Donnerstag, 19. Dezember 2019

Zwei pommersche Rittergutbesitzer im Sachsenwald (1)

An der "Schwarzen Au" entlang - durch den Sachsenwald

Friedrichsruh (PA). Was verbindet den "Eisernen Kanzler" Otto von Bismarck und die Box-Legende Max Schmeling? Beide waren Besitzer pommerscher Rittergüter. Und: Örtlich kreuzten sich ihre Wege auch im etwa 6.000 Hektar großen Sachsenwald - unweit von Hamburg...

Der "Lokschuppen Aumühle" - Treffpunkt für Eisenbahnfreunde
Wer heute an die "Schwarze Au" fährt, kann sich noch ganz gut vorstellen, wie ruhig es hier einst gewesen sein muss. Ein Wanderweg lädt zudem direkt - von Aumühle nach Friedrichsruh - zum Spaziergang ein. Wer diesem folgt, kommt zunächst am "Lokschuppen Aumühle" vorbei. Konzeptionell widmet sich hier ein Verein für Museumsbahnen dem Zeigen von Eisenbahnfahrzeugen, die entscheidend und wesentlich die "gesellschaftliche Wahrnehmung" des 20. Jahrhunderts prägten, als Technik und der Massentransport für Personen und Güter auf Schienen noch eine herausragende Rolle spielte und bevor er durch den Individualverkehr des Autos abgelöst wurde.
Hier findet man Eisenbahnfahrzeuge aus längst vergangenen Zeiten
Dampflokomotiven, Triebwagen sowie Reise-, S-Bahn-, Personen-, Post- und Gepäckwagen... - All´ das lässt sich hier noch im Original-Zustand bestaunen. Leider sind wir an einem Samstag unterwegs (Die Öffnungszeiten sind dagegen an jedem Sonntag zwischen 11.00 Uhr und 17.00 Uhr), wobei uns die Linie 14 - eine elektrische Straßenbahn durchaus interessiert hätte. Das benachbarte Hamburg verfügte, wie auch Stettin oder Stralsund, zunächst über eine Pferdebahn bevor man mit elektrischem Strom den Personenverkehr aufnahm. Doch selbst diese - schon wieder zeitgemäßen - Antriebe sind heute längst aus dem Alltag verschwunden. In Hamburg fuhr die letzte Straßenbahn im Oktober des Jahres 1978. Ähnlich sieht es bei uns aus: Von den vier pommerschen Straßenbahnen, sind die in Stralsund, Köslin und Stolp stillgelegt worden, Lediglich in Stettin gibt es noch eine Straßenbahn....
Imposantes Eingangstor zum Schloß Friedrichsruh
Gleich zwei Mal kreuzt unser Weg nun den Flußlauf der "Schwarzen Au" zwischen dem Mühlenteich von Aumühle und dem Schloßteich von Friedrichsruh. Der Sachsenwald hat sein buntes herbstliches Kleid angelegt. Und seine Wege sind vom Regen aufgeweicht. Dennoch sind auch an diesem Wochenende einige Spaziergänger mit ihren Hunden in Richtung Osten unterwegs. Wir haben einen Platz im Forsthaus Friedrichsruh reserviert und wollen pünktlich zu 15.30 Uhr da sein. Für diesen Nachmittag sicher unnötig, aber: Man weiß ja nie... Gut auch, dass wir uns rechtzeitig auf den Weg gemacht haben, denn fälschlicherweise biegen wir noch zum "Garten der Schmetterlinge" ab. Das Tropenhaus mit seinen Pflanzen und Schmetterlingen ist erst wieder ab März kommenden Jahres geöffnet. Dennoch: Der Schloßteich lässt die Idylle des kommenden Frühlings zumindest erahnen.
Geschützt vor Blicken von außen: Schloß Friedrichsruh
Vorbei geht es nun auf dem Schloßweg am Park. Gleich gegenüber (rechter Hand) ist die Eisenbahnverbindung ziwschen Berlin und Hamburg. Dahinter ragt bereits weithin sichtbar das Mausoleum durch die Bäume hervor (darin wurden Otto von Bismarck und seine Frau Johanna von Bismarck, aus der pommerschen Familie von Puttkammer, bestattet - später dazu mehr). Der Park selbst (linker Hand) ist von einem großen Zaun umgeben, der später in eine hohe Mauer mit einem imposanten Tor übergeht. So ist er vor Blicken von außen geschützt. Das bedeutet jedoch auch, daß nur ein entfernter Blick auf das Schloß Friedrichsruh möglich ist. Dieses - ein einstiges Jagdhaus der Grafen zur Lippe-Biesterfeld - ließ einst Otto von Bismarck - nachdem er den Sachsenwald als Anerkennung von Kaiser Wilhelm I. geschenkt bekam - zu einem Herrenhaus umbauen. Seither hat sich viel gewandelt, denn auch der bereits erwähnte Schloßteich, ist erst durch eine Aufstauung der "Schwarzen Au" entstanden.
Eine gute Adresse für Gastlichkeit: Forsthaus Friedrichsruh
