspiele.html   https://www.inselreport.de/2018/08/uber-ulrich-muther-seine-mitstreiter.html
https://www.inselreport.de/2019/12/schloss-putbus-zum-wiederaufbau.html   https://www.inselreport.de/2019/10/nord-stream-2-wettlauf-mit-der-zeit.html   https://www.inselreport.de/2018/07/ein-besuch-der-hydrierwerke-politz.html