Montag, 6. Januar 2020

Nach 75 Jahren: Bergung und Beisetzung von Kriegstoten

Stein am Deutschen Soldatenfriedhof Neumark (Foto: Kapitel)
Neumark (PA). Seit der Einweihung der Kriegsgräberstätte Neumarck am 15. Juli 2006 fanden hier 22.000 deutsche Kriegstote ihre letzte Ruhe. Das Gräberfeld, auf welchem sie auch beigesetzt wurden, soll für etwa 32.000 Tote ausgelegt sein. Schon heute gilt es als eine der größten Kriegsgräberstätten.

Hier ruhen vor allem die sterblichen Überreste von Menschen, die während des zweiten Weltkrieges ihr Leben verloren und später in Hinterpommern, Westpreußen und im Bereich Danzig geborgen werden konnten. Bedingt durch die Tausenden von Vermissten, deren Verbleib noch heute in diesen Gebieten ungeklärt ist, muss auch in den kommenden Jahren mit weiteren Funden - auch von Massengräbern - gerechnet werden. Diese Entdeckungen erfolgen heute jedoch eher zufällig, beispielsweise in Folge von Tiefbauarbeiten, die den ausgelösten Bauboom von Häusern begleiten. 


Neben Soldaten handelt es sich dabei oftmals auch um zivile Opfer. So fand am 14. August 2009 die Beisetzung von 2.116 Toten in Neumark statt. Unter ihnen befanden sich u.a. etwa 1.000 Frauen und an die 400 Kinder, die wahrscheinlich im Frühjahr 1945 bei ungeklärten Umständen den Tod fanden und von Marienburg aus nach Neumark umgebettet wurden. Erst im April 2019 wurden weitere 1.500 Kriegstote - u.a. aus dem Wartheland und aus dem Bereich der Halbinsel Hela (Putziger Nehrung) - nach Neumarck umgebettet. Außerdem lag hier der Schwerpunkt der Arbeit des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge im vergangenen Jahr auf 641 Namensbeschriftungen, die im Block 15 stattfanden.

In diesem Jahr wird die Gedenkveranstaltung des Landesverbandes M-V des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge e.V. am Donnerstag, den 23. April 2020, stattfinden. Wie vorab durch den Volksbund mitgeteilt wurde, werden an diesem Tag weitere etwa 1.000 geborgene Kriegstote in Neumark ihre letzte Ruhe finden.

Zu denen, die sich um die Bergung von Toten kümmern, gehören neben dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. auch private Initiativen - wie der Verein zur Bergung Gefallener in Osteuropa e.V. (V.B.G.O.). Gemeinsam mit vielen ausländischen Partnerorganisationen und mit Unterstützung durch das Bundesarchiv und den Volksbund werden die Mitglieder des V.B.G.O. nun schon seit 1992 im Vorfeld einer Umbettung bereits bei der Suche nach den Vermissten tätig. In ihren über 200 Einsätzen konnten sie so bereits über 7.700 Vermisste verschiedener Nationalitäten geborgen werden.

Weitere Artikel zum Thema:
Beisetzung von etwa 1.500 Kriegstoten bei Stettin (5. April 2019)

Weitere Informationen:
https://www.inselreport.de/2019/04/die-hochsten-pommerschen-leuchtturme.html   https://www.inselreport.de/2019/04/die-groten-pommerschen-inseln.html   https://www.inselreport.de/2019/11/die-erfolgreichsten-pommerschen-musiker.html https://www.inselreport.de/2017/10/enders-welt.html   https://www.inselreport.de/2017/10/mythos-stortebeker-2-die-rugenfestspiele.html   https://www.inselreport.de/2018/08/uber-ulrich-muther-seine-mitstreiter.html
https://www.inselreport.de/2019/12/schloss-putbus-zum-wiederaufbau.html   https://www.inselreport.de/2019/10/nord-stream-2-wettlauf-mit-der-zeit.html   https://www.inselreport.de/2018/07/ein-besuch-der-hydrierwerke-politz.html