29 November 2020

Mein Sonntag in Saßnitz

Alle 30 Sekunden rollt ein LKW über die Zuwegung zum "Saßnitzer Bermudadreieck"

Liebe Saßnitzer,
täglich fahren viele von uns durch Mukran, wo immer wieder wunderliche Dinge passieren. Nicht erst seit heute, sondern schon seit langer Zeit: Hier verloren Menschen hier Eigentum (nicht nur in "dunklen Zeiten" sondern auch in unserer Gegenwart). Und auch Treppen und Fußwege verschwanden plötzlich. Doch das "Saßnitzer Bermudadreieck" hat noch weitere Überraschungen für deren Anwohner parat...
Kaum zu glauben: Ein Plan zu den geplanten "Ausgleichmaßnahmen" - Das Ziel?  Ein "Schlangenparadies" im Wohngebiet

Plötzlich verschwindet auch kubikmeterweise Beton. Zugegeben, nicht so, wie wir es erahnen würden. Aber der Reihe nach: Gegenüber von der Bäckerei Peters sollen "Ausgleichsmaßnahmen" für Bauvorhaben im Hafen Mukran stattfinden. Die Idee ist simpel: Wer (beispielsweise durch Baumaßnahmen) Eingriffe in die Natur verursacht, soll ein Stückchen Natur wieder zurückgeben - also den Verlust an Natur "ausgleichen". Eigentlich eine richtig gute Sache! 

Durchlöcherter Beton und Teerfugen "verschwinden" bei dieser "Ausgleichmaßnahme" einfach durch Überdeckung

Aber irgendwie hat man das in Saßnitz (oder besser gesagt in Mukran) falsch verstanden. Die "Ausgleichsmaßnahme" gegenüber der Bäckerei Peters sieht nicht etwa das Aufnahmen der Betonplatten vor (Eine Kostenfrage? Es sind tausende Quadratmeter, die mit Teerfuge ausgeführt wurden) mit denen einst Ackerland versiegelt wurde, um u.a. Bussen zum Wenden zu dienen, sondern diese wurden mittels schwerer Technik durchlöchert wie ein "Schweizer Käse". Die Erschütterungen (das soll hier auch nicht unerwähnt bleiben) haben nicht nur Anwohnern jede Menge Lärm und Erschütterungen gebracht, sondern auch den einen oder anderen Riss durch "Omas gutes Porzellan" und das eigene Heim getrieben. (So werden Werte vernichtet! - aber: Weder ein Ruf nach der Polizei für eine Anzeige noch der Ruf nach dem Ordnungsamt der Stadt Saßnitz sollen erfolgreich gewesen sein) Im Anschluss wurde damit begonnen Erde auf die durchlöcherte Betonfläche mit ihren Teerfugen zu fahren. Einer der Anlieger staunte dabei nicht schlecht, denn sein Tor, über das er sonst sein Grundstück verließ, konnte er nun nicht mehr benutzen. Heute türmt sich hier bereits ein gewaltiger "Mont Klamott", dessen Ende längst nicht mehr auszumachen ist. 
Wo kommt der Boden her? Anwohner halten ihn für belastet

Natürlich! "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten." Aber eine "Mukraner Schanze" kann auch keiner gebrauchen. Weder zur Abwehr der Russen (die wollen ja nur ihr Gas verkaufen) noch zur Abwehr der Sachsen (die wollen ja nur bei uns Urlaub machen)! Doch was soll das dann alles? Fragt man die Mukraner, erhält man zur Antwort, dass sie von der Stadt Saßnitz darüber informiert wurden, dass ausgerechnet hier ein "Schlangenparadies" entstehen soll. Originalkommentar aus Mukran: "Die kriegen selbst den Tierpark nicht auf die Reihe und setzen uns hier Schlangengruben mitten in den Ort." Was wie ein Schildbürgerstreich anmutet, ist jedoch ernst gemeint. Und das, obgleich die Ausgangssituation so aussieht: An der östlichen Seite der umstrittenen Fläche für das "Schlangenparadies" ist ein Wohngrundstück, an der südlichen Seite ein Erholungsgebiet mit "Laubenpiepern" und an der nordwestlichen Seite ein weiteres Wohngrundstück. Wiederspruch? Zwecklos! 

So rollen nun die Lastkraftwagen alle 30 Sekunden heran, um ihre Last abzukippen. Ein Petroleumgeruch liegt in der Luft. Ob der von den Abgasen oder dem herangekarrten Boden kommt, lässt sich nur schwer sagen. Wie wir von einer Spaziergängerin auf der erdverschmutzen Straße hörten, die den verschwunden Fußgängerweg und die damit verbundene Sicherheit für die Mukraner und ihre Gäste vermisst, kommt der Boden von der anderen Seite der Landesstraße "L29", wo früher mal eine "Tanke" stand. "Naja, sie wissen ja, wie das damals mit dem Umweltschutz war..." Die Umschreibung lässt viel Platz zur Interpretation. Die Sorgen sind jedoch unmissverständlich: "Wenn dieser Boden jetzt dort (sie zeigt auf die Fläche das eigentlich "Schlangenparadies" werden soll) aufgeschüttet wird und Niederschlagswasser durch die Löcher der Betonplatten ins Grundwasser sickert..." - Ihr Kommentar: "Das sollte mal vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt untersucht werden."

Welcher Politiker möchte auch mal so einen "Mont Klamott" vor die Auffahrt gesetzt bekommen?

Andere haben da so ihre Zweifel. Ihre Ohnmacht speist sich aus dem Wissen, wer der Eigentümer des Hafens ist: Die Stadt Saßnitz und das Land Mecklenburg-Vorpommern. Und: Die Verantwortlichen sind weit weg vom Geschehen. Was würden sie wohl sagen, wenn sie von den Bürgern große Haufen vor ihre Ausfahrt gekippt bekommen oder diese täglich eine Geräuschkulisse von 80 bis 100 dB (führt lt. Arbeitsschutz zu Hörschäden) auf sie wirken lassen? 

Aufgeschreckt sein sollten nun also nicht nur die Minister in Schwerin sondern auch der Saßnitzer Bürgermeister und die Stadtvertreter unserer Heimatstadt. In Mukran herrscht schon länger Unmut, doch bekanntlich hat alles seine Grenzen. Das wussten schon die Römer, wenn sie an Asterix und Obelix dachten. Wie heißt es doch im "Alten Testament"?

"Denn sie säen Wind und werden Sturm ernten"

In diesem Sinne
Euch einen schönen Sonntag
Euer Fiete
https://www.inselreport.de/2019/04/die-hochsten-pommerschen-leuchtturme.html   https://www.inselreport.de/2019/04/die-groten-pommerschen-inseln.html   https://www.inselreport.de/2019/11/die-erfolgreichsten-pommerschen-musiker.html https://www.inselreport.de/2017/10/enders-welt.html   https://www.inselreport.de/2017/10/mythos-stortebeker-2-die-rugenfestspiele.html   https://www.inselreport.de/2018/08/uber-ulrich-muther-seine-mitstreiter.html
https://www.inselreport.de/2019/12/schloss-putbus-zum-wiederaufbau.html   https://www.inselreport.de/2019/10/nord-stream-2-wettlauf-mit-der-zeit.html   https://www.inselreport.de/2018/07/ein-besuch-der-hydrierwerke-politz.html