Dienstag, 21. Januar 2020

Stettin - eine Stadt wandelt ihr Gesicht

2018: Ein Mietshaus in der Warsower Straße. Heute ist hier nur noch eine Freifläche
Stettin (PA). In den letzten Jahren mussten zahlreiche alte Mietshäuser, die an die hundert Jahre und älter waren, weichen. Häuser, die die Bombenangriffe des zweiten Weltkriegs und den Sozialismus überstanden, weichen also der Abrißbirne. Die Ursache? Oftmals mangelte es bei ihnen in den letzten Jahrzehnten einfach an entsprechender Pflege und der entstandene Sanierungsrückstau lässt sich heute wohl nur mit hohem Aufwand ausgleichen. Zumal sich auch in Stettin im Zuge des Baubooms unbebaute Grundstücke in Innenstadtlage leichter veräußern lassen.

Eines der Beispiele dafür lässt sich in der Warsower Straße finden. Das Mietshaus hatte einst unten, rechts neben dem Tor zum Hof einen kleinen Kaufmannsladen beherbergt. Hier besorten die Arbeiter der nahe gelegenen Stöwer-Fabrik ihre Einkäufe. Der Laden selbst war mit einer Wohnung verbunden, die auf den lichten Hinterhof führte. Zur Toilette musste man (übrigens noch bis zum Abriß) eine Treppe höher. Am Haus selbst wurde in den vergangenen Jahrzehnten nur wenig unternommen um die einst schöne Fassade oder die Bausubstanz zu erhalten. Eine Dokumentation aus dem Sommer 2018 unterstreicht dies. Ende des gleichen Jahres wurde dann das Gebäude abgetragen. Heute ist das Haus - wie viele andere - ganz aus dem Stadtbild verschwunden. Dabei wäre das Gebäude durchaus erhaltenswert gewesen. 


Einst war es mit Liebe zum Detail im Historismus errichtet worden
Die Stadt Stettin hat nun zum Anfang des Jahres 2020 angekündigt, daß sich die eingeschlagene Entwicklung in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Vor allem im Norden der Stadt wird sich dadurch das Gesicht der Odermetropole weiter wandeln. Es ist in diesem Zusammenhang von an die fünfzig Grundstücken die Rede. Einige der Häuser sind allerdings noch bewohnt, so daß hier Ersatzwohnraum von Nöten wird. Bis der Abriß vollzogen ist, werden die Gebäude dann vor Fremdzugriff geschützt, indem man Fenster und Türen vermauert. Die nach dem Abriß entstandenen baufreien Flächen sollen dann entsprechend der Raumentwicklungsplanung neu bebaut werden. 

Das einige der Häuser unfreiwillig doch noch einmal in die Diskussion kommen, dürfte allerdings von Seiten der Stadt Stettin nicht vorgesehen gewesen sein. Denn mit etwas Farbe wurden die grauen Fassaden einiger zum Abriß bestimmter Häuser zwischenzeitlich von Straßenkünstlern einfach neu gestaltet. Wie damit umgehen? Schließlich ist es ja so: Gegen die Verschönerung des städtischen Raums kann man ja eigentlich nichts haben. 

Selbst die Tür zum Einkaufsladen war damals noch original. Dieses Haus ist der Stadt "verloren" gegangen

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