25 Oktober 2020

Mein Sonntag in Saßnitz


Liebe Saßnitzer,
Touristen sollen ja zukünftig unter dem Motto „Entdecken. Erleben. Staunen“ durch den Nationalpark Jasmund geführt werden. Eine schöne Sache! Dafür jedenfalls enthüllte Minister Till Backhaus (SPD) eigens 13 (!) Info-Tafeln, die im Wald für Kosten von etwa 100.000 EUR (!) verteilt wurden. Das Staunen der Besucher dürfte aber auch anders ausgelöst werden können...
Immerhin lässt sich in Klein-„Schilda“ nun auch der Erhalt dieser Schilder verfolgen. Um die "Gattung" ist es leider derzeit im Nationalpark Jasmund nicht gerade sonderlich gut bestellt. - Wir erinnern uns: Auf einigen Schildern ist kaum noch der Zweck ihrer Aufstellung festzustellen, wieder andere weisen in falsche Richtungen, andere fehlen gleich ganz an Stellen, wo sie eigentlich gut angebracht wären. Es gäbe also ein ausreichendes "Betätigungsfeld" für Herrn Backhaus.

Und: Vielleicht sollte der langjährigste Minister Deutschlands als oberster „Waldmeister“ auch mal einen Blick in die eigene Verordnung zum Nationalpark Jasmund werfen. Auch hier lässt sich reichlich Handlungsbedarf ableiten. So wären schließlich massive Eingriffe, wie die in das Grabensystem, die letztlich bei der Achterwiese auch den geplanten „Klodeckel“ vom Königsstuhl ins Schlingern bringen könnten, lt. § 3 eigentlich genauso wenig möglich, wie die massiven Abholzungen der letzten Jahre oder der Bau eines Fahrradweges.


Gar nicht lustig wird es aber, wenn es um das Verbot von Bildübertragungsgeräten, Ton- oder Bildwiedergabegeräten und Funkgeräten geht, wie einer der "Knubbenbieters"* herausfand. Man stelle sich folgende Situation vor: Ein Tourist versucht (trotz Verbot) in der Kreideformation den Abstieg oder / und kommt in eine Notlage. Seinen Rufen nach Hilfe kann jedoch nicht entsprochen werden. Stattdessen müsste man ja eigentlich dann das Handy stecken lassen und antworten: "Leider verboten!" An diese und andere Regeln halten sich heute natürlich weder Besucher, noch Mitarbeiter des Nationalparks oder gar Politiker, weshalb es täglich zu TAUSENDEN VERSTÖSSEN gegen die Verordnung  (im Dienstbereich von Minister Backhaus) kommt und diese natürlich auch toleriert werden.

Klartext: Backhaus und seine Verordnung sind "aus der Zeit gefallen", Gleiches ließe sich auch über den Vertrag zum Nationalparkzentrum sagen, der ja festlegt (!) dass eine Lobbyorganisation - gemeint ist der World Wide Fund For Nature (WWF) - nach dem Willen des Landes (!) eine Mehrheit an der Betreiber-Gesellschaft halten muss. Vielleicht ein Fall für Lobbycontrol? - Die Landespolitik hat jedenfalls genug Gründe, um mal etwas genauer hinzuschauen, wer hier seine Hausaufgaben wie erledigt hat. Schließlich ist im kommenden Jahr Landtagswahl und im Zweifel könnten sonst  die Bürger Backhaus für "vesetzungsgefährdet" erklären. Die Gründe dafür braucht man jedenfalls nicht erst seit der Diskussion um den Abstieg oder den "Klodeckel" am Königsstuhl zu suchen...

Einen schönen Sonntag wünscht Euch
Euer Fiete

*) Die althergebrachte Bezeichnung für Ureinwohner, die auf der Seite der Stubnitz wohnen. Der plattdeutsche Begriff heißt übrigens auf Hochdeutsch soviel wie "Knotenbeißer". Entstanden ist er - lt. Alfred Haas - weil sich dieser besonders urwüchsige Menschenschlag nicht erst die Mühe macht einen Knoten zu lösen, sondern ihn stattdessen einfach "durchbeißt"...


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