Wer weiter vorbei an dem Bismarck-Museum (auch hierzu später mehr), dem einstigen "Alten Landhaus", seine Schritte weiter in Richtung Norden lenkt, kann schon bald das Forsthaus Friedrichsruh entdecken. Das Gebäude strahlt - wie viele andere Gebäude in Friedrichsruh - ganz in weiß gehalten, wovon sich das dunkle Grün der Fenster dezent abgesetzt. Am Eingang wird man direkt von einem hölzernen Hirsch begrüßt. Innen laden die Räume nicht nur zum einmaligen Besuch sondern auch zur unvergeßlichen Feier ein. Gerade wird für das Weihnachtsbuffet am 25. und 26. Dezember 2019 und das "SILVESTER LIVE COOKING" zum Jahreswechsel geworben. Platz dafür ist reichlich - im Kaminzimmer, im Hirschsaal oder in der "Max Schmeling Halle". Letzterer gilt unser Interesse.
Zurücklehnen, wo Max Schmeling trainierte: Die denkmalgeschützte "Max Schmeling Halle"
Denn eher durch Zufall erfuhren wir von Freunden, daß hier Max Schmeing Anfang der 30er Jahre sein Trainingslager eingerichtet hatte. Schmeling, ist vielleicht das Sportidol Deutschlands. Der in Klein Luckow (heute im pommerschen Landkreis "Vorpommern-Greifswald" gelegen) geborene Schwergewichts-Weltmeister im Boxen ist - wie wir in Friedrichsruh bemerken - selbst einem jungen Pärchen von Anfang 20 noch ein Begriff. Erstaunlich! Schließlich errang Schmeling seinen Weltmeistertitel bereits 1930 - also vor fast 90 Jahren! Im August 1934 organisierte Walter Rothenburg - den alle nur "Wero" nannten - unweit von Hagenbecks Tierpark den Boxkampf schlechthin: 100.000 Zuschauer sahen damals den Kampf auf der umgestalteten Sandrennbahn. Nur ein halbes Jahr später entstand die "Hanseatenhalle" an der Zollvereinsstraße durch den Umbau einer Holzlagerhalle. Sie bot 25.000 Zuschauern Platz. Mit Hamburg verband Schmeling auch seine großen Siege: Erst gegen Walter Neusel (1934) und dann gegen Steve Hamas (1935). Kein Wunder also, dass er nach dem Verlust der Heimat - an eine Rückkehr war nach seiner Flucht vom pommerschen Rittergut Ponickel bei Rummelsburg nicht mehr zu denken - noch einmal ab 1946 in Hamburg durchstartete. Weniger bekannt ist allerdings, daß er vor seiner Rückkehr in den Ring wieder nach Friedrichsruh ging, um sich für seinen Faustkampf - und wieder in Obhut von Mutter Bollow - vorzubereiten. Dabei fällte er so manchen Baum im Sachsenwald und lief täglich etwa 12 Kilometer...
Die Boxhandschuhe hängen noch...
Wer heute die "Max Schmeling Halle" in Friedrichsruh besucht, kann sich - fernab von harter Arbeit und Schweiß - entspannt zurücklehnen. Das Fell auf den Holzstühlen verbreitet schnell eine gemütliche Stimmung und die Kellner sind aufmerksam und sichtlich um das Wohl ihrer Gäste bemüht. Eine Glühwein-Crème Brûlée und ein Kaffee sind an diesem vom Wetter her eher trüben Nachmittag willkommene Stimmungsaufheller. Nicht nur unsere Blicke schweifen an diesem Tag über die alten Fotos an der Wand. Sie zeigen die Box-Legende Schmeling nicht nur im Training sondern auch mit seinem Jagdhund. An der Decke hängt noch ein paar alter lederner Boxhandschuhe. Ob sie Schmeling vergessen hat? Die Nachfrage hier wohl mehr als einmal erfolgen. Ein klares "Ja!" mit Augenzwinkern. - Aber: Unmöglich ist es eben nicht. Denn wer lässt schon sonst seine Boxhandschuhe im Sachsenwald?

(Fortsetzung folgt)

Mehr über Otto von Bismarck:
"Zwei pommersche Rittergutbesitzer im Sachsenwald" (2) (25. Dezember 2019)
https://www.inselreport.de/2019/04/die-hochsten-pommerschen-leuchtturme.html   https://www.inselreport.de/2019/04/die-groten-pommerschen-inseln.html   https://www.inselreport.de/2019/11/die-erfolgreichsten-pommerschen-musiker.html https://www.inselreport.de/2017/10/enders-welt.html   https://www.inselreport.de/2017/10/mythos-stortebeker-2-die-rugenfestspiele.html   https://www.inselreport.de/2018/08/uber-ulrich-muther-seine-mitstreiter.html
https://www.inselreport.de/2019/12/schloss-putbus-zum-wiederaufbau.html   https://www.inselreport.de/2019/10/nord-stream-2-wettlauf-mit-der-zeit.html   https://www.inselreport.de/2018/07/ein-besuch-der-hydrierwerke-politz.html