Dienstag, 13. Oktober 2020

Schifffahrtsweg Berlin-Stettin gewinnt an Bedeutung

Blick vom neuen Schiffshebewerk Niederfinow Nord auf die Wasserstraße Berlin-Stettin

Stettin / Niederfinow (PA). Schon früh entwickelte sich Berlin zum Umschlagplatz für den Verkehr zwischen Ost und West. Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts gab es deshalb Überlegungen, die märkischen Wasserstraßen mit der Oder zu verbinden. 1620 gab es einen ersten Versuch dazu und obgleich dieser im 30jährigen Krieg wieder als Kanal verfiel, so blieb doch die Überzeugung, dass eine Wasserverbindung zwischen Elbe und Oder notwendig ist.

Blick auf die Hebeanlage des neuen Schiffshebewerkes

Und so wundert es nicht, dass auch Friedrich der Große den Finowkanal trotz der beiden Schlesischen Kriege fertigstellen ließ. Der 1906 angelegte Großschifffahrtsweg Berlin-Stettin, der auch als Hohenzollernkanal bezeichnet wurde und den wir heute im Wesentlichen als Oder-Havel-Kanal kennen, hatte vor allem mit dem Bau des Schiffshebewerk Niederfinow im Jahre 1934 an Bekanntheit gewonnen. Da aber auch die Auslastung der Wasserstraße immer weiter zunahm, kam auch das bereits erwähnte Schiffshebewerk an seine Grenzen. Da dessen Troglänge auf 84 Meter begrenzt ist, können es Schiffe mit einer Länge von 110 Metern beispielsweise nicht passieren. Und auch die Trogwassertiefe entspricht mit seinen 2,00 Metern nicht mehr den heutigen Anforderungen. 

Trogfahrt im Zeitraffer

Aus diesem Grunde wurde 1997 der Neubau des Schiffshebewerkes Niederfinow Nord beschlossen. Erste Arbeiten dazu begannen im Jahre 2006 und drei Jahre später erfolgte am 23. März 2009 die Grundsteinlegung. Wie bei anderen Großprojekten gibt es derzeit keinen finalen Fertigstellungstermin. Hieß es zunächst, dass bereits 2017 eine erste Schiffsdurchfahrt erfolgen sollte, wird nun ein Termin im kommenden Jahr genannt. Allerdings kann man sich bereits von der Leistungsfähigkeit des neuen Schiffshebewerkes überzeugen: Es ist 54,55 Meter hoch, 46,40 Meter breit und hat eine Länge von 133,00 Metern. Der höhenverstellbare Trog wird mit einer Nutzbreite von 12,50 Metern und einer Nutzlänge von 115,00 Metern angegeben, wobei der Behälter eine Tiefe von 4,00 Metern hat. Damit wird am Ende ein Gewicht von 9.800 Tonnen (!) gehoben. Ab 2025 - so die gegenwärtige Planung - soll das neu Schiffshebewerk seinen Vorgänger ersetzen.

Beeindruckende Technik der Hebeleistung von 9.800 Tonnen (!)

Damit dürften beide Schiffshebewerke auch zukünftig Technikfreunde anlocken. Das alte Schiffshebewerk gilt zudem als Industriedenkmal nach der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten und Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland.


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