Sonntag, 5. Juli 2020

Mein Sonntag in Saßnitz

Kürzlich fiel mir die Postkarte mit unserem roten Bruder "Gojko" und dem Bleichgesicht "Rolf" in die Hände...
Liebe Saßnitzer,
im Februar des letzten Jahres nahm man sie in den Blick: Die 25 Meter lange Querung über die Untiefen am Birkengrund. Nun ist die neue Kunststoffbrücke (sie besteht nicht aus Schkopauer Plasten und Elasten sondern u.a. aus bundesdeutschem Carbon) also fertig. Von Seiten der Stadtverwaltung hofft man nun auf noch weniger Pflegebedürftigkeit. Wenn man sich unseren alten Seesteg (mögliche Nutzung als "Vogelwarte Jasmund") ansieht, weiß man warum...
Gefahrenstelle bei Rusewase wurde beseitigt
Gute Nachrichten gibt es aber aber auch aus der Stubnitz. Hier stolperte man buchstäblich über ein Brunnen am ehemaligen Baumhaus von Rusewase. Und: Schon ein Anruf beim Nationalparkamt in Born soll genügt haben, um die Gefahrenstelle in kürzester Zeit zu beseitigen (...ob Zuschütten nun ein unbedenklicher Weg ist, darf allerdings bezweifelt werden!). Dennoch: Die schnelle Reaktion ist keinesfalls selbstverständlich, denn oftmals ist ja in der Stubnitz unklar, wem was gehört und wer wofür verantwortlich ist. Beispiel gefällig?

Das "Wasserkleinkraftwerk" (mit "Schmidscher Pumpe") am Königsstuhl steht unter Denkmalschutz und verfällt
Das "Wasserkleinkraftwerk" (mit der "Schmidschen Pumpe") am Königsstuhl. Das wurde im Dezember 2004 gemäß §5 Absatz 1 des Denkmalschutzgesetzes unseres Landes unter der Nummer 870 in die Denkmalliste eingetragen. Doch wer glaubt, dass das Land - dass im Verdacht steht, selbst Eigentümer des Denkmals zu sein -  etwas zu dessen Erhalt beigetragen hätte, der irrt. Zwar hatte die landesbehördliche Einrichtung - das Nationalparkamt - eine entsprechende Nachricht des damaligen Landkreises Rügen erhalten, doch dabei blieb es. Und da sich das Nationalparkamt (als Empfänger) nicht dagegen wehrte, als Eigentümer bezeichnet zu werden, ging auch die Denkmalschutzbehörde (der Sender) von den zuvor beschriebenen Eigentumsverhältnissen aus...

Mitteilung des Denkmaleintrags an das Nationalparkamt Rügen gerichtet (v. 6. Dezember 2004)
Doch dann kam es zu einem interessanten Wendepunkt - nicht nur in der Angelegenheit des kleinen "Wasserkraftwerkes" am Königsstuhl sondern auch in der Angelegenheit "Abstieg am Königsstuhl". Wie eine Untersuchung durch das Katasteramt ergab, sind Teile des Hanges gar nicht katastriert. Noch unglaublicher: Der letzte Eigentümer (von vor 1921) muss erst ermittelt werden...

Fremdes Eigentum einfach bebaut...
Nun hat bereits ein Erbstreit begonnen: Ureinwohner (also Rüganer) beanspruchen den Hang an der Heiligsten aller Inselerhebungen für sich und prüfen die Möglichkeit einer Schadensersatzklage gegen das Land, von dem sie einst vertrieben wurden. Der Vorwurf: Während ihrer Abwesenheit ließ das Land hunderte Einschlaghülsen zum Stückpreis von 20,00 EUR auf fremdem Eigentum in den Boden treiben. Später, als der "Akt der Okkupation" vollzogen war, wurde (ebenfalls ohne die Genehmigung des Eigentümers) dann sogar Holz von dem fremden Eigentum entnommen. Dies wiederum wird bereits als ein Akt "staatlicher Willkür" gegen die Ureinwohner angesehen, denn die wollen - wie ja auf der Insel bekannt ist - ihren Abstieg zurück, damit sie wieder den Königsstuhl vom Strand betrachten können.

Zweifellos gibt dieses Vorgehen zu denken. Wenn man die Rüganer mit den Ureinwohnern Amerikas vergleichen wollte, dann würde man also schlicht vom "Landklau" reden. Verdrängt in "Reservate" haben sie jede Form der Mitbestimmung über ihre eigenen "heiligen Hügel" verloren und müssen sich nun den Widrigkeiten des großen "weißen Mannes" in Schwerin beugen. Und das, obgleich die Rüganer meinten, seit den "Rügensche Erbfolgekriegen" (ab 1326) hätten die Mecklenburger nix mehr auf Rügen zu melden.

Nun, die alten Häuptlinge wissen in diesem Falle einen guten Rat:
"Bedenke den Unterschied! Sei kein Huhn, wenn Du ein Adler sein kannst..."

Hogh, ich habe gesprochen!

Euch einen schönen Sonntag
Euer Fiete

PS: Beim betrachten der Karte von unserem alten roten Bruder "Gojko" fragte ich mich deshalb: Was würde er wohl dazu sagen? Der alte weise Krieger ist kürzlich 80 geworden...
https://www.inselreport.de/2019/04/die-hochsten-pommerschen-leuchtturme.html   https://www.inselreport.de/2019/04/die-groten-pommerschen-inseln.html   https://www.inselreport.de/2019/11/die-erfolgreichsten-pommerschen-musiker.html https://www.inselreport.de/2017/10/enders-welt.html   https://www.inselreport.de/2017/10/mythos-stortebeker-2-die-rugenfestspiele.html   https://www.inselreport.de/2018/08/uber-ulrich-muther-seine-mitstreiter.html
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