Donnerstag, 30. Januar 2020

Stettin streitet über Stolpersteine

Verlegung der Stolpersteine für Esther und Herschel Grünspan in Hannover (Foto: Axel Hindemith)
Stettin (PA). Der Berliner Künstler Gunter Demnig sorgt nun auch in Stettin für Unruhe. Seit 1992 verlegt er zur Erinnerung an die Opfer aus der Zeit des Nationalsozialismus sogenannte "Stolpersteine" im In- und Ausland. Die Steine, die auf der Oberseite kleine Messingplatten mit den Namen der Opfer tragen, verlegt er vor deren einstigen Wohnungen im Straßen- oder Gehwegpflaster. An die 75.000 dieser Steine soll er so bereits in Europa verlegt haben. Nun hätte nach einem Vortrag am 25. Juni 2015 auch in der Stadt an der Oder an ehemalige Bürger der Stettiner erinnert werden können, doch dies ist offensichtlich gar nicht so einfach.

Angesichts des Streites um die "Stolperstein" von Stettin verwundert es nicht, dass in der Chronik der Stolpersteine, die auch die Verlegung von Steinen in den kommenden Monat ankündigt, der Verlegungsort Stettin fehlt. Grund ist wohl die Nichtzulassung der Verlegung durch das "Institut für Nationales Gedenken". Bereits 2018 wurde u.a. darauf hingewiesen, dass das Institut das Konzept des Künstlers für strittig ansieht. Damals wurde dies beispielsweise damit begründet, dass Pflastersteine mit Füßen betreten werden und auch der Verschmutzung ausgesetzt seien. Allerdings gibt es durchaus Beispiele für Verlegungen - wie im schlesischen Breslau.

Dennoch wird auch ohne Einwilligung des Instituts einiger Stettiner durch einen Stolperstein gedacht. Nicht in Stettin sondern in der Hauptstadt, wie das Beispiel Peter Abarbanell zeigt. Er wurde  als drittes Kind von Irma Abarbanell und Leopold Abarbanell am 30. April 1916 in Stettin geboren. Da seine Eltern jedoch später nach Berlin in die Kaiserallee und seine Mutter dann nach der Scheidung der Eltern in die Knesebeckstraße 32 zog, wird heute hier an Peter Abarbanell erinnert. Bekannt ist über ihn, dass er u.a. während des Spansischen Bürgerkriegs nach Barcelona ging. Hier soll er neben Ernest Hemingway an den Geschehnissen teilgenommen haben. Nach seiner Flucht nach Frankreich wurde er dort interniert. Aus seiner Verbindung mit Olga Thoumas stammt die gemeinsame Tochter Evelyne. Beide - Olga Fraticelli-Thoumas und Evelyne Abarbanell-Stransky - sowie Sue Arns und Eckart Aaron Arns stifteten die Stolpersteine für Irma Abarbanell und ihre Kinder Hans, Ruth und Peter Klaus und wohnten der Verlegung durch Künstler Gunter Demnig vor gut einem Jahr - am 22. Februar 2019 - in Berlin bei.

Vielleicht kann man sich ja auch in der Oderstadt schon bald für diese Form des Gedenkens erwärmen. In anderen pommerschen Orten - wie Heringsdorf, Greifswald oder Stralsund - wurden jedenfalls Stolpersteine problemlos verlegt.

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