02 Dezember 2020

Bankkunden auf die Barrikaden?

Der Unmut wächst! - Nicht nur bei Kunden der Volksbank, auch bei denen der Sparkasse.
Doch Adressat des Unmuts wäre eigentlich der größte Gesellschafter: Der Landkreis Vorpommern-Rügen

Rügen (PA). Erst der Minus-Zins, nun die "Corona-Krise": Die Banken sind in einer Krise. Seit Jahren werden die Maschen des Filialnetzes immer größer. Ob Privatbank, Volks- und Raiffeisen-Bank oder Sparkasse: Fast täglich machen Meldungen zu Filialschließungen die Runde. Erst vor Stunden wurde so beispielsweise mitgeteilt, dass die Deutsche Bank 100 Filialen ihrer Postbank schließt. Die 1989 gegründete Bank, war vom größten Kreditinstitut Deutschlands erst zwischen 2009 und 2015 schrittweise übernommen worden.

Auch im Landkreis Vorpommern-Rügen wird das Filialnetz der Banken und damit der Kundenservice immer kleiner. So gab es beispielsweise im Juni 2020 die Ankündigung, die Filiale Tribsees der Pommerschen Volksbank zu schließen. Dagegen machte die Freie Wählergemeinschaft "Wir für Tribsees" mobil, denn: In dem Abbau der Automaten zur Geldabhebungen, Überweisungen oder zum Druck des Kontoauszuges sahen die Bürger einen schweren Einschnitt in der Grundversorgung. Besonders Betroffene sind oftmals ältere Bürger.

Auch in Putbus auf der Insel Rügen machen sich die Bürger in Bezug auf den Kundenservice der Pommerschen Volksbank Luft. An der Tür zur Filiale befestigte nun ein Bürger seinen Protest, der sich an seine Hausbank in klaren und unmissverständlichen Worten richtet:

"Liebe Bankenmitarbeiter!

Da die Öffnungszeiten der Filiale (z. Zt. einmal wöchentlich) nicht sehr kundenfreundlich sind, möchte ich bitten, dafür zu sorgen, daß entsprechende Fordrucke (sprich Überweisungstäger usw.) zur Selbstbedienung vorhanden sind. Nicht alle Ihrer Kunden betreiben Online-Banking!

Ich hoffe, auch im Namen vieler Kunden zu sprechen.

Danke!
Ein langjähriger Kunde"

Ein weiterer Kunde der Bank hatte erst kürzlich das Problem, dass er eine größere Bargeldsumme  selbst in Bergen nicht einzahlen konnte - obgleich ausreichend Mitarbeiter in der Filiale zugegen waren. Da er seine Chipkarte nicht dabei hatte, blieb ihm nur der Weg nach Samtens, weil dort gerade ein "Kassentag" war. Der Unmut bezieht sich allerdings nicht nur auf die Pommersche Volksbank. Auch der Verlust der Sparkasse im Rügener Ring von Saßnitz hatte für einige Verärgerung gesorgt. Auch hier ging es um die immer weitere Konzentration von Filialen, die vor allem für ältere Bürger auch angesichts des öffentlichen Nahverkehrs immer schlechter erreichbar sind.

So wurde erst im November 2020 gemeldet, dass die Sparkasse Vorpommern acht Service-Filialen aufgegeben werde. Sie sollen zukünftig statt vom Personal betreut zu werden nun nur noch mit Geldautomaten und Kontoauszugdruckern ausgestattet sein. Auf dem pommerschen Festland wird von diesem Service-Abbau u.a. Damgarten, Richtenberg und Heringsdorf betroffen sein, ab 2021 auch die Hansestadt Stralsund. Auf der Insel Rügen sollen die Sparkassen-Mitarbeiter im kommenden Jahr auch aus der Noch-Service-Filiale Sagard in der August-Bebel-Straße 34 abgezogen werden. Begründet wird dies mit dem Kundenverhalten. Wie die Sparkasse Vorpommern dazu mitteilt, soll bereits jeder zweite Kunde für Online-Banking freigeschaltet sein. Doch was macht die andere Hälfte der Sparkassen-Kunden? - Eine Frage, die sich derzeit auch auch die "Bürger für Vorpommern-Rügen" (BVR) stellen. Der Chef der Kreistagsfraktion von BVR und Freien Wählern, Matthias Löttge, sieht - wie die Freie Wählergemeinschaft "Wir für Tribsees" - die Grundversorgung gefährdet. Und er sieht den Landkreis Vorpommern-Rügen in der Pflicht. 

Eine Erklärung dafür gibt die Eigentümer-Struktur der Sparkasse Vorpommern-Rügen. Denn im Gegensatz zu Privatbanken oder Genossenschaftsbanken befindet ich die zweitgrößte Sparkasse des Landes über einen Zweckverband im Mehrheitsbesitz der beiden pommerschen Landkreise Vorpommern-Rügen (47.6% Unternehmensanteil) und Vorpommern-Greifswald (26,2%). Neben ihnen sind noch die beiden pommerschen Hansestädte Stralsund mit 8,7% und Greifswald 17,5% daran beteiligt. Damit gehört die Sparkasse Vorpommern den Steuerzahlern. Lt. Sparkassenrangliste rangiert sie mit einer Bilanzsumme von 4,334 Mrd. EUR im Jahre 2019 deutschlandweit auf Platz 87. 
https://www.inselreport.de/2019/04/die-hochsten-pommerschen-leuchtturme.html   https://www.inselreport.de/2019/04/die-groten-pommerschen-inseln.html   https://www.inselreport.de/2019/11/die-erfolgreichsten-pommerschen-musiker.html https://www.inselreport.de/2017/10/enders-welt.html   https://www.inselreport.de/2017/10/mythos-stortebeker-2-die-rugenfestspiele.html   https://www.inselreport.de/2018/08/uber-ulrich-muther-seine-mitstreiter.html
https://www.inselreport.de/2019/12/schloss-putbus-zum-wiederaufbau.html   https://www.inselreport.de/2019/10/nord-stream-2-wettlauf-mit-der-zeit.html   https://www.inselreport.de/2018/07/ein-besuch-der-hydrierwerke-politz.html