28 Oktober 2020

Stralsunder Frieden & vom Krieg heimgesuchtes Guernica

Spanische Briefmarke mit dem Bildmotiv "Guernica" von Pablo Picasso (1881-1973)

Stralsund (PA). Am vergangenen Montag, den 26. Oktober 2020, hatte der Kunstverein Stralsund gemeinsam mit dem Kulturamt Stralsund zu einer Besprechung von Pablo Picassos Gemälde "Guernica" eingeladen. Mit der Veranstaltung würdigte der Verein auf ungewöhnliche Weise den "Frieden von Stralsund", der sich in diesem Jahr zum 650. Male jährte.

Wie am 24. Mai 1370 ging auch den nachfolgenden Ereignissen dem Frieden ein Krieg voran. Bei dem bekannten Picasso-Bild drückt sich die tiefe Verzweiflung in kubistischen Formen aus, die ihren Auslöser im April 1937 mit den Zerstörungen der baskischen Stadt Guernica (Gernika) durch die deutsche Legion Condor fanden. Heute verbindet sich mit dem Bild, das am 12. Juli 1937 auf der Pariser Weltausstellung gezeigt wurde, für den Betrachter nicht nur eine Sicht auf Krieg und Gewalt. Für Pablo Picasso war das Werk jedoch ein Mittel der künstlerischen Reflektion selbiger. Seine Motivation erklärte er im Jahr der Entstehung so:

„Es ist mein Wunsch, Sie daran zu erinnern, dass ich stets davon überzeugt war und noch immer davon überzeugt bin, dass ein Künstler, der mit geistigen Werten lebt und umgeht, angesichts eines Konflikts, in dem die höchsten Werte der Humanität und Zivilisation auf dem Spiel stehen, sich nicht gleichgültig verhalten kann.“

Doch zurück zur pommerschen Hansestadt am Sund: Der an der Berliner Hochschule der Künste ausgebildete Referent Klaus Wegmann führte gut 40  Teilnehmer im Löwenschen Saal des Alten Rathaus tief in die Werkgeschichte ein. Ungewöhnlich detailliert schilderte er die diversen Entwicklungsstufen mit einer Reihe bislang selten gezeigter Fotografien aus dem Atelier von Picasso und erläuterte damit, wie der Künstler Zug um Zug zu einer so einnehmenden Interpretation kam: Im Mittelpunkt ein sich im Schmerz aufbäumendes Pferd, dessen Kopf sich zunächst unten und dann oben befindet; ein den Künstler repräsentierender Stier, der immer deutlicher Bezug zum Geschehen nimmt; ein Soldat, der am Boden liegend anfangs noch kraftvoll die Faust reckte und in der endgültigen Bildversion vollständig besiegt ist. 

Für die Möglichkeit einer künstlerischen Verbindung zwischen dem "Frieden von Stralsund" und dem vom Krieg heimgesuchten Guernica dankte der Vereinsvorsitzende Rüdiger Lösekrug der Hansestadt Stralsund für ihre Unterstützung.
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