Donnerstag, 12. März 2020

Epidemien als Teil unserer Heimatgeschichte

Kupferstich eines Pestdoktors "Der Doctor Schnabel von Rom" von Paul Fürst (ca. 1656)
Rügen / Stralsund / Greifswald (PA). Nachrichten zum "Corona Virus" bzw. zur "Convid-19-Pandemie" beherrschen derzeit die Nachrichten. Oftmals vergessen: Die Ausbreitung von Krankheiten und Seuchen ist nicht neu und ist Teil unserer Heimatgeschichte. Zu den folgenreichsten Epidemien zählte bisher die Pest. Begünstigt wurde deren rasche Ausbreitung um 1709 im Ostseeraum durch vielfältige Handelsbeziehungen und die Truppenbewegungen des Nordischen Krieges...

Wie viele Teile der Ostseeanreiner war auch Pommern von der Ausbreitung stark betroffen. Nach heutigen Schätzungen starben dabei während der Pest bis zu drei Viertel der Einwohner. In Stralsund, wo die Pest vor allem von August 1710 bis in das kommende Frühjahr zum Problem wurde, sollen ihr etwa 70% der Einwohner zum Opfer gefallen sein. Zu den Betroffenen zählten (außer der Oberschicht) alle Bürger, vor allem jedoch Kinder und Soldaten. Um die Eingrenzung der lokal auftretenden Seuchen einzugrenzen, wurden bereits damals von den staatlichen Behörden unterschiedliche Strategien verfolgt: Einerseits setzte man strenge Schutzmaßnahmen durch, um die Ausbreitung zu verlangsamen. Andererseits wurde die eigentliche Entwicklung nach außen möglichst vertuscht, um Handelseinbußen zu vermeiden.

Ausbreitung der Pest im Ostseeraum auf einer Tafel des "Pommerschen Landesmuseums" in Greifswald

Zu den ersten Schutzmaßnahmen zählte auch schon damals die Quarantäne. Dazu wurden Kranke und Pesttote isoliert. Außerdem wurden die Kontakte der Hansestadt zum Umland reduziert. Dazu wurden beispielsweise um die Hansestädte Königsberg (Ostpreußen) und Stralsund (Schwedisch-Pommern) sogenannte Gesundheitszonen eingerichtet, die der zusätzlichen Isolation dienen sollten. Allerdings bestand auch zu jener Zeit das höchste Risiko durch die Menschen und ihr eigenes Verhalten, welches sich nur bedingt kontrollieren ließ. So existierte ein reger Schwarzhandel, der sogar vor der Fälschung von Dokumenten nicht halt machte und den Austausch von Waren weiterhin ermöglichte, welche natürlich einen guten Gewinn versprachen.  

Originale Flohfalle und das Präparat eines Flohs im "Pommerschen Landesmuseum" in Greifswald
Die Auslöser der Epedimien waren oftmals unscheinbar, was deren Eingrenzung erschwerte. Bei der Pest (lateinsch: "pestis", was für Seuche steht), die offensichtlich Teil einer Pandemie war, die wohl von Zentralasien über Konstantinopel nach Europa eingeschleppt wurde, war der wichtigste Überträger der Floh. Er saugte die Bakterien mit dem Blut bei Ratten oder kranken Menschen und gab sie beim nächsten Biss weiter. Helfen sollten gegen die Pest Mittel zur Vorbeugung, die über die Apotheken vertrieben wurden, wie Sauerampfer oder Myrthenöl ("Engelswasser"). Am effektivsten dürfte aber die sogenannte "Flohfalle" gewesen sein. Angezogen vom Duft eingefüllter Haare oder vom Blut krochen die Flöhe in die unter der Kleidung getragenen Fallen. Durch dort befindliche natürliche Kleber, wie Honig oder Harz, blieben sie allerdings unbeweglich und konnten später über einen Schraubverschluss entsorgt werden. Dennoch: Auch heute ist die Pest keineswegs besiegt...

Blick zur Kapelle der Kloster-Anlage St. Jürgen in Rambin
Und: Die Pest war nicht die einzige folgenreiche Infektionskrankheit. Schon zuvor - beispielsweise im 13. Jahrhundert - wurde der pommersche Ostseeraum von der "Lepra" heimgesucht.  Wie viele andere Krankheiten wurde auch sie durch Tröpfcheninfektion übertragen. Zu den frühzeitigen Symptomen rechnete man früher eine Schmerzunempfindlichkeit im Bereich der Archillessehne, später sollen sich rötliche Flecken - die heute als "Lepride" bezeichnet werden - auf der hellen Haut abgezeichnet haben. Diese fühlten sich ebenfalls taub an. In dieser Phase der Krankheit konnte sie dann entweder abheilen oder aber sich zur weiteren Zersetzung des Gesichts und anderer Körperteile weiterentwickeln. Das es zu jener Zeit zu einer allgemeinen Verbreitung der Krankheit kam, schrieb man sie den Kreuzzügen zu. 

Eines der Zeugnisse dieser Heimsuchung in unserer Heimat ist die Kloster-Anlage St. Jürgen in Rambin. Wie auch andernorts wurde hier ein Hospiz mit einem Hospital - weit abseits der Hansestadt Stralsund - eingerichtet, so dass die Isolation der durch die Infektion Erkrankten gewährleistet werden konnte. Stifter der Anlage war der Stralsunder Ratsherren Godecke von Wickede. 

Beispiele für das Auftreten von Krankheiten, die als Epedemie bzw. als Teil einer Pandemie bezeichnet werden, waren also bereits mehrfach Teil unserer lokalen Geschichte. Zu den Erkenntnissen der Geschichte zählt: So plötzlich, wie diese Krankheiten auftreten, verschwinden sie auch wieder...

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