Donnerstag, 26. Dezember 2019

Zwei pommersche Rittergutbesitzer im Sachsenwald (2)

Porträt Otto von Bismarcks aus dem Besitz der Familie von Bismarck
Friedrichsruh (PA). Was verbindet den "Eisernen Kanzler" Otto von Bismarck und die Box-Legende Max Schmeling? Beide waren Besitzer pommerscher Rittergüter. Und: Örtlich kreuzten sich ihre Wege auch im etwa 6.000 Hektar großen Sachsenwald - unweit von Hamburg...
Eines der Gemälde - "Friedrichsruh im Winter" - aus dem Besitz der Familie von Bismarck
Hier - in Aumühle und Friedrichsruh an der "Schwarzen Au" - ist auch der erste Reichskanzler des Deutschen Reiches noch allgegenwärtig. Geboren am 1. April 1815 im altmärkischen Schönhausen an der Elbe, bezeichnete er sich dennoch gerne als "pommerscher Junker". Dies war noch nicht einmal falsch, denn letztlich beschrieb er sich zu Recht als einen jungen Herrn des Adels und nach dem Tode seiner Mutter bezog er ja schließlich auch das pommersche Gut Kniephof. Es lag nördlich von Naugard, wo er gemeinsam mit seinem Bruder Bernhard Kniephof sowie Külz und Jarchlin als Landwirt bewirtschaftete. Überhaupt die Bindung zu Pommern: Die verstärkte sich noch indem er kurz vor Weihnachten 1846 in einem Brief an Heinrich von Puttkamer um die Hand seiner Tochter Johanna anhielt, die er 1847 im pommerschen Reinfeld bei Rummelsburg heiratete. Später 1867 kaufte er - nun schon als preußsicher Ministerpräsident - das Rittergut Varzin, welches sich übrigens nur unweit von Ponickel, dem späteren Rittergut von Max Schmeling, im pommerschen Landkreis Rummelsburg befand.
Eingang zum Bismarck-Museum in Friedrichsruh
Wie schon im ersten Teil erwähnt, erhielt Otto von Bismarck den Sachsenwald als Anerkennung von Kaiser Wilhelm I. geschenkt und das, obgleich dieser in Bezug auf Bismarck meinte: 
  
„Es ist nicht leicht unter einem solchen Kanzler Kaiser zu sein.“

Wie dem auch sei: Nach 1871 wurde Friedrichsruh im Sachsenwald immer mehr zum Lebendmittelpunkt des Reichkanzlers. Diese Verbindung zwischen der Familie von Bismarck, ihrem berühmten Vorfahren und dem Ort ist bis heute spürbar. So lädt die Otto-von-Bismack.Stiftung, eine 1996 durch Beschluß des Deutschen Bundestages errichtete bundeseigene Politiker-Gedenkstiftung, im alten Bahnhof zu einem Museumsbesuch ("Otto von Bismarck und seine Zeit") ein, um sich über das Leben Bismarcks und sein politisches Wirken zu informieren.

Porträt Otto von Bismarcks aus dem Besitz der Familie von Bismarck
Letzteres begann übrigens 1845 im pommerschen Provinziallandtag. Überhaupt werden auch hier immer wieder die Bezüge zu Pommern deutlich. Beispielsweise mit der Dokumentation der historischen Bedeutung der "Putbus Diktate" vom 30. Oktober 1866 und 19. November 1866, als Otto von Bismarck auf der Insel Rügen weilte und mit seinen hier diktierten Gedanken die Verfassungsgrundlage für den Norddeutschen Bund und das spätere Deutsche Reich legte...

