Sonntag, 19. Juli 2020

Mein Sonntag in Saßnitz

In viele Medien konnte diese "Meldung" ungeprüft Eingang finden - hier: Die "Ostsee-Zeitung" (v. 15.07.2020)

Liebe Saßnitzer,
Schlagzeilen wie "Greenpeace-Botschaft am Königsstuhl" lassen sich bundesweit gut unters Volk bringen. Wenn man der durch die Deutsche Presse Agentur (DPA) verbreiteten Meldung glauben mag (die - wie zum Beweis - mit einem entsprechenden Foto versehen wurde), dann haben die Greenpeace-Leute des Segelschiffes "Beluga II" ihre Botschaft in dieser Woche an die Kreidefelsen mittels Licht "geworfen"...

Dumm nur, dass Bürger auf die Idee kamen, bei der DPA (die sich als "unabhängiger Dienstleister" für die Medien versteht) nachfragten, wer dieses Foto (welches schließlich mit "DPA" gekennzeichnet war) wann und wo (wie viele Meter vom Ufer entfernt?) - aufnahm. Am anderen Ende der Leitung soll daraufhin betretenes Schweigen geherrscht haben, denn: Die Agentur hatte gar keinen Mitarbeiter vor Ort. Stattdessen wurde das Foto (1:1!) von Greenpeace übernommen. Ob die nun Meister der Bildbearbeitung sind oder wirklich optische Ausnahmekünstler waren, kann somit nicht wirklich bestimmt werden. Also nur "Fakenews"? Wir wissen es nicht. Schließlich war ja kein unabhängiger Beobachter vor Ort. Und damit wird diese "Meldung" zur Glaubensfrage (denn einfach ist es nicht gerade an der zerklüfteten Kreidefelsenoberfläche eine Botschaft zu werfen, die dann auch noch so gut lesbar ist. Schließlich ist die Kreideformation keine glatte Wand).

Die Sache selbst hat noch einen anderen Aspekt. Greenpeace, die sich auch gerne gegen "Lichtverschmutzung" stark machen, könnten in den Verruf geraten, diese selbst zu produzieren. Und das in einem Nationalpark? Nur mal so eine Frage: Dürfen die das? 

Und: Spektakulär wäre auch etwas anderes! Warum haben sie sich nicht an die Flügel eines Windrades vor Rügen gekettet, um auf die Verschandelung der Ostseeküste mit Offshore-Anlagen aufmerksam zu machen? Dafür hat der Mut von Greenpeace (so viel ist sicher!) noch nicht gereicht. Immerhin: Ein Foto wäre es mir wert! Sollte also die "Beluga II" dieses Ziel einmal verfolgen, darf die Besatzung gewiss sein, dass wir Saßnitzer einer Einladung zum Mega-Event folgen würden. Und  damit könnte auch niemand behaupten, dass die Greenpeace-Aktivisten nicht an einem der Flügel klebten, um den Rotor zu umkreisen. 

Einen schönen Sonntag wünscht Euch
Fiete

Kein Grund für Proteste? Immer mehr Windräder verschandeln die Ostsee

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