Samstag, 18. Juli 2020

Stettin Grünhof: Die Villa Lentz erhält kulturelle Perspektive

Die denkmalgeschütze "Villa Lentz" im Stettiner Stadtteil Stettin Grünhof (Foto: Kapitel)
Stettin (PA). Die bereits als unverwüstlich geltende Villa Lenz des Leipziger Architekt Max Drechsler (1857-1892), benannt nach August Lentz (1830-1895), soll in der Odermetropole zur eigenständigen Kulturinstitution werden. So kündigte es die Stadt Stettin erst kürzlich an. Ziel sei es in dem historischen Bau Aktivitäten zu entfalten, die neben ihrer kulturellen Ausrichtung im Allgemeinen auch die Verbreitung, Erhaltung und Förderung des kulturellen Erbes in Stettin im Speziellen verfolgten. 

Dafür soll die Villa Lenz ab Donnerstag, den 1. Oktober 2020, sogar eine unabhängige Kulturinstitution werden - wenn der Stadtrat diesem Ansinnen folgen sollte. Die Grundlage dafür wurde bereits mit der ab 2018 begonnenen umfassenden Sanierung des Gebäudes gelegt. Derzeit beherbergt die Einrichtung u.a. Ausstellungs- und Konferenzräume sowie eine Bibliothek. Der Zugang ist in diesem Zuge auch behindertengerecht gestaltet worden.

Ein kleiner Rückblick sei an dieser Stelle erlaubt, denn der sächsische Architekt des Baus, Max Drechsler, ist auch mit der Ausführung zahlreicher pommerscher Staatsbauten beschäftigt gewesen. Als er jedoch 1887 nach Pommern zurückkehrte, um zunächst in die Dienste der Garnisons-Verwaltung zu treten, erhielt er schon im Folgejahr von besagtem August Lentz, dem Direktor der chemischen Fabrik in Pomerensdorf, den Auftrag zur Errichtung eben dieser - hier angesprochenen - Villa. Es sollte, bedingt durch das kurze Leben des Architekten, sein damit einziges selbständiges Zeichen des Schaffens bleiben. 

Der im Stettiner Stadtteil Grünhof an der Falkenwalder Straße gelegene Bau zeichnete sich von Anfang an vor allem durch seine liebevolle Ausgestaltung aus. Die in ihrem Grundriss quadratische Anlage wurde dabei im Kern mit einer zweigeschossigen Vorhalle versehen, welche durch ein Oberlicht eine natürliche Ausleuchtung erfuhr. Wie es üblich war, wurde das ungleich höhere Erdgeschoß dabei durch Gesellschafts- und Empfangsräume geprägt, während das Obergeschoß funktional den Wohn- und Schlafbereich aufnahm. Das Dachgeschoß war dagegen den Bediensteten vorbehalten.

Auch erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die ausführenden Arbeiten durch viele Stettiner Firmen erfolgten. So waren u.a. Vogts & Co. sowie O. Völcker für die Holzarbeiten, Zeyer & Drechsler für die Stuckarbeiten, Westphal für die Glasbilder, Kessel & Röhl für die Granitarbeiten zuständig. Die Stahlarbeiten wurden durch Stiemke und Gollnow ausgeführt. Somit ist die Villa Lentz heute nicht nur ein weit über die Zeit erhaltenes Denkmal des jung gestorbenen sächsischen Architekten sondern auch ein Zeitzeuge des Stettiner Handwerks. 

Dabei kann sie durchaus auch auf eine wechselvolle Geschichte zurücksehen, denn August Lentz verstarb bereits wenige Jahre nach der Errichtung der Villa, die zunächst von seiner Tochter übernommen, später aber verkauft wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde sie von der Sowjetarmee genutzt, dann von der Kirche und schließlich sogar als "Jugendpalast". Der in letzter Zeit vom Leerstand geprägte Bau wurde - wie bereits erwähnt - ab 2018 saniert und dürfte nun eine langfristige Perspektive erhalten.
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