Samstag, 8. Februar 2020

Bauernopfer durch "Agrarpaket"?

Das Treffen von Landwirten und Landräten (Foto: LsV M-V)
Stralsund / Greifswald (PA). Nachdem es auf politischen Druck zu radikalen Umbrüchen im Bereich des Automobilbaus kommt, von dessen Folgen tausende Arbeitnehmer durch Arbeitsplatzabbau bei den Autozulieferern betroffen sind, soll nun auch in der Landwirtschaft ein Umbruch erfolgen, wenn es nach den Vorstellungen der großen Koalition in Berlin geht. 

Bereits im letzten Jahr hatte sich das "Kabinett Merkel IV" auf das sogenannte "Agrarpaket" festgelegt. Dabei soll es zu drei wesentlichen Änderungen kommen: So ist vorgesehen die Gelder der Direktzahlungen für landwirtschaftliche Betriebe umzuschichten, das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln einzuschränken und ein freiwilliges staatliches "Tierwohllabel", das die Herkunft tierischer Produkte kennzeichnet, einzuführen.

Die verfolgten Ziele, die im Interesse eines besseren Umweltschutzes angestrebt werden, sind jedoch für viele bäuerliche Betriebe, die noch eine konventionelle Landwirtschaft betreiben, in ihrer Folgewirkung auf Rentabilität und Wettbewerb kaum abzuschätzen. Und dies sorgt für einige Verunsicherung in einem Berufsstand, der bedingt durch den Preisdruck, steigende Pachtpreise und fehlendem Nachwuchs bereits 317.000 deutsche Landwirte in den letzten 20 Jahren zur Aufgabe gezwungen hat. 

Am gestrigen Freitag, den 7. Februar 2020, trafen sich deshalb Mitglieder der Initiative "Land schaft Verbindung" und des Landesbauernverbandes mit den Landräten von M-V. Für Vorpommern waren Dr. Stefan Kerth (SPD) für den Landkreis Vorpommern-Rügen und Michael Sack (CDU) für den Landkreis Vorpommern-Greifswald nach Basthorst gereist. Landesbauernpräsident Detlef Kurreck, der selbst seit Jahrzehnten im Pflanzen- und Futterbau arbeitet, machte darauf aufmerksam, dass der derzeitige Aktionismus, der die Agrar- und Umweltpolitik leite, die Existenz der Bauern bedrohe.   

Die zunehmende Flut von Auflagen und gesetzlichen Verordnungen, vor allem im Zusammenhang mit der Änderung der Düngeverordnung, die steigende Bürokratie sowie eine abnehmende Planbarkeit der Folgen politischer  Entscheidungen werde wohl zu weiteren Opfern bei den Landwirten führen. Dabei dürfe man nicht vergessen, wie Detlef Nickel von der Initiative "Land schafft Verbindung" betonte, dass die Gefährdung eines Arbeitsplatzes in der Landwirtschaft statistisch Wirkung auf sieben weitere Arbeitsplätze im vor- und nachgelagerten Bereich habe.

Deshalb wandten sich die Initiative "Land schaft Verbindung" und der Landesbauernverband auch mit der Bitte an die Landräte, sich in einem offenen Brief an die Bundesregierung zu wenden, um auf die Bedeutung der Landwirtschaft und die Rolle bei der Entwicklung des ländlichen Raums hinzuweisen. Neben dem Arten-, Umwelt- und Tierschutz müsse auch der Erhalt regional verankerter Landwirtschaft und der Lebensmittelherstellung eine stärkere Gewichtung erfahren. Andernfalls, so die Befürchtung vieler Landwirte, würde man zum Bauernopfer des "Agrarpakets" werden.
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