12 Januar 2021

Corona: Mit dem Rücken zur Wand

Brief der Handelsverbände an die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (CDU) vom 7. Januar 2021

Stralsund / Rügen (PA). Verzweiflung macht sich breit: Während die Politik stetig neue Corona-Regeln in Verordnungen gießt, steht man sowohl im Einzelhandel als auch im Gastgewerbe längst mit dem Rücken zur Wand. Die DEHOGA spricht in diesem Zusammenhang sogar von einem "Hilfschaos", denn die von Seiten der Politik angekündigten finanziellen Hilfen kommen anscheinend nicht da an, wo sie eigentlich gebraucht werden.

Als "völlig inakzeptabel" bezeichnet der Verband des Landes Mecklenburg-Vorpommern dabei, dass bereits zugesagte Hilfen nachträglich gekürzt wurden, indem es zu Änderungen der Fördervoraussetzungen kam. Doch das ist es nicht allein. DEOGA-Präsident Lars Schwarz findet derzeit klare Worte:

„Die Branchenbetriebe haben sich darauf verlassen, dass die versprochenen umsatzorientierten Hilfen nach Abzug des Kurzarbeitergeldes in voller Höhe fließen. Stattdessen erleben sie jetzt, dass die Hilfe nur sehr schleppend gezahlt wird und aufgrund von Anrechnungen an anderer Stelle auch nicht im vollen Umfang ankommt.“

Über Verzweiflung und Frust wundert er sich nicht. Schließlich habe man seit fast einem Vierteljahr alles dicht gemacht und die Unternehmen stehen ohne Umsatz da. Schwarz:

„Die vollmundig versprochenen Hilfszahlungen für alle Betriebe sind längst überfällig. Vielen Betrieben steht das Wasser bis zum Hals.“ 

Noch dramatischer stellt sich die Situation aus Sicht des Handelsverbandes Nord bei Händlern da. Nach einer aktuellen Trendumfrage gehen 80% von ihnen davon aus, dass die finanziellen Hilfen nicht zur Existenzsicherung reichen. Ohne finanzielle Hilfen stehen etwa 60% der Unternehmen in den Innenstädten vor dem Aus. Der Präsident des Handelsverbandes, Andreas Bartmann, hat sich wegen der immer größer werdenden Krise, die infolge der politischen Maßnahmen entstand, am Donnerstag, den 7. Januar 2020, gemeinsam mit seinen Länderkollegen in einem Brief an die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (CDU) gewandt. 

Darin wird auf sowohl auf die existenzbedrohende Wirkung der politischen Maßnahmen als auch auf die fehlenden Öffnungsperspektiven hingewiesen. Mit Sorge beobachten die Handelsverbände, dass sich bedingt durch die Verzweiflung der Einzelhändler selbständig Initiativen gebildet haben, die trotz Schließungsverfügung bereit sind, Lokale und Geschäfte zu öffnen und über Kettenbriefe mit großer Reichweite zu Protestaktionen aufrufen.

Dabei bezogen sich die Handelsverbände u.a. auf die Initiative "Wir machen auf". Sie ist eine von vielen Bewegungen, die sich derzeit außerhalb der Verbände und Interessenvertretungen bilden und hohe Reichweite erzielen. Die "Widerstandsbewegung" - wie sie u.a. von der "Berliner Zeitung" benannt wird - trifft dabei grenzübergreifend in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Unterstützung. Wie der DEHOGA-Landesverband dazu gegenüber dem NDR mitteilte, habe man hier durchaus Verständnis für den Unmut vieler Unternehmer im Einzelhandel und im Gastgewerbe, allerdings übt man Kritik an der Art des Protestes.

Eine weitere Initiative nennt sich "Ladenpaten". Bürger legen dazu einen Betrag in einen Briefumschlag, den sie sonst bei einem Einzelhändler ausgegeben hätten und werfen ihn einfach anonym in den Briefkasten des Unternehmers. Die noch junge Soforthilfe von Bürgern für Bürger macht auch bereits auf der Insel Rügen Schule und lädt in einer Zeit, wo Unternehmer nicht mit staatlichen Hilfen rechnen können, zum Nachahmen ein. Allerdings ist im Gegensatz zu Gutscheinen hier keine Gegenleistung erwünscht und an den Staat wird auch keine Mehrwertsteuer abgeführt. 

Weitere Informationen zum Thema:
https://www.inselreport.de/2019/04/die-hochsten-pommerschen-leuchtturme.html   https://www.inselreport.de/2019/04/die-groten-pommerschen-inseln.html   https://www.inselreport.de/2019/11/die-erfolgreichsten-pommerschen-musiker.html https://www.inselreport.de/2017/10/enders-welt.html   https://www.inselreport.de/2017/10/mythos-stortebeker-2-die-rugenfestspiele.html   https://www.inselreport.de/2018/08/uber-ulrich-muther-seine-mitstreiter.html
https://www.inselreport.de/2019/12/schloss-putbus-zum-wiederaufbau.html   https://www.inselreport.de/2019/10/nord-stream-2-wettlauf-mit-der-zeit.html   https://www.inselreport.de/2018/07/ein-besuch-der-hydrierwerke-politz.html