Sonntag, 29. Dezember 2019

Nachtrag zum pommerschen Politiker Manfred Stolpe

Der Stettiner Manfred Stolpe (* 16. Mai 1936 - † 29. Dezember 2019)
Potsdam / Stettin (PA). In der Nacht von Samstag auf Sonntag, den 29. Dezember 2019, vertstarb Manfred Stolpe im Kreise seiner Familie in Potsdam. Der am 16. Mai 1936 in der Odermetropole Stettin geborene Stolpe legte 1955 sein Abitur in der pommerschen Universitätsstadt Greifswald ab und absolvierte anschließend in Jena ein Jurastudium, welches er 1959 als Diplom-Jurist abschloß. 

Im gleichen Jahr trat er in den Dienst der Evangelischen Kirche von Berlin-Brandenburg an, die nach dem zweiten Weltkrieg als Nachfolgerin der Kirchenprovinz Mark Brandenburg der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union entstand. Hier war er u.a. als Leiter des Sekretariats des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR, ab 1982 als Konsistorialpräsident der Ostregion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg und außerdem als stellvertretender Vorsitzender des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR tätig. Als solcher verfügte er bereits vor dem Mauerfall 1989 über zahlreiche Kontakte. So traf er u.a. 1983 mit Richard v. Weizäcker (CDU) zusammen, der im darauffolgenden Jahr (1984) zum Bundespräsidenten gewählt wurde.

1990 wurde Manfred Stolpe Mitglied der Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD). Wie viele andere pommersche Politiker der politischen Linken - so beispielsweise Egon Krenz (geboren am 19. März 1937 in Kolberg), Hans Modrow (geboren am am 27. Januar 1928 in Jasenitz, Krs. Randow) oder Lothar Bisky (geboren am 17. August 1941 in Zollbrück, Krs. Rummelsburg) - prägte er sowohl den politischen Umbruch in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und im neu entstanden Land Brandenburg als auch die Einbeziehung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED, ab 1989 SED - PDS , ab 1990 PDS, ab 2007 Die Linke) in die Parteienlandschaft der Bundesrepublik nach der Deutschen Einheit mit. Der von ihm als Ministerpräsident im Landtag Brandenburg eingeschlagene "Brandenburger Weg" - bei dem die Landesinteressen über die Parteiinteressen gestellt wurden, die Opposition bereit war in bestimmten Fragen mit der Landesregierung zu kooperieren und die Regierungsparteien bereit waren Ideen der Opposition aufzunehmen - betrachtete Manfred Stolpe in der Rückschau nicht als Sonderweg, sondern als "Bemühen, den Transformationsprozess sach- und menschengerecht zu gestalten" (wie er am 14. September 2013 auf der Gedenkfeier in der Volksbühne Berlin zum Tode von Lothar Bisky - ehem. Landes- und Bundesvorsitzende der PDS - bemerkte). Der in diesem Sinne vollzogene Kurs der Landespolitik machte ihn in Brandenburg populär und beliebt, in seinem Wahlkreis Cottbus erhielt er von den Wählern ein Direktmandat für den Brandenburgischen Landtag. Das Jahr 2002 wurde für Manfred Stolpe zu einem Jahr der Umbrüche: So erklärte er überraschend seinen Rücktritt als Ministerpräsident und genauso unerwartet erfolgte seine Berufung als Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen in das zweite Regierungskabinett von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).

Mehrfach wurden seit den 90er Jahren seine Kontakte zum Ministerium für Staatssicherheit kritisch thematisiert. Noch während der Amtszeit Manfred Stolpes als Brandenburgischer Ministerpräsident kam es sogar zu einem Rechtsstreit mit der Gauck-Behörde, der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU). Die Evangelische Kirche erklärte nach einer von ihr durchgeführten Untersuchung allerdings, dass Manfred Stople "ein Mann der Kirche, und nicht der Stasi gewesen" sei. Und Manfred Stolpe selbst meinte rückblickend im Jahre 2013:

"Mit menschlichem Maß sollte auch mit der DDR-Vergangenheit umgegangen werden. Das ist in Brandenburg weithin gelungen, obwohl auf der Bundesebene die Neigung zur Totalverteufelung der DDR vorherrschte.Gesprächskontakte mit der Staatssicherheit wurden skandalisiert, auch wenn sie beruflich nötig waren und jeder wissen konnte, nach welchen Gesichtspunkten die Akten des MfS geführt wurden."

In den vergangen Jahrzehnten nahm er u.a. folgende Positionen ein: Eine Vereinigung der beiden Länder Berlin und Brandenburg sah Manfred Stolpe als "naheliegend" an und sprach sich bereits in den 90er Jahren für eine Verstärkung der Zusammenarbeit auf verschiedensten Ebenen aus. Er begründete dies damit, dass die getrennte Region Berlin-Brandenburg "eine Spätfolge des 2. Weltkriegs und der deutschen Teilung" sei. Dabei zog er durchaus auch Überlegungen zu einem weiteren Anschluß Vorpommerns in diese Gedanken mit ein. Obgleich er einen kritischen Blick auf  Preußen pflegte, zitierte er in Bezug auf das 10-jährige Jubiläum des Brandenburg-Preussen Museums den polnische Schriftsteller Andrzej Szczypiorski mit den Worten:

„Drei Züge des preußischen Wesens können dazu beitragen, diese Welt ein wenig besser zu meistern: die Achtung vor dem Recht, die Loyalität gegenüber dem Mitbürger sowie jenes Pflichtgefühl, das den Menschen dazu bewegt, eigene Ansprüche denen der Allgemeinheit unterzuordnen.“

Zudem sprach er sich für den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisionskirche aus und verband damit einen Ort des christlichen Glaubens und ein  Zeichen für eine Gesellschaft, die in Toleranz und Frieden zusammen lebt. Anläßlich des Todes Prof. Berthold Beitz am 30. Juli 2013 meinte Manfred Stolpe:

"Mich verbindet mit dem Verstorbenen die Liebe zu unserer pommerschen Heimat..."

 Vor einem guten Jahr bekannt er am 26. Dezember 2018:

"Ich achte die Vorgaben, die Jesus Christus, der wirklich gelebt hat, gegeben hat. Er hat sie beschrieben und zugleich gewusst, dass man vom Weg abkommen kann, aber in seinem Bemühen um das Gute nicht nachlassen darf.

Zum Glück gibt es überall auf der Erde Menschen, die ihr Tun nach Gut und Böse unterscheiden. Anders ausgedrückt: Gott oder Teufel.

Das Gute zu tun, ist nicht nur für den Einzelnen wichtig, auch für das Zusammenleben der Menschen und für die Zukunft der Menschheit."



(Foto: Pressefoto von Manfred Stolpe)



Weiter Informationen zu Manfred Stolpe
https://www.inselreport.de/2019/04/die-hochsten-pommerschen-leuchtturme.html   https://www.inselreport.de/2019/04/die-groten-pommerschen-inseln.html   https://www.inselreport.de/2019/11/die-erfolgreichsten-pommerschen-musiker.html https://www.inselreport.de/2017/10/enders-welt.html   https://www.inselreport.de/2017/10/mythos-stortebeker-2-die-rugenfestspiele.html   https://www.inselreport.de/2018/08/uber-ulrich-muther-seine-mitstreiter.html
https://www.inselreport.de/2019/12/schloss-putbus-zum-wiederaufbau.html   https://www.inselreport.de/2019/10/nord-stream-2-wettlauf-mit-der-zeit.html   https://www.inselreport.de/2018/07/ein-besuch-der-hydrierwerke-politz.html