11 November 2020

Mehr Naturschutz im Nationalpark notwendig


Saßnitz (PA). Die Initiative "Rügen - Rette Deine Insel!" hält die gegenwärtige Entwicklung des Nationalparks Jasmund für besorgniserregend. Wie sie in einer Pressemitteilung zur Kenntnis gibt, vermisse sie den Naturschutzgedanken, der einst vor 30 Jahren zur Gründung der ersten Nationalparks führte.

Hatte die Initiative in den letzten Jahren schon mehrfach ihr Befremden über Baumfällungen von hunderten Bäumen im Schutzgebiet ausgedrückt, so zeige sich ausgerechnet im Jubiläumsjahr, dass es an dem notwendigen Willen zur Weiterentwicklung des Nationalparkgedankens fehle. Stattdessen beschränke man sich derzeit offensichtlich auf die Verwaltung der Gegenwart. 

Beispiele dafür, gebe bereits die Nationalparkverordnung, die einer dringenden Überarbeitung bedürfe. Das dies angezeigt ist, erleben viele Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung tagtäglich selbst, wenn sie und die Gäste - bedingt durch die technischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte im Bereich der Telekommunikation - gegen die Verordnung verstießen. Die untersage eindeutig die Nutzung von Mobilfunktelefonen. Für die Nationalparkverwaltung gäbe es bei diesem Beispiel zwei Möglichkeiten: Entweder müsse man das Verbot durchsetzen oder die Verordnung ändern. Das Wegsehen, obgleich Handlungsbedarf bestehe, sei jedoch keine Lösung.

Auch machte die Initiative mit Blick auf die Anfangsjahre des Nationalparks deutlich, dass es im Bereich der Gästelenkung zu einem Stillstand statt zu einer Weiterentwicklung gekommen sei. Habe man zunächst erfolgreich das Verkehrsaufkommen bei der Zufahrt zum Königsstuhl reduziert, so sei es nun zur Dauerlösung geworden, dass die Touristenströme durch den Nationalpark steuern. Lösungsvorschläge gäbe es auch hier seit Jahren, ohne dass sie von der Verwaltung aufgegriffen würden. So haben Mitglieder von "Rügen-Rette Deine Insel!" vorgeschlagen, den Durchgangsverkehr auf der Landesstraße "L 303" auf Fahrzeuge von Rüganern zu beschränken. Touristen könnten die Parkplätze in Saßnitz und Hagen und einen Zubringer zum Königstuhl nutzen. Dies würde zudem auch die Verweildauer in den Orten erhöhen und einen Mehrwert schaffen.

Auch bei den Zubringern gibt es seit Jahren entsprechende Lösungsvorschläge zu berechtigten Kritikpunkten der Bürger. Unverständlich sei beispielsweise, dass weiterhin Diesel-Busse der landkreiseigenen Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen mbH durch den Nationalpark Jasmund fahren und für eine konstante Schadstoffbelastung sorgen. Warum nicht ein Zubringer mit Elektro-Antrieb möglich sei, erschließe sich den Jasmundern bis heute nicht. Zumal: Verfüge die Insel Rügen nicht sogar über einen Elektro-Mobil-Hersteller, der neben elektrischen Wegebahnen auch Elektro-Busse und Elektro-Nutzfahrzeuge herstelle? Letztere könnten, bei ehrlich gemeintem Umweltschutz längst den Mitarbeitern der Nationalparkverwaltung eine Hilfe sein - wenn sie denn gewollt wären. Für die Besucherlenkung gäbe es zudem seit Jahren einen Vorschlag zur Betreibung einer Seilbahn.

Kritisch wird von der Initiative "Rügen-Rette Deine Insel!" aber auch die Ausschilderung der Wege und der topografischen Punkte gesehen. Eine Begehung des Nationalparks in diesem Jahr habe gezeigt, dass weder alte Wegweiser instand gehalten werden, sie nicht den richtigen Weg wiesen oder gar nicht erst zu finden seien. Hier sei es notwendig, dass auch eine entsprechende Zusammenarbeit zwischen Nationalparkverwaltung und Landkreis Vorpommern-Rügen zustande kämen. Deswegen sei es auch nicht verwunderlich, wenn sich Besucher des Nationalparks verirren würden.

Erschreckend seien auch die massiven Eingriffe in das Entwässerungssystem der Stubnitz. Es sei durchaus nachvollziehbar, dass die Nationalparkverwaltung damit den Ansatz verfolge, Wiesen zu vernässen. Jedoch sei oftmals völlig unklar, mit welchem Ergebnis dies erfolgen solle. In diesem Zusammenhang erwähnt die Initiative beispielhaft die Vernässung der Achterwiese. Inwieweit nun der Baugrund des sogenannten "Königsweges" betroffen sei, kann derzeit niemand sagen. Mahnend wird dabei auch auf die Vernässung anderer Wiesen im Bereich der Stubnitz verwiesen, die einst die Hangrutschungen bei Lohme auslösten. Ein Rutschen der Kreideformation am Königstuhl im oder nach den Baumaßnahmen, die bis zu 60 Meter tiefe Gründungen vorsehen, oder weitere Rutschungen in Siedlungsbereichen seien von niemandem verantwortbar.

Abschließend übte die Initiative auch an den Verträgen zum Nationalpark-Zentrum Königsstuhl Kritik. Es ist schlichtweg nicht vermittelbar, wenn durch das Land Mecklenburg-Vorpommern die Anteilsmehrheit des World Wide Fund For Nature (WWF), einer privaten Stiftung an der betreibenden gemeinnützigen GmbH festgeschrieben worden sei. Hier wäre ggf. zu prüfen, wie und durch wen diese Vorgabe ausgelöst wurde und wie diese gegenwärtige Festschreibung im Sinne der Allgemeinheit zu heilen wäre. Möglich wäre u.a. die Zulassung eines Anteils des Landkreises Vorpommern-Rügen und die Festschreibung einer Mehrheit aus öffentlich-rechtlichen Trägern, um die Interessen der Bürger auch als Steuermittelgeber vieler Entwicklungen entsprechend zu wahren.
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