Mit Humor zu Schönheit, die glücklich macht...
Unser Interesse gilt allerdings an diesem Tag des Besuches in Friedrichsruh dem "alten" Bismack-Museum. Um es zu erreichen, ist es zunächst notwendig, die Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg mittels einer Unterführung zu passieren. Hier tritt auch die humorvolle Seite der Familie Bismarck zu Tage. Unter der Botschaft "Schönheit macht glücklich" hat Elisabeth von Bismack ihre gestalterische Hand mit Farbe und Pinsel bei der Betonoberfläche angelegt. Sie möchte, wie ein Schild verrät,  Freude verbreiten und Sprayer von der Gestaltung der Unterführung abrücken lassen. Vielleicht ein Beispiel welches Schule machen könnte, den öffentlichen Raum gleich selbst mit Farben bunt zu gestalten.

Auf der anderen Seite angekommen, sind es nun - gegenüber des Schloßparks von Friedrichsruh - nur noch wenige Meter bis zum Museum. Hier beherbergt ein ehemaliges Traditionsgasthaus (das "Alte Landhaus") seit 1951 die bedeutende Sammlung von persönlichen Erinnerungsstücken und einige sehr wertvolle Gedenkstücke aus dem Besitz der Familie von Bismack an den "Eisernen Kanzler". Auch diese Ausstellung, die etwa 350 Exponate umfassen soll, wird organisatorisch durch die bundeseigene Otto-von-Bismarck-Stiftung betreut.

Die Uniform des "Eisernen Kanzlers"
Der Besuch lohnt, denn: Von dem ersten Kanzler bekommt man hier auch "körperlich" durchaus eine gute Vorstellung. Dies ist möglich, wenn man beispielsweise seine Uniform von 1890 betrachtet. Zweifellos muss Otto von Bismarck mit 1,90 Meter Körpergröße und etwa 110 Kilogramm Körpergewicht damals eine imposante Erscheinung auf dem politischen Parkett gewesen sein. Bismarcks politischer Werdegang war außerdem mehr als ungewöhnlich: Abgeordneter, Diplomat, Ministerpräsident und schließlich Kanzler. Zudem polarisierte er die Lager und bekam sowohl Zustimmung als auch Feindschaft am eigenen Leib zu spüren.

Die Tatwaffe des Attentats auf Bismack vom 7. Mai 1866 in Berlin
Auf Bismarck wurden mehrere Attentate verübt. Aber lassen wir ihn doch selbst die richtigen Worte zum Erlebten finden. Am Abend des Anschlags vom 7. Mai 1866 in Berlin beschreibt er den Tat-Hergang folgendermaßen:

„...Ich ging ‚Unter den Linden‘ auf dem Fußweg zwischen den Bäumen nach Hause. Als ich in die Nähe der russischen Gesandtschaft gekommen war, hörte ich dicht hinter mir zwei Pistolenschüsse. Ich drehte mich unwillkürlich rasch um und sah etwa zwei Schritte von mir einen kleinen Menschen, der mit einem Revolver auf mich zielte. Ich griff nach seiner rechten Hand, während der dritte Schuss losging, und packte ihn zugleich am Kragen. Er fasste aber schnell den Revolver mit der linken, drückte ihn gegen meinen Überzieher und schoss noch zweimal. Eine Rippe tat zwar etwas weh, ich konnte aber zu meiner Verwunderung bequem nach Hause gehen.“

Die Tatwaffe des Attentats auf Bismarck vom 13. Juli 1874
Heute kann man sowohl die Tatwaffe von 1866 in Berlin als auch die von 1874 in Bad Kissingen im Bismarck-Museum besichtigen. Was wohl Bismarck dazu sagen würde, dass man in unseren Tagen noch Urkunden, Dokumente, seine Orden, persönlichen Gegenstände und Erinnerungsstücke zu einem geschichtlichen Rundgang ausstellt? 

Persönliche Ehrungen des ersten Kanzlers
1889 soll er sich bereits klar gegen ein Museum ausgesprochen und sogar jeden, der solches Ansinnen verfolgte zu "seinem Todfeind" erklärt haben. Doch auch der Machtpolitiker Bismarck war gegen die Ehrungen nach seinem "politischen Abtritt" machtlos.

