Dienstag, 16. Juni 2020

Die pommerschen Bismarckdenkmale

Jagdschloß Granitz: Erinnerung an die Aufenthalte von Bismarck auf Rügen
Greifswald / Rügen (PA). Zu Ehren des preußischen Ministerpräsidenten und deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck (1815-1898), der sich selbst gerne als "pommerschen Junker" bezeichnete, wurden auch auf der Insel Rügen und dem pommerschen Festland zahlreiche Gedenksteine, Denkmäler und Türme errichtet. Kein Wunder! Bismarck war mehrfach auf der Insel Rügen zu Gast und hatte - trotz seiner Herkunft aus Schönhausen (Elbe) - eine sehr enge Bindungen an die pommersche Provinz.

Doch Bismarck-Denkmäler? Wo gibt es sie heute noch? Schließlich wurden viele der Denkmäler schon vor über einhundert Jahren errichtet. Einige von ihnen wurden "geschliffen", andere schlichtweg vergessen, angemalt, umfunktioniert oder sogar abgerissen. - Grund genug für eine kleine Zeitreise:

Die Bismarckgedenksteine

Zu den bekanntesten Denkmäler, die auf der Insel Rügen für Bismarck erbaut wurden, zählt zweifellos der "Bismarkstein" von Putbus. Der so bezeichnete Zeitzeuge erinnert nicht nur an Bismarck sondern auch an die Kaiser Wilhelm I. und Friedrich den III. sowie an die Grafen Moltke und Roon. Dennoch verbindet sich mit diesem Ort noch weit mehr. Schließlich weilte der "eiserne Kanzler" im Herbst 1866 unweit des Gedenksteines und schrieb hier die sogenannten "Putbusser Diktate". Wichtig auch, weil sie sich mit die Entstehung der Verfassung des "Norddeutschen Bundes" und des späteren Deutschen Reiches verbinden.

Der "Bismarckstein" (1901) im Park von Putbus

Der Deckstein eines Hünengrabes wurde im Auftrag des Fürsten Wilhelm zu Putbus im Frühjahr 1901 nach Putbus verbracht und mit einer Inschrift versehen. Im Winter 1970 wurde die Inschrift des "Bismarcksteins" abgeschliffen. 2001 wurde die Inschrift mit originalem Wortlaut durch Spendengelder - u.a. der Vereinigung ehemaliger "Pädschler" - wiederhergestellt.

Der "Bismarckstein" (1905) unweit des alten Krankenhauses
Nur wenige Kilometer nördlich - in der ehemaligen Kreisstadt Bergen, an der Gabelung von Calandstraße und Bahnhofstraße hat man einen weiteren Bismarckstein aufgestellt. Er ist ein historischer Zufallsfund und ergänzt heute den Platz vor dem alten Krankenhaus der Stadt. Wer nun auf das pommersche Festland nach Barth fährt, wird auch hier nicht lange suchen müssen. Hier wurde nur einen Steinwurf vom Bahnhofes entfernt ein Gedenkstein für Otto von Bismarck errichtet. Versehen mit einer Tafel erfolgt hier eine historische Einordnung des Steins in die Heimatgeschichte: Am 1. April 1895 wurde auch in Barth der 80. Geburtstag Otto v. Bismarcks gefeiert. Bereits am Vorabend fand ein Fackelzug statt und am Gebutstag selbst wurde eine Bismarckeiche gepflanzt und zwei Jahre später durch einen Gedenkstein bezeichnet.

Die "Bismarckeiche" mit dem "Bismackstein" unweit des Barther Bahnhofs
Ein weitere Erinnerung befindet sich in Franzburg: Hier wurde ein ehemaliger Holzplatz der Baumeister Benz und Dithloff befestigt und erhielt den Namen "Bismarckplatz". Zudem zierte auch ein Denkmal für den ehemaligen Reichskanzler Otto v. Bismarck das Areal. Am Platz selbst wurde noch ein Kaiserliches Postamt errichtet. Zu DDR-Zeiten wurde das Bismarck-Denkmal dann mit dem Emblem der Freien Deutschen Jugend (FDJ) versehen. Heute ist das Bismarck-Denkmal / der Bismarck-Stein schlicht mit einem weißen Anstrich versehen worden und trägt keinerlei Symbole. Der ehemalige "Bismarckplatz" heißt nun "Platz der Freiheit".

