18 Dezember 2020

Hommage an meine Lehrer


Ein Beitrag von Dr. Thomas Sarnes

Am ersten Dezember jährt sich zum ersten Mal mein Eintritt in den Ruhestand. 40 Jahre als Chirurg am Krankenbett, am OP-Tisch und gern gesehener Gast, so hoffe ich, auf der Intensivstation und den anderen Fachabteilungen. Fast ein Jahr in Vietnam mit vorheriger infektiologischer und tropenmedizinischer Ausbildung, Notarzt zur Straße und in der Luft. Ein reiches Berufsleben, wie ich meine. Erfolgreich, begeistert und getragen von allen Tugenden des Arztes vom ersten bis zum letzten Tag. Studiert in Berlin und Dresden mit allen Emotionen, die ein Student zur damaligen Zeit erleben durfte. 

Wir haben unsere Hochschullehrer verehrt, ja fast vergöttert. Wer es als Arzt und Wissenschaftler verdient hatte, den haben wir zu Beginn der Vorlesung schon mit stehender Ovation begrüßt, und wer es nicht verdient hatte, der war im Hörsaal nach wenigen Minuten allein. Meinen Hochschullehrern und meinen chirurgischen Lehrern danke ich mit diesen Zeilen voller Verehrung. Wir wurden nicht nur ausgebildet, wir wurden erzogen zu Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, zur wissenschaftlichen Wahrheit, zu Respekt, zur Ehrfurcht vor dem Leben im Sinne von Albert Schweizer und zur Selbstaufopferung für den Kranken.

Ich wollte mich ausruhen, nach diesen 40 Jahren ab dem 1. Dezember 2019 von einer ehrlichen und wahrhaftigen Mühsal. Ich wollte mich wiederfinden und mich denen zuwenden, die ich so viele Jahre in die 2. Reihe, hinter die Kranken gestellt habe. Und dann das. Wir haben es gelernt, schon beim Studium, Studien zu verstehen. Wir haben gelernt, dass die ärztliche Kunst getragen ist von Liebe, Ehrfurcht, Verstand, Geschicklichkeit und einem umfassenden Wissen. Zu diesem Wissen gehören auch die elementaren Definitionen. Wir haben gelernt, vor dem Regime keine Angst zu haben. Ich bin in der DDR aufgewachsen und gebildet worden. Und genau deshalb habe ich auch jetzt keine Angst. 

Es liegt mir fern, alles in diesem Jahr Geschehene nochmals erneut zu zerpflücken. Es ist bekannt. Wir haben es mit einem Krankheitserreger der Familie der Coronaviren zu tun, von dem behauptet wird, es sei ein neues Virus. Wir haben es mit einer WHO-Prognose zu tun gehabt, die Schock ausgelöst hatte. Eine Todesfallrate von 3,4% wurde befürchtet. Das löste die ersten heftigen Reaktionen im März aus. Rückwirkende Betrachtungen und Kritik will ich nicht anstellen, das wäre zu einfach. 

Ich sage, die erste Reaktion war mit Blick ins Ungewisse richtig. Die Reaktion war in den Folgen verheerend und dennoch werde ich keine Diskussion führen, ob eine Woche weniger auch gereicht hätte. Das wäre nicht fair. Was mich aber sehr stutzig gemacht hatte war, dass einer der ersten „Verkünder“ und „Durchgreifer“ Herr Wirtschaftsminister Altmeier war. Bei Anne Will übrigens hatte er gemeint, wir müssen Leben retten und um jedes einzelne Leben kämpfen. Und Herr Kollege Drosten hatte sich nach einigen 180° Wenden sinngemäß geäußert, dass man nur ihm glauben solle. Er sei der Experte und wenn uns jemand etwas anderes erzählen wolle und behauptete er sei Arzt, glauben sie ihm nicht. Als dann vom Chef des RKI die öffentliche Ansprache sinngemäß kam, nichts zu hinterfragen, nicht zu zweifeln, sondern einfach nur zu machen, was man uns sage stand fest: Vorsicht! Hier müssen wir genau hinschauen, hier läuft irgendwas aus dem Ruder. 