Ein reich verzierter Elefantenzahn - Geschenk der chinesischen Kaiserin Cixi an Otto von Bismarck
1891 wurde übrigens das erste Bismarck-Museum eröffnet. Und zum Geburtstag des "Lotsen" (wie er damals u.a. bezeichnet wurde) fanden noch in den letzten Lebensjahren des Kanzlers Fackelzüge in Friedrichsruh statt. Ihm zur Ehrung errichtete man Denkmäler und sogar hunderte der sogenannten Bismarck-Türme (von denen einer auch bei Aumühle steht).

Das nachgestellte Arbeitszimmer des Kanzlers im Bismarck-Museum
Wir verlassen das Bismarck-Museum an diesem naßkalten Sonntagmorgen. Nun, gegen 11.00 Uhr, kommen die ersten Tagesgäste aus dem Umland in Friedrichsruh an. Sie parken auf der anderen Seite der Bahnunterführung für die Strecke Berlin-Hamburg. Hier, fast in Sichtweite, befindet sich das Bismarck-Mausoleum...

Die Kapelle von Friedrichsruh für den Reichkanzler beauftragte sein Sohn Herbert von Bismarck
Der erste Kanzler Otto von Bismarck fand dort mit seiner Frau Johanna seine letzte Ruhe. (Johanna, die 1894 im pommerschen Varzin vestarb und zunächst auch schon dort beigesetzt wurde, wurde im März 1899 gemeinsam mit ihrem Mann in dem Mausoleum von Friedrichsruh bestattet.)

Eingang zum Bismarck-Mausoleum
Ungewöhnlich: Selbst um die Bestattung Otto von Bismarcks gab es in Deutschland 1898 eine gesellschaftliche Debatte. Theodor Fontanes Gedicht "Wo Bismarck liegen soll..." begleitet diese auf seine ganz eigene Weise:

Nicht in Dom oder Fürstengruft,
Er ruh’ in Gottes freier Luft
Draußen auf Berg und Halde,
Noch besser tief, tief im Walde;
Widukind lädt ihn zu sich ein:

„Ein Sachse war er, drum ist er mein,
Im Sachsenwald soll er begraben sein.“
Der Leib zerfällt, der Stein zerfällt,
Aber der Sachsenwald, der hält,
Und kommen nach dreitausend Jahren

Fremde hier des Weges gefahren
Und sehen, geborgen vorm Licht der Sonnen,
Den Waldgrund in Epheu tief eingesponnen,
Und staunen der Schönheit und jauchzen froh,
So gebietet einer: „Lärmt nicht so! –
Hier unten liegt Bismarck irgendwo.“

(Quelle: "Vossischen Zeitung" vom 3. August 1898)

Heute muß der Besucher von Friedrichsruh an einer gepflasterten Straße, die den Sachsenwald von Aumühle in Richtung Schloß durchschneidet, eine Außentreppe besteigen. Über ein nachgelagertes Drehkreuz, welches man nur mit gültigem Passierschein durchqueren kann, gelangt der Gast auf eine große freie Anlage mit sehr altem Baumbestand. An einer leichten Anhöhe ließ Herbert von Bismarck, der Sohn des Kanzlers, nach Plänen des Architekten Ferdinand Schorbach eine Grabeskapelle im neoromanischen Stil errichten. Ein wenig erinnert sie äußerlich auch an das Mausoleum in Varzin.

Sarkophage von Otto und Johanna von Bismarck
Am 16. März 1899, wurden nun Otto von Bismarck und seine Frau Johanna hier in Sarkophagen im erhöhten Teil des Mausoleums unter der Kuppel bestattet. Das Areal ist auch letzte Ruhestätte für weitere Mitglieder der Familie von Bismarck. Es ist auch an diesem Tag wieder einer der Anziehungspunkte zahlreicher Tagesgäste im Sachsenwald.

Blick von den Sarkophagen zur Kapelle
Mehr über Otto von Bismarck:
"Zwei pommersche Rittergutbesitzer im Sachsenwald" (2) (26. Dezember 2019)
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