09 November 2020

Leipzig: „Für Frieden, Freiheit & Demokratie!“

Demonstrationszug mit Kerzen auf dem Ring

Ein Bericht von Norbert Dahms

Pünktlich gegen 13 Uhr wurde die genehmigte Veranstaltung auf dem Augustusplatz in Leipzig durch die Veranstalter eröffnet. Sowohl der Augustusplatz als auch die anliegenden Straßen insbesondere Georgiring und Roßplatz waren mit Menschen gut gefüllt. Einem wichtigem Ritual folgend wurde, nach dem Verlesen der Hygieneauflagen und der Benennung des Veranstaltungsraumes, von den Querdenkern klargestellt: „Wir sind eine friedliche Bewegung und distanzieren uns von jeglicher Gewalt. Wir lehnen jegliche Form des Rassismus und Extremismus ab.“ Dazu legten alle Teilnehmenden die rechte Hand auf ihr Herz und meditierten für einige Minuten. Mehrmals baten die Veranstalter, die teilnehmenden Bürger darum, die Abstände einzuhalten und verwiesen sie in andere von der Polizei geöffnete Straßen. Den Aufforderungen folgend zogen einige hundert Menschen in andere Straßenzüge um.
Ein Herz für die Demokratie

Das Veranstaltungsprogramm war recht vielseitig. Es sprachen Schüler, der Fußballweltmeister Thomas Berthold, der Kabarettist Uwe Steimle imitierte Erich Honecker und auch der Pfarrer Christoph Wonneberger, der von 1986 bis Ende Oktober 1989 die montäglichen „Friedensgebete“ in der Leipziger Nikolaikirche koordinierte, wandte sich an die Menge. Zwischenzeitlich immer wieder musikalische Einlagen. Um 15:35 Uhr wurde die Veranstaltung plötzlich von der Polizei für beendet erklärt, wegen Nichteinhaltung von Hygieneauflagen. Dies wurde von den vielen anwesenden Menschen mit „Wir bleiben hier“ Rufen quittiert. Der Rechtsanwalt Markus Haintz, welcher als Mandatsvertreter der Querdenker die Veranstalter rechtlich vertrat, riet diesen die Bühne zu verlassen und keine weiteren Ansagen mehr zu machen. 

Einiges war diesmal anders: Die vielen anwesenden Menschen hatten kaum Plakate oder Spruchbänder dabei. Auch Fahnen waren in einem recht geringen Umfang zu sehen. Ein Mann mittleren Alters trug ein grünes Schildchen um den Hals: „Neues Forum“. Auf die Frage, ob es eine Neugründung des Neuen Forums gäbe antwortete dieser: „Es ist mein originales Schildchen von damals. Ich trage es jetzt wieder...“ 

„Es ist mein originales Schildchen von damals. Ich trage es jetzt wieder.“ 

Dieses Mal gingen die Leute nicht nach Hause. Diesmal formierte sich langsam, fast lautlos ein breiter, friedlicher Protestzug ausgehend vom Augustusplatz auf die Straße Georgiring. Zuerst in südliche Richtung zum Roßplatz. Dieser Protestzug kam ins Stocken. Vom Augustusplatz strömten weitere Menschen nach. Weiter und immer weiter. Viele, viele Menschen. Sie bahnten sich als Umzug langsam den Weg in nördliche Richtung zum Willy-Brandt-Platz, Nähe Hauptbahnhof. 

Es war das erste Mal, dass auf einer Großveranstaltung nach dem Abbruch durch die Polizei sich ein friedlicher Protestzug formierte. Die Rufe im Chor: „Frieden, Freiheit, Demokratie!“ erklangen. Vor dem Willy-Brandt-Platz hatte die Polizei den Zug wiederum gestoppt. Die strömenden Massen rückten langsam nach. „Straße frei, Straße frei“ war zu hören. Augenscheinlich fuhren einige Polizeiwagen langsam zurück. Es machte den Eindruck, dass den Forderungen der Menschen nachgegeben werden sollte. Plötzlich erscheinen an der Spitze des Demonstrationsumzugs schwarzgekleidete, vollvermummte junge Männer. Sie zündeten einige Böller und Raketen und warfen diese in Richtung der Polizei. Die Massen des Protestzuges waren empört und riefen: „Keine Gewalt, keine Gewalt!“ 

Unkommentierter Mitschnitt aus Leipzig

Für einen Augenblick schien die Lage sehr unklar, was nun passieren würde. Dem umsichtigen Handeln der Polizei ist es zu verdanken, dass sie die Lage deeskalierten, indem sie die Störer entfernten. Das nahm einige Zeit in Anspruch. Während dieser Zeit wurden die Menschen ungeduldig.

Andere strömten langsam durch die anliegende Parkanlage Oberer Park in Richtung Willy-Brandt-Platz. Hier konnten die Protestler sehen, wie berittene Polizei einige schwarzgekleidete und vermummte Männer eingekreist hatte. Diese Männer gehörten nicht zu den Demonstranten. 

Ein Teil des Protestumzuges ging gegen 18:00 Uhr langsam und von der Polizei unbeachtet auf dem Willy-Brandt-Platz dem Inneren Ring folgend, in östliche Richtung. Plötzlich gab es eine Ansage, dass die Polizei dem Hauptumzug nachgegeben hat. Nur eine Minute später kam die Bestätigung, dass die Information richtig ist. Die Menschen blieben stehen und warteten auf den Hauptstrom. Aus Richtung Hauptbahnhof kamen langsam 2 Polizeiwagen mit Blaulicht, die den Demonstrationsumzug nun anführten, gefolgt von tausenden friedlichen Menschen mit Kerzen, mit Trommeln und Musik. 

Die Polizei hat den friedlichen und gewaltfreien Umzug entlang des Inneren Ringes und später dann durch die Innenstadt, vorbei an der Nikolaikirche, dem Marktplatz zurück zum Augustusplatz begleitet und geschützt.


Die Polizei begleitete und schützte den friedlichen und gewaltfreien Umzug


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