Nun ist es ja mit Viren immer ein Problem, wenn sie neu sind. SARS-COV-2 kann schwer krank machen, und man kann auch bei dieser Erkrankung sein Leben lassen. Wie aber ist der wirkliche Zusammenhang zwischen der Infektion und dem Tod? Warum wollte das RKI nicht, dass wir das tun, was sich aus der ärztlichen Kultur und der ärztlichen Sorgfalt geboten hätte, die Toten zu untersuchen. Nicht mit einem PCR- Abstrich, sondern mit einer Obduktion. Es wurde dennoch getan und in Hamburg kamen die ersten Ergebnisse. Nun war zumindest in Fachkreisen eigentlich einiges klar, die Ergebnisse von Herrn Kollegen Prof. Dr. Püschel wurden in der Schweiz und in Österreich bestätigt. Ja, aber noch immer war nicht klar, was denn nun das Neue war. 

Längst war die Politik in die vordere Front getreten. Getragen von der Einseitigkeit der medialen Berichterstattung wurde, sehr systematisch und ebenso gezielt wie geschickt, Angst geschürt. Der Erfolg war frappierend. Die Menschen wurden hinter Masken gezwängt, das einzige medizinische Instrument war ein Testverfahren (PCR-Test) das für die Diagnostik von Infektionen beim Menschen nicht zugelassen ist. Darüber muss man sich gar nicht streiten, das steht auf der Verpackung. Ich will damit nicht zu viel Zeit verlieren, das ist eigentlich inzwischen nicht nur in Deutschland bekannt. Klar, nicht in den Medien verbreitet. Aber, und das sage ich in aller Deutlichkeit, das wissen auch die Verantwortlichen in der Politik. Das ist kein Außenseiterwissen. Wer nicht in einer „Echobox“ sitzt und nur das hört, was er selber sagt, weiß das! 

Es wurde aber behauptet, es gäbe Kranke, also Infizierte, die keine Beschwerden hätten, selbst nichts von ihrer Erkrankung spüren oder wüssten, dennoch aber andere anstecken und so in Lebensgefahr bringen könnten. Dazu als Arzt meine feste Überzeugung aus Wissen und langer Erfahrung bestehend, das gibt es nicht. Hier ist auch nicht der Virologe gefragt. Diese Themen bearbeiten die Wissenschaftler auf dem Gebiet der Infektionsbiologie. Dazu gibt es auf höchster wissenschaftlicher Ebene klare Positionen. Man hätte den Sommer nutzen können, hier zur Vernunft zu kommen, alle inneren und äußeren Verstrickungen zu lösen und zur Normalität zurück zu finden. Zu diesem Zeitpunkt hätten die Menschen in diesem Land ohne Frage den Politikern verziehen. Es wurde ja immer vorgetragen, dass Wissenschaftler irren dürfen und durch diese Irrtümer der Fortschritt entstünde. Das ist richtig, aber ich bitte sie, irren sie sich bitte in den Laboren, oder auf ihren Kongressen und tragen sie diese Irrtümer nicht öffentlich aus. 

Die Politik ist nicht in der Lage, das zu begreifen. Sie verstehen die einfachsten Begriffe nicht. Dieses ganze Hin und Her zwischen Bund, Ländern und Kommunen dient nur der Verschiebung, um nicht zu sagen Abschiebung, von Verantwortung. Und dann das Gerede von der 2 Welle. Jeder Weiterbildungsassistent in einem kleinen Regionalkrankenhaus hätte den Anstieg der Infektionen im Herbst und Winter vorausgesagt. Das ist schon immer so und ich persönlich habe es nun 40ig mal als Arzt erlebt. Mundschutz, Abstand, Lockdown, Schuleinschränkungen, noch nie hat so etwas geholfen. 

Der Verstand der Menschen, ihr Instinkt zum Überleben ist in Millionen von Jahren gewachsen und hat die Menschheit geschützt. Das Immunsystem, ist eine der heiligsten Funktionen in unserem Körper. Jeder von uns hat mehr Mikroorganismen auf und im Körper, als Menschen auf dieser Erde leben. Die mechanische Barriere der Oberfläche, Haut, Schleimhaut, Magensäure und Tränenflüssigkeit bilden die Grenze zwischen dem „Ich“ und dem Kosmos. Und das funktioniert verdammt gut. Und diese Barriere hält unter Umständen nicht stand, wenn wir geschwächt sind, alt, gebrechlich und krank. Das erledigt man aber nicht mit Besuchsverbot und Masken, das erledigt man mit anständigen Renten, mit guten profilierten Heimen, mit angemessener Ernährung, mit vernünftiger Lichttherapie und mit einer medizinischen Versorgung auf der Basis moderner Krankenhäuser aber auch gut bezahlter Pflege ambulant uns stationär. Ob diesen Pflegerinnen und Pflegern aus dem Bundestag in einer Rede gedankt wird oder wir vom Balkon herunterklatschen, dass hilft denen nicht weiter. Wie soll das weitergehen?

