Donnerstag, 17. September 2020

Offener Brief an die Redaktion der "Ostsee-Zeitung"


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich darf mich kurz vorstellen: Mein Name ist Dr. Thomas Sarnes, ich bin 66 Jahre alt und seit dem 1.Dezember 2019 im Ruhestand. Ich bin Arzt, Chirurg der alten Schule vom Fach her und war 22 Jahre Chefarzt in einer Chirurgischen Klinik.

Meinen Ruhestand habe ich mir, ehrlich gesagt, anders vorgestellt und dennoch ist die aktuelle Situation eine der großen Erfahrungen und Lehren in meinem Leben, die ich wenn auch spät doch aber leider annehmen muss. Natürlich ärgere auch ich mich seit Monaten über das Totalversagen der Medizin, der Politik und auch der Medien jeder Form. Ich darf auch behaupten, dass ich ein politischer Mensch bin und für das Verständnis der Dinge, der aktuellen Zeit, der Geschichte und auch und insbesondere der Medizingeschichte ein hinreichend analytisches Denkvermögen zu haben glaube. In Veröffentlichungen, leider nicht in der Ostsee-Zeitung (sie wurden abgelehnt, weil sie nicht der aktuell erwünschten Berichterstattung genügten), habe ich mich damit beschäftigt, wie die Menschen mit der gegenwärtigen Situation „Corona“ umgehen, und wie sie durch Politik, Medien und gemeinsame Interaktion in eine Angststarre versetzt werden. Das ist für mich ein großes Thema, weil die Angst gerade in meinem Beruf ein großer Faktor war und Angst auf der politischen Ebene auch in der Geschichte vieles ermöglicht hat, was man sich nicht vorstellen konnte. Angst macht Menschen krank!

Nun ist es in der aktuellen Situation so, dass sich die Ostsee-Zeitung leider nicht von der einheitlichen oder besser gesagt vereinheitlichten Pressemeinung absetzt und das habe ich wenn auch schweren Herzens zur Kenntnis nehmen müssen, ohne es zu verstehen oder zu akzeptieren. Mit einem Brief an Sie habe ich schon länger gehadert, nehme nun aber die Ausgabe vom 14. September zum Anlass, doch zu schreiben. Es ist nicht zu erwarten eine Zeitung in die Hand zu nehmen, in der steht, dass alles prima ist. Ist es ja auch nicht. Aber, in einer Zeit wie jetzt, jede Gelegenheit zu nutzen um Angstmacherei zu betreiben, missbillige ich ausdrücklich. Ich möchte mich in aller Deutlichkeit mit dem Beitrag ihres Chefreporters  Benjamin Fischer beschäftigen, nur dass sie verstehen worum es mir geht.

Jeder Mensch hat ja das Recht auch Wissenschaftlern zu huldigen, wenn er mag und auch, wenn er vielleicht gar nicht versteht um was es geht. Das steht jedem frei. Und dann steht da so unscheinbar zwischen „Pilzesammeln“ und „Stuttgarter Pokalüberraschung“ dieser kleine Doppelspalter. Klar, er hat es nicht auf die erste Seite geschafft aber er zeigt Wirkung.

Meine Damen und Herren, Herr Fischer, wovor hat denn Herr Kollege Drosten vor Monaten gewarnt? Es stimmt doch gar nicht, dass ganz Europa im Lockdown war. Wo sind denn die Massen von Toten, vor denen er gewarnt hat? Was sagen Sie denn zu den leeren Betten, die in unseren Krankenhäusern nicht belegt waren? Damals wirkte unglaublich das Gerede von den vielen Todesfällen. Wo sind die denn geblieben? Es ist unredlich, die eigene Situation mit den Gegebenheiten anderer Länder zu begründen. 

Herr Fischer, wie viele Tote waren es denn in Deutschland wirklich? Warum kommen Sie bei einem solch kritischen Thema mit zahlenfreier Polemik? Sie sind doch Journalist! Wissen Sie eigentlich, dass in Deutschland jede Woche zwischen 15.000 und 16.000 Menschen natürlicherweise auch und insbesondere wegen mannigfaltiger Erkrankungen und wegen ihres Alters unsere Gemeinschaft verlassen? Traurig im Einzelfall aber das ist das Leben. Wenn der Verfasser den Eindruck hat, dass sich die Leute mehr vor der Grippe fürchten, dann mag das nicht unbedingt stimmen, sachlich aber wäre es richtig, weil die Grippe in ihrem Verlauf und ihrer Härte unberechenbar sein kann. Die viel größere Angst besteht aber davor, dass Medien wie dieses hier die nächste saisonale Grippe als was weiß ich wievielte Corona-Welle verkaufen wollen und werden. Und diese Angst hat Substanz und auch ihre Berechtigung. 

Wie viele junge Menschen haben sich denn jetzt nach ihrer Meinung infiziert? Also ich meine damit wie viele sind krank geworden? Auf diesem Interpretationsirrtum beruht übrigens unsere ganze Situation und die Ostsee-Zeitung macht mit. Vielleicht sollte man aus lauter Unverständnis, nicht den Eindruck erwecken, als würde das Virus irgendwo unter der Decke sitzen und warten, dass wir mal nicht aufpassen. Woher wissen sie, dass das Virus in der Fläche nicht so vorhanden war? Es wurden zu Beginn in der Fläche gar keine so genannten Tests gemacht. Warum führen sie die Spanische Grippe an? Dieser Vergleich ist unzulässig! 

