06 Dezember 2020

Mein Sonntag in Saßnitz


Liebe Saßnitzer,

zu Beginn wollen wir heute an die Crew des ausgemusterten Fährschiffes „Saßnitz“ denken. Teile der Besatzung heuerten ja inzwischen auf dem Fährschiff „Mecklenburg-Vorpommern“ an, dass auf der Linie Rostock-Trelleborg unterwegs ist. Nun wurde bekannt, dass das Schiff zukünftig unter schwedischer Flagge fahren soll. Den Crew-Mitgliedern bot man sogar neue Arbeitsverträge an. Wo? Bei der schwedischen Stena Line Skandinavia AB. Tja, vielleicht hätte man sich statt von der schwarz-rot-goldenen Flagge lieber vom Management verabschieden sollen...


Es bleibt maritim: Unser Besuch des „Saßnitzer Bermudadreiecks“ hatte ein kleines Nachspiel: Bei der letzten Saßnitzer Stadtvertretersitzung machten die Mukraner ihrem Ärger Luft. Ihr Eindruck: Der Bürgermeister (seit "MegaDonald" abtauchte, ist es auch um "SuperFranky" still geworden) widersprach sich bei seinen Ausführungen selbst. Kein Wunder! Schließlich scheinen ja Treppen, Gehwege und Betonplatten schneller zu verschwinden, als geplant. Da kann man schon mal die Übersicht verlieren. Dass man nun aber sogar die Stoppuhr für die Redezeit bemühte, um den Ärger der Mukraner im Zaun zu halten, ist sicher kein Zeichen der Stärke. Schließlich haben Saßnitzer Bürgermeister und Stadtvertreter auch deren Interessen im Blick zu behalten. Dafür hätte es bereits ausgereicht, sich mal etwas Zeit vor Ort zu nehmen, sich mit der gegenwärtigen Situation der Bürger vertraut zu machen und die Anliegen der Bürger ernst zu nehmen. Die müssen sich nicht von der Stadt Saßnitz auf der Nase rumtanzen lassen: So sieht es jedenfalls die Kommunalverfassung vor. Denn aus Gründen des öffentlichen Wohls können Gemeinden aufgelöst, neu gebildet oder in ihren Grenzen geändert werden. Wie wäre es beispielsweise mit einer Angliederung an Binz oder Lietzow? 


Abschließend noch eine "lustige" Geschichte aus Hagen. Einer der Knuppenbieters* bekam Post aus dem Amt Nord-Rügen. Hintergrund war eine Bitte an die Bürgermeisterin Frau Klöckner und die Gemeinderatsmitglieder die Interessen der Gemeinde und Ihrer Bürger in Bezug auf die Vernässung der Stubnitzwiesen wahrzunehmen, um weiteren Schäden oder Schadensersatzforderungen vorzubeugen. Begründet wurde dies durch die Folgewirkungen von Eingriffen in das bestehende Grabensystem. Dabei erinnerte man an die Auswirkungen, die sich am westlichen Teil des Lohmer Ufers nachweisen ließen. Das Amt teilte nun jedoch mit, dass die angefragten Belange die Zuständigkeit der Gemeinde Lohme übersteigen. Offensichtlich, so schlussfolgern nun jedenfalls die Knuppenbieters*, ist die in der Kommunalverfassung beschriebene Leistungsfähigkeit der Gemeinde zur Erfüllung ihrer Selbstverwaltungsaufgaben nicht mehr gewährleistet. (Denn: Natürlich gibt es Teile des Nationalparks Jasmund und Wasserläufe, die sich auch auf dem Gebiet der Gemeinde befinden. Und bei Wirkung auf das Gemeindegebiet kann die Gemeinde Lohme nicht einfach ihre Bürger auf andere Gemeinden verweisen, wenn sie mit der Interessenwahrnehmung betraut ist.)

Klüger wäre es vielleicht gewesen, bei den ausgeflaggten "Saßnitzern", den "Anwohnern des Saßnitzer Bermudadreiecks" oder den "Anliegen der Knuppenbieters*" einfach auf die gegenwärtige "epidemische Lage von nationaler Tragweite" zu verweisen. Und wenn wir die wieder in den Griff bekommen haben, wenden wir uns natürlich auch wieder den Problemen der Bürger zu, oder? Bis dahin heißt es: "Mund zu und Maske auf!"

Einen schönen 2. Advent wünscht
Euer Fiete

PS. Einige sollten sich heute nicht über Ruten in den Stiefeln wundern...

*) Die althergebrachte Bezeichnung für Ureinwohner, die auf der Seite der Stubnitz wohnen. Der plattdeutsche Begriff heißt übrigens auf Hochdeutsch soviel wie "Knotenbeißer". Entstanden ist er - lt. Alfred Haas - weil sich dieser besonders urwüchsige Menschenschlag nicht erst die Mühe macht einen Knoten zu lösen, sondern ihn stattdessen einfach "durchbeißt"...
https://www.inselreport.de/2019/04/die-hochsten-pommerschen-leuchtturme.html   https://www.inselreport.de/2019/04/die-groten-pommerschen-inseln.html   https://www.inselreport.de/2019/11/die-erfolgreichsten-pommerschen-musiker.html https://www.inselreport.de/2017/10/enders-welt.html   https://www.inselreport.de/2017/10/mythos-stortebeker-2-die-rugenfestspiele.html   https://www.inselreport.de/2018/08/uber-ulrich-muther-seine-mitstreiter.html
https://www.inselreport.de/2019/12/schloss-putbus-zum-wiederaufbau.html   https://www.inselreport.de/2019/10/nord-stream-2-wettlauf-mit-der-zeit.html   https://www.inselreport.de/2018/07/ein-besuch-der-hydrierwerke-politz.html