Wir müssen Politik nicht ins Boot holen. Die Pressekonferenz am 13.12.20 hat hier ganz klar das Problem aufgedeckt. Es besteht eine nahezu absurde Fehleinschätzung der Situation. Herr Ministerpräsident Söder stellt fest: „Corona ist die größte Katastrophe der letzten 50 Jahre…“, „…alle 3 Minuten stirbt ein Mensch an Corona…“, „…Corona wird wohl in diesem Jahr die 3.häufigste Todesursache in Deutschland werden…“ und „…wenn wir nicht aufpassen wird Deutschland das Sorgenkind in Europa.“ Da frage ich mich wirklich, was sich solche Leute erlauben. Ich bitte sie! Sie haben es mit einem gebildeten Volk zu tun. Bis zum heutigen Tage sind wir nicht bereit dazu, die Frage der s.gen. „Coronatoten“ zu klären. Die Definition einer Todesursache „gestorben an oder mit ….“ gibt es in der Medizin nicht. Das wäre leicht zu klären aber das gäbe ein böses Erwachen. Davor fürchten sich viele Entscheidungsträger. Deshalb besprechen sie das nicht. Aber, das ist die einfache, fast primitive Ebene, auf der das alles aufbaut. 

Da erklären in den inzwischen unerträglichen Talkshows die Politiker den Schauspielern, wie das mit Corona ist und hin und her. Kein vernünftiger Gesprächspartner, keine ungestörte Kontroverse, das wagt keiner. Das „Vergeben“ der Bürger ist verspielt, der Schaden zu groß. Sie merken, dass es kritisch wird. Das spüren wir am Umgang mit anderen, sehr oft richtigen Meinungen. Hier wirken zunehmend Ärzte in die vernünftige Richtung. Aber, die WHO hat die Situation neu bewertet und in ihrem Bulletin veröffentlicht. Die durchschnittliche Corona-Todesrate liegt nicht wie anfangs befürchtet bei 3,14%, sondern bei weniger als 0,2 %, konkret 0,14%. So die Wissenschaftler, die auch ausführliche Antikörperstudien gemacht und international ausgewertet haben. Und interessanterweise hat Prof. Dr. John Ioannides von der Stanford University School of Medicine, der diese Auswertungen der WHO vorgelegt hat, politische Maßnahmen, die nicht auf belastbaren empirischen Daten beruhen, kritisiert.

Er bestätigt aber, dass die Kurve der Sterblichkeit im höheren Alter ansteigt. Die Menschen interessieren sich nicht für die Inzidenzen. Sie wissen, genau wie die meisten Politiker, nichts damit anzufangen. Die Daten, die veröffentlicht werden, führen doch absichtlich an der Sache vorbei. Die Menschen interessiert nur eine Frage: Wenn ich das Virus habe, muss ich dann sterben. Nein, muss man nicht, jedenfalls nicht mehr als bei anderen hier gewöhnlichen Infektionskrankheiten. Und wenn es den Menschen keiner sagt, der noch bei medizinischem Verstand ist, dann hören sie auf die Lauterbachs dieser Welt. Das wollen wir doch wohl alle nicht. 

Somit drängt sich ja eigentlich nahezu automatisch ein Apell auf. Ein Apell an alle Amtsärzte und an die deutschen Ärztekammern. Hier muss diese wilde und ungezielte, nahezu verzweifelte Teststrategie aufhören. Geben Sie die Verantwortung zurück in ärztliche Hand und überlassen sie es nicht den Lehrern und anderen Laien, sondern den Hausärzten zu entscheiden, ob hier ein solcher Test erforderlich ist. Nur so erfassen wir die wirklichen Fälle. 

Ein positiver Test auf was auch immer bei einem Menschen ohne Symptome ist ohne jede Relevanz. Das haben wir Ärzte, also auch sie, gelernt. „Behandle nie einen Laborbefund, sondern den Kranken!“. „Untersuche immer zuerst den Kranken und entscheide dann, welche Laboruntersuchungen nötig sind“. „Behandle nie einen Kranken, den du nicht selbst untersucht hast“. Lassen sie uns gemeinsam zurückfinden zu einer Medizin, die wir der Geschichte dieser hohen Kunst schuldig sind. 

