Mittwoch, 2. September 2020

29. August 2020 - Ein historischer Tag?


Ein Erlebnisbericht von Norbert Dahms

Wieder sind viele, viele Menschen dem Aufruf der "Querdenker" zur Demonstration nach Berlin gefolgt. Das politische Ziel der "Querdenker" ist in deren Manifest festgeschrieben.

Menschen aller Glaubensrichtungen Juden, Moslems, Christen, die Anhänger Hare Krishna, Menschen aus den verschiedensten gesellschaftlichen Schichten, Menschen jung und alt sind angereist, um an diesem Tage für ihre Rechte zu demonstrieren. Nachdem einige rechtliche Hürden, wie das Verbot der Versammlung durch den Berliner Senat genommen waren, konnte die gerichtlich genehmigte Versammlung doch stattfinden. Gleichzeitig zum Demonstrationszug wurden neben diese weit über 1.000 andere Demonstrationen angemeldet. Sie alle zu überschauen war schwierig. Es waren diesmal sichtlich erkennbar auch mehr Leute mit der kaiserlichen Fahne - in den Farben Schwarz / Weiß / Rot - unterwegs als am 1. August 2020. Gleichzeitig sind aber neben Tierschützern oder Veganern auch viele aus anderen europäischen Ländern nach Berlin gekommen - u.a. Franzosen, Belgier, Italiener, Polen und Russen. Der Eindruck, der hier entsteht: Es ist ein breites gesellschaftliche Spektrum vertreten.


Bereits gegen 11.00 Uhr waren der Pariser Platz, Unter den Linden und die Seitenstraßen voller Menschen. Der sich langsam formierende Demonstrationszug bog in die Friedrichsstraße ein und kam dort zum Stocken. Dann ging die Information durch die Reihen, das mehrere Mannschaftstransporter der Polizei den Zug an der Spitze gestoppt hätten. Die Menschen von hinten drängten in Unkenntnis dessen nach, bis sie begriffen, das hier kein Durchkommen mehr war. Dieser Zustand hält etwa zwei Stunden lang an. Zwischenzeitlich setzten sich viele auf die Straße und warteten friedlich. Auf der Höhe eines bayrischen Trucks kam die Durchsage, daß man mit der Polizeiführung in Verhandlung sei. Diese hätte den Zug gestoppt, weil die Mindestabstände nicht eingehalten worden wären. Wie denn auch? - fragen sich Beobachter. Bereits während dieser Wartezeit meldeten die öffentlich-rechtlichen Medien online, dass die Versammlung beendet sei und nun durch die Polizei aufgelöst werde. Die darauf gemeinschaftlich gesungene Nationalhymne fand ebenfalls bei der Polizei den Anstoß zur Ermahnung, den Gesang zu unterlassen.


Ein pensionierter Polizist ergriff das Wort und mahnte zur Ruhe und Friedfertigkeit, während er alle Polizisten aufrief unrechtmäßige Befehle nicht auszuführen. Dann war es plötzlich doch möglich , langsam den Weg zurück zur Straße Unter den Linden und durch das Brandenburger Tor zur Straße des 17. Juni zu gehen.

Gut, der Umzug hatte nicht stattfinden können, dafür war es nun möglich auf eine sehr gut organisierte weitläufige Veranstaltung zu gehen. Hier machte sich eher eine Art Volksfeststimmung breit. Die Polizei hielt sich in diesem Bereich dezent zurück, lediglich die Hubschrauber kreisten jede Minute über der Menge. Die Veranstalter wiesen mehrfach und eindringlich auf die Abstände hin, der Polizeisprecher meinte, laßt es uns heute Abend gemeinsam friedlich "rocken". Zur Eröffnung machte die Veranstaltungsleitung von "Querdenken 711" klar, wofür diese Demonstration steht. Sie wiesen jeglichen Extremismus oder Radikalismus von sich und distanzierten sich eindeutig. Sie hatten mehrere Deeskalationsteams laufen, die sofort angesprochen werden sollten, sobald Störer irgendeiner Art die Veranstaltung zu Fall bringen wollten. 