In Franzburg weist eine Gedenktafel auf die Geschichte vom Platz hin
Blieben also nur noch die Erwähnung eines Gedenksteines im hinterpommerschen Neustettin, wo einst mit einem Bronzemedaillon im Stadtgarten (1900) an Bismarck erinnert wurde und ein Gedenkstein mit Inschrift im Forst von Selesen (nach 1860). Diese sind allerdings im Wirbel der Geschichte verloren gegangen.

Die Bismarckdenkmäler

So schaut es übrigens auch mit den bildlichen Bismarckdenkmälern aus. Diese kann man heute nur noch auf alten Postkarten suchen und mit viel Glück entdecken. Zu den bekanntesten Denkmälern dürften u.a. die folgenden zählen:

Das Bismarck-Denkmal (1901) auf dem Bismarckplatz in Stolp
Eine Bronzebüste in Belgard (1905), ein Bronzestandbild auf einem Granitsockel in Kniephof (1895), ein Gedenkstein mit einer Bismarck-Eiche in Köslin (1906), ein Bronzestandbild auf einem Granitsockel des Marktes von Naugard (1897), ein Bronzestandbild auf einem Granitsockel in Rummelsburg (1899), Bronzebüste auf einem Sockel in Stargard (1915), Bronzestandbild mit Sockel auf dem Stolper Bismarckplatz (1901), Marmorbüste auf rotem Granit in Varzin / Schloß (1902). Wie gesagt: Sie sind vollständig durch die Geschichte abgeräumt worden.

Die Bismarcktürme 

Anders sieht es da schon mit den Bismarcktürmen aus. Wer einen solchen Zeitzeugen aufsuchen will, dem empfiehlt sich zunächst die sogenannte "Bismarcksäule" in Greifswald. Den mit einer Höhe von 10 Meter auf dem Epistelberg - an der Wolgaster Straße, gegenüber vom Greifswalder Volksstadion - errichteten "Bismarckturm" würde man heute wohl eher als "Miniatur-Ausgabe" bezeichnen. Einer Hinweistafel kann man Folgendes entnehmen: Er wurde am 23. Juni 1900 mit einem Fackelzug eingeweiht. Bereits am Tag zuvor wurde die Säule in den Schutz der Greifswalder Universität übernommen. 1911 wurden bereits erste Sanierungsarbeiten notwendig. Zu DDR-Zeiten war zunächst die Bronzeplatte an der Säule entfernt worden. Am 5. Juli 1960 wurde dann die "Bismarcksäule" in "Olympiasäule" umbenannt und mit einem Olympiasymbol des Greifswalder Bildhauers Prutz versehen. Am 7. März 1991 erfolgte die Rückbenennung zur "Bismarcksäule".

Der Greifswalder "Bismarcksäule"
Weitaus imposanter wirkt dagegen schon der Stettiner Bismarkturm (Erbaut: 1921, Höhe: 25 m). Er ragt immer noch weit über den Oderstrand und ist schon bei der Anfahrt nach Stettin-Gotzlow aus der Ferne leicht auszumachen (weitere Information anbei). 

Der Stettiner "Bismarckturm"
Zu den populärsten Bauten zählten daneben aber einst die "Bismarckwarte" im Seebad Heringsdorf (Erbaut: 1907, Höhe: 42 m und damit damals "Deutschlands höchste Feuersäule"), der "Bismarckturm" in Lauenburg (Erbaut: 1903, Höhe: 31 m), der "Bismarckturm" in Neustettin (Erbaut: 1911, Höhe: 19 m), der "Bismarckturm" in Pollnow (Erbaut: 1930) und der "Birmarckturm" in Schivelbein (Erbaut: 1911, Höhe: 22 m).

Grafische Darstellung zur Bismarck-Warte in Heringsdorf

Weitere Informationen zum Bismarckturm von Stettin:
https://www.inselreport.de/2019/04/die-hochsten-pommerschen-leuchtturme.html   https://www.inselreport.de/2019/04/die-groten-pommerschen-inseln.html   https://www.inselreport.de/2019/11/die-erfolgreichsten-pommerschen-musiker.html https://www.inselreport.de/2017/10/enders-welt.html   https://www.inselreport.de/2017/10/mythos-stortebeker-2-die-rugenfestspiele.html   https://www.inselreport.de/2018/08/uber-ulrich-muther-seine-mitstreiter.html
https://www.inselreport.de/2019/12/schloss-putbus-zum-wiederaufbau.html   https://www.inselreport.de/2019/10/nord-stream-2-wettlauf-mit-der-zeit.html   https://www.inselreport.de/2018/07/ein-besuch-der-hydrierwerke-politz.html