Ich rufe die Pathologen in diesem Lande auf, sich um die wirklichen Todesursachen zu kümmern. Es kann doch nicht sein, dass an einem Verstorbenen, am toten Körper, Abstriche entnommen werden. Das ist ein Verstoß gegen die Regeln in der Heilkunst. Dafür ist dann nur der Pathologe zuständig. Ich rufe die Kollegen Amtsärzte auf, sich zu besinnen und das Datenwerk wissenschaftlich, real und nachvollziehbar zu gestalten. Rennen sie nicht gesunden Menschen hinterher, die aufgefallen sind durch einen ungeeigneten und inzwischen bekanntermaßen entzauberten Test. 

Bitte, ich weiß, dass sie sich über die Probleme der Tests informiert haben. Lassen sie doch nicht so mutige Amtskollegen wie ihren Kollegen Dr. Pürner aus dem Landkreis Aichach allein im Regen stehen. Dieser Mann hat recht, das wissen sie auch alle. Es muss doch wieder möglich sein, dass Ärzte falsch laufende Vorgänge mit ihrem Fachwissen und ihrer Erfahrung klären. Aus diesen völlig absurden Testmustern ergeben sich doch die hohen „Corona-Zahlen“ in den Kliniken. Diese Patienten sind doch zum geringsten Teil wegen der Corona-Frage in der Klinik. Jeder Patient, der in ein Krankenhaus kommt wird getestet, auch wenn er wegen anderer Erkrankungen eingewiesen wird. Das wissen sie doch alles. 

Das gilt auch für Intensivstationen. Diese Bereiche sind nicht überfüllt, sie haben zu wenig Personal, schon vorher! Die dramatischen Bilder die wir sehen, versteht jeder richtig, der auf Intensivstationen ein und aus gegangen ist. Ich frage sie alle aus tiefstem Herzen: Warum machen sie das? Das ist aus meiner Sicht nicht ärztlich! Jagen sie die Kameras aus den Kliniken. Machen sie für sich selbst Werbung durch Leistung! Und ich fordere auch die Landesregierungen, insbesondere natürlich hier in MV auf, sich zu besinnen. Ich habe ihnen allen, ausführliche Briefe geschrieben. Ich habe ihnen vor vielen Wochen genau das vorausgesagt, was nun passiert ist. Das werden sie nun nicht aus dem Stand drehen können. 

Wenn es nach der politischen Theorie geht, müssen sie den Lockdown bis März durchziehen. Genau bis dahin werden die Viren aktiv sein, mit und ohne ihre Maßnahmen, genau wie in jedem Jahr. Der 5. Januar wird der nächste Termin sein, wo eine Chance zur Vernunft besteht. Haben sie doch endlich den Mut das Richtige zu tun und lassen sie sich nicht vom Getöse aus dem Süden des Landes beeindrucken. Ich glaube keinem intelligenten Menschen, dass er nicht auch über andere Quellen informiert ist, als über das, was wir noch Medien nennen. Und diese Informationen sind im Kern schlüssig, das wissen sie alle. Wenn sie also nicht den vernünftigen Weg finden oder vielleicht nicht finden wollen, dann frage ich auch sie, wie schon vor Wochen: Warum tun sie das? Schauen sie sich sehr genau ihre Berater an. Ich war viele Jahre Gutachter bei Gerichten. Ihre Berater sind an die gleichen 3 Pflichten gebunden, wie ein Gutachter: Sachverstand, Objektivität und Neutralität! Und nun schauen sie genau hin! 

Tun sie alle das Richtige und wenn möglich schnell, so lange noch irgendetwas zu retten ist.


Weitere Informationen zum Thema:
https://www.inselreport.de/2019/04/die-hochsten-pommerschen-leuchtturme.html   https://www.inselreport.de/2019/04/die-groten-pommerschen-inseln.html   https://www.inselreport.de/2019/11/die-erfolgreichsten-pommerschen-musiker.html https://www.inselreport.de/2017/10/enders-welt.html   https://www.inselreport.de/2017/10/mythos-stortebeker-2-die-rugenfestspiele.html   https://www.inselreport.de/2018/08/uber-ulrich-muther-seine-mitstreiter.html
https://www.inselreport.de/2019/12/schloss-putbus-zum-wiederaufbau.html   https://www.inselreport.de/2019/10/nord-stream-2-wettlauf-mit-der-zeit.html   https://www.inselreport.de/2018/07/ein-besuch-der-hydrierwerke-politz.html