Herr Fischer, das ist eine andere Krankheit, eine echte und furchtbare Krankheit, wie sie seit her nie wieder gesehen wurde. Die Spanische Grippe war die einzige doppelzyklische Infektionserkrankung, auch weil sie auf eine vom Krieg malträtierte und geschwächte Menschheit getroffen ist. Sie müssten doch inzwischen von Herrn Dr. Drosten gelernt haben, dass man Corona nicht mit Grippe gleichsetzen soll. Hat übrigens auch Herr Spahn gesagt.  Ist ihnen eigentlich aufgefallen, dass die Zahl 1918 die einzige Zahl in Ihrem Artikel ist? 

Warum reden Sie nicht darüber, dass jeder die aktuellen Zahlen auf der Seite des RKI abrufen kann und warum tun Sie das nicht selbst? Das wäre für einen Journalisten eine Minimalforderung an sich selbst! 

Warum reden Sie nicht darüber, dass in Deutschland aus nicht medizinischen Gründen exzessiv getestet wird, obwohl dieses Testverfahren für ein so genanntes Screening, also einen Suchtest, überhaupt nicht geeignet ist? Das wissen Sie doch als informierter Journalist. 

Warum schreiben Sie nicht, dass in der 34. Kalenderwoche bei 987423 Testungen nur 8655 positive Ergebnisse dabei waren? 

Warum schreiben Sie nicht, dass das nur 0,88% positive Ergebnisse sind und dass Herr Dr. Drosten, den Sie ja scheinbar gerne locker als Quelle benutzen, seinen Test mit einer falschpositiven Rate von 0,7 bis 1,4% beurteilt? Und das sind positive Befunde, keine Kranken! Diese niedrigen Zahlen halten sich seit Wochen. 

Warum haben sie als Medium nicht den Mut, auch mal andere Meinungen zu hören? Ja, klar, Herr Prof. Dr. Bhakdi wurde zu seinem Buch interviewt, ganz vorsichtig mit einem wenn auch sanften Gegenargument aus Rostock. 

Warum haben sie nicht den Mut als Zeitung, mal die epidemiologische Lage von nationaler Tragweite zu hinterfragen? Das würde vielleicht viele Leute wecken. Das würde mal wieder klären, was Parlamentarismus in seiner Bedeutung ist, das würde klären für wen hier eigentlich Politik gemacht wird. Natürlich muss man sich nicht wundern, dass die Menschen langsam aus ihrer Angst auch Wut hervorbringen. Insbesondere jetzt, wo sich die Politik an ihren Kindern darstellen will. 

Was aber, wenn die Menschen recht haben, und es könnte mit großer Wahrscheinlichkeit so kommen? Dann werden sie fragen, warum haben die Journalisten meiner unabhängigen Ostsee-Zeitung nicht aufgepasst? 

Sie werden sich daran erinnern, wie aufklärend die Medien alle waren, als es darum ging Herrn Bundespräsidenten Wulff zu demontieren, wegen ein paar Euro und schuldlos. 

Sie werden fragen, warum haben die von der Zeitung, meiner unabhängigen Zeitung, nicht nachgerechnet mit den Zahlen beim RKI, wir konnten die doch auch lesen. 

Sie werden sagen, dass nach dem Grundgesetz Art. 5 die Pressefreiheit gilt, dass keiner diese Presse zensieren darf. Sie werden sagen, dass sie doch darauf gebaut haben, dass ihre Zeitung sie richtig informiert und bildet. 

Die Menschen werden sagen, klar die Journalisten können auch nicht alles wissen, aber die können sich doch richtig damit beschäftigen. Sie erklären uns doch auch das Weltall und den Urknall. Und sie, die Ostsee-Zeitung werden keine einzige Frage beantworten können. Und sie müssen sich den Vorwurf anhören, dass sie es haben geschehen lassen, dass sie nicht die Politik kritisch begleitet haben, wie es ihre Aufgabe wäre. 

Und die Leser werden dann sagen mit den Worten des Chefreporters Benjamin Fischer: dass, was sie gesagt und geschrieben haben war „viel zu lax“.  

Und was nun? Was wird nun aus ihrer und meiner Ostsee-Zeitung, für die wir bezahlen? Sie geht unter in der allgemeinen einheitlichen Mediensoße aus Angst vor Repressalien, die ihr vor dem Grundgesetz gar nicht angetan werden dürfen. Sie werden sich leise und still daran erinnern, an ihren journalistischen Ehrenkodex, an journalistische Tugenden, wegen denen sie alle diesen Beruf erlernt haben. Sie werden sich aber in dem Gefühl erleben, dass sie das getan haben aus Angst um ihren Arbeitsplatz, um ihrer selbst also. Sie, ihre und meine Ostsee-Zeitung, wird dann geopfert auf dem Altar der Bedeutungslosigkeit. Und keiner kann, aber insbesondere will etwas dagegen tun. Aber, vielleicht helfen ja die immer mal wieder abgedruckten Anzeigen vom Gesundheitsministerium weiter…

https://www.inselreport.de/2019/04/die-hochsten-pommerschen-leuchtturme.html   https://www.inselreport.de/2019/04/die-groten-pommerschen-inseln.html   https://www.inselreport.de/2019/11/die-erfolgreichsten-pommerschen-musiker.html https://www.inselreport.de/2017/10/enders-welt.html   https://www.inselreport.de/2017/10/mythos-stortebeker-2-die-rugenfestspiele.html   https://www.inselreport.de/2018/08/uber-ulrich-muther-seine-mitstreiter.html
https://www.inselreport.de/2019/12/schloss-putbus-zum-wiederaufbau.html   https://www.inselreport.de/2019/10/nord-stream-2-wettlauf-mit-der-zeit.html   https://www.inselreport.de/2018/07/ein-besuch-der-hydrierwerke-politz.html