Mittwoch, 26. Februar 2020

Bürgerprotest gegen Umbenennung der Arndtstraße

Bürgerproteste gegen die Umbenennung
Leipzig (PA). Am Anfang stand eine Online-Petition unter dem Motto "150 Jahre sind genug - Arndtstraße in Leipzig umbenennen". Aufgefordert sich von dem Rüganer und der Ehrung durch einen Straßennamen in Leipzig zu distanzieren, fanden sich letztlich allerdings nur 126 Unterstützende (109 davon waren Leipziger). Doch der Petition, die sich an den Oberbürgermeister Burkhard Jung richtete, wurde letztlich entsprochen. 

Am 22. Januar 2020 hat die Leipziger Ratsversammlung mit 31 zu 28 Stimmen einer Umbennennung der "Arndtstraße" in die "Hannah-Arendt-Straße" zugestimmt, nachdem ein entsprechender Antrag von Thomas "Kuno" Kumbernuss ("DIE PARTEI") eingebracht wurde. Doch - wie in Greifswald, wo sich eine Bürgerinitiative unter dem Namen "Arndt bleibt" zusammenfand - wehren sich auch in dem 1989 zur Heldenstadt erklärten Leipzig die Bürger gegen diese "Politik über die Köpfe der Betroffenen" hinweg. Es gibt eine neue Online-Petition. Sie steht unter dem Motto "Arndt bleibt Leipziger - es ist unser Ernst (Moritz Arndt)! Keine Umbenennung der Arndtstraße". Erstaunlich daran: Bereits 1.720 Unterzeichner (1.256 davon sind Leipziger) unterstützen diese Petition. Sie laden alle, die sich für den Erhalt der "Arndtstraße" in Leipzig einsetzen, zur Verstärkung des Widerstands durch Abstimmung gegen die Entscheidung des Leipziger Stadtrats ein. Das dürfte auch viele Rüganer ansprechen, ihre Stimme zu erheben. Schließlich ärgerten sich viele, dass die pommersche Universität Greifswald den Namen "Ihres" Ernst Moritz Arndt ablegte.

Im Zusammenhang mit der in die Diskussion gekommenen Umbenennung der "Arndtstraße" wandte sich auch die Arndt-Gesellschaft bereits am 28. Januar 2020 an den Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, Burkhard Jung. Sie machte darauf aufmerksam, dass streitbare Denker wie Johann Gottfried Fichte, Friedrich Schleiermacher, Friedrich Ludwig Jahn und Ernst Moritz Arndt der französischen Fremdherrschaft unter Napoleon die Vorstellung eines "einig Vaterland" entgegensetzten. Und weiter:

"Diesem  „Kleeblatt“  ist  es  in  erheblichem  Maße  zu  verdanken,  dass aus der Unterdrückung  durch die Metternich‘sche Zensur und dem Aufbruch im Vormärz der 1830er Jahre die erste  Deutsche Nationalversammlung hervorging. Arndt war dessen Alterspräsident."

Bei allen Verdinsten macht die Arndt-Gesellschaft aber auch darauf aufmerksam, dass es richtig ist, sich kritisch mit Ernst Moritz Arndt auseinanderzusetzen. Ihn jedoch durch eine Namenstilgung aus der Diskussion zu nehmen, sei das genaue Gegenteil und schädlich. Diesem Gedanken dürften sich viele der Rüganer anschließen. Schon im letzten Jahr, dem 250. Geburtsjahr Ernst Moritz Arndts, stellte sich eine Frage: Was wäre der Zeitgeist ohne das Werk des Rüganers? - Zweifellos dürften viele von ihnen meinen, das dann eine Reibefläche fehlen würde. Die Umbenennung der Universität hat mehr Schlagzeilen für Arndt gebracht als je zuvor. Und neutrale Beobachter befanden: "Arndt ist präsenter denn je!" In diesem Sinne könnte der letzte Satz des Schreibens der Arndt-Gesellschaft an den Leipziger Oberbürgermeister noch ihre Bedeutung erhalten. Er warnte bereits davor, die begonnene Debatte auf die leichte Schulter zu nehmen.


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