Auch die Redebeiträge waren interessant. Neben Robert F. Kennedy Jr. sprachen Sportler, Polizisten, Politiker, Pastoren, sogar ein Schuljunge aus der Schweiz. Es wurden u.a. die Vereine "Eltern stehen auf", "Ärzte für Aufklärung", "Klagepaten" und "Mutigmacher" vorgestellt. Zwischenzeitig immer mal wieder etwas Gesang oder Meditation. Die Bühne stand genau im Kreisel der Siegessäule, in alle Straßenrichtungen waren Großleinwände aufgebaut. Die weit verteilten Lautsprechtürme versorgten alle Teilnehmer im gesamten Bereich des Tiergartens und der anliegenden Altonaer Straße, dem Spreeweg und der Hofjägerallee akustisch. In der abendlichen Stimmung hätte man fast meinen können auf einem Konzert zu sein. Die leuchtenden Handys im Abendhimmel machten klar, es waren tausende oder gar vielleicht doch ein paar mehr an diesem Abend. Sie einte der Wunsch nach Demokratie, Gerechtigkeit, Freiheit, Einigkeit und Frieden.

Ein Frieden, welcher an anderer Stelle gleichzeitig leider empfindlich gestört wurde. Mit Bestürzung wurde auch hier die Nachricht über den "Sturm auf die Reichstagstreppe" aufgenommen. Nein, das waren nicht die Teilnehmer der Veranstaltung von "Querdenken 711". Das waren andere Leute. Leider bestimmte diese Meldung und die damit verbundenen Bilder die Berichterstattung der Medien an diesem und in den folgenden Tagen. So wurde das Anliegen der Demonstration der "Querdenker" an diesem Abend medial verdrängt. Eine "gesteuerte" Randerscheinung? Ein gesuchter Vorwand, um die "Querdenker" endlich zu stoppen? Die Bilder an der Siegessäule sprechen für sich und eignen sich wohl nicht für Schlagzeilen, Darum war es wichtig auch diesen Bericht über eine friedliche Demonstration zu schreiben.


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Dies besagt das Manifest der "Querdenker" inhaltlich:

Die "Querdenker" bestehen auf die ersten 20 Artikel des Grundgesetzes, insbesondere auf die Aufhebung der Einschränkungen durch die Corona-Verordnung von: Artikel 1 zu Menschenwürde - Menschenrechten - Rechtsverbindlichkeit der Grundrechten, Artikel 2 zu den Persönlichen Freiheitsrechten, Artikel 4 zur Glaubens- und Gewissensfreiheit, Artikel 5 zur Freiheit der Meinung, der Kunst und der Wissenschaft, Artikel 7 zum Schulwesen, Artikel 8 zur Versammlungsfreiheit,  Artikel 11 zur Freizügigkeit, Artikel 12 zur Berufsfreiheit und  Artikel 13 zur Unverletzlichkeit der Wohnung

Die "Querdenker" verstehen sich als überparteilich und schließen keine Meinung aus, da nach ihrer Auffassung nach der Wiederherstellung des Grundgesetzes dafür wieder alle demokratischen Mittel vorhanden sind.

Die "Querdenker" fordern alle Parteien auf, Ihr Parteiprogramm auf die neue Lage anzupassen. Sie fordern Neuwahlen im Oktober 2020

Die Versammlungen dienen ausschließlich der Erreichung der vorab genannten Ziele.

Weitere Informationen:

https://www.inselreport.de/2019/04/die-hochsten-pommerschen-leuchtturme.html   https://www.inselreport.de/2019/04/die-groten-pommerschen-inseln.html   https://www.inselreport.de/2019/11/die-erfolgreichsten-pommerschen-musiker.html https://www.inselreport.de/2017/10/enders-welt.html   https://www.inselreport.de/2017/10/mythos-stortebeker-2-die-rugenfestspiele.html   https://www.inselreport.de/2018/08/uber-ulrich-muther-seine-mitstreiter.html
https://www.inselreport.de/2019/12/schloss-putbus-zum-wiederaufbau.html   https://www.inselreport.de/2019/10/nord-stream-2-wettlauf-mit-der-zeit.html   https://www.inselreport.de/2018/07/ein-besuch-der-hydrierwerke-politz.html