04 Januar 2021

Dritter Lichtermarsch durch Saßnitz

Start des Lichtermarsches über die Hauptstraße

Saßnitz (SAS). Am Samstag, den 2. Januar 2020, lud die Bürgerbewegung Rügen zum dritten "Lichtermarsch für Freiheit und Solidarität" ein. Dem Aufruf folgten trotz Jahreswechsels etwa 65 Teilnehmer, Treffpunkt dafür war um 16.00 Uhr der Saßnitzer Rügen-Platz.

Von diesem ausgehend erfolgte - mit Rufen wie "Frieden-Freiheit-Solidarität" und "Frieden-Freiheit-Demokratie"- zunächst ein Umzug über die Hauptstraße, die Bachstraße, den Birkenweg und die Stralsunder Straße wieder zum Rügen-Platz, wo sich zwischenzeitlich weitere Bürger eingefunden hatten.

Die nun folgenden Ansprachen über ein "freies Mikrofon" wurden von Nicole Halle, eine alleinerziehende Mutter aus Saßnitz und Anmelderin der Veranstaltung, eröffnet. Inhaltlich reflektierte sie, wie sie rückblickend das vergangene Jahr - ab Freitag, den 13. März 2020 - mit den "Corona-Maßnahmen" erlebt hatte und wie sich ihre Alltagssituation darstellte. Dabei fühlte sie sich mit vielen Dingen allein gelassen und wünschte sich mehr Unterstützung, Verständnis und Investition für die Kinder. Abschließend wandte sie sich auch an die Bundespolitiker mit den Worten: "Sehr geehrte Bundesregierung, es sterben jeden Tag Menschen. Das ist auch bedauerlich und es tut uns auch leid. Aber wenn man noch ein bisschen was für die Lebenden übrig hätte, dann könnte man aus dieser Welt vielleicht noch einen besseren Ort machen." 

Im Anschluss kündigte Nicole Halle den Saßnitzer Norbert Dahms an, der am 14. Dezember 2020 sein Stadtvertreter-Mandat niedergelegt hatte. Er sah die Gesellschaft in einer tiefen Krise - finanziell, wirtschaftlich und sozial. Niemand wisse derzeit, wie man aus dieser herauskommen könne. Gefördert wurde diese jedoch auch durch Angst, wodurch Menschen gesteuert und manipuliert würden. Man hätte Angst vor dem Tod, Angst krank zu werden, Angst seine Arbeit zu verlieren, Angst sozial isoliert zu sein und Angst seine Selbständigkeit aufgeben zu müssen. Das Problem sei aber, wenn man sich von dieser Angst leiten ließe, dann verharre man in einer Angststarre, so dass man nur noch reagieren und nicht mehr selbst agieren könne. Und das ginge einher mit einem Demokratieproblem. 

Beispielhaft erwähnte er dafür die im 1. Lockdown vorgenommenen Umlaufbeschlüsse, mit denen letztlich sogar der Haushalt der Stadt Saßnitz für 2020 und 2021 beschlossen wurde. Die Abstimmung dazu wäre per Mail und Mausklick erfolgt, ohne Debatte und Öffentlichkeit. Aus Sicht von Dahms sei dies jedoch undemokratisch. Das Beispiel zeige aber exemplarisch, wie der öffentliche Debattenraum immer kleiner und enger geworden sei. Auch für die Medien, die ja eigentlich diese Debatte begleiten sollen - deren Raum und Meinungsvielfalt enge sich ebenfalls ein. Und eines Tages sei er dann so klein und alternativlos, wie Dahms es mit einer sogenannten "Merkel-Raute" anzudeuten suchte. 

Nicole Halle eröffnete die Redebeiträge auf dem Rügen-Platz

Er wandte sich auch gegen die Folgen dieser Einengung, die Herabwürdigung Andersdenkender, denn das würde dazu führen, das man aus der Krise nicht mehr herauskomme. Stattdessen solle man untereinander Solidarität üben. Dies bedeute nicht nur eine Maske zu tragen sondern auch sich einander zu helfen. An dieser Stelle erwähnte er ebenfalls die Angst einer Saßnitzerin, die fürchtet, ihr Unternehmen aufgeben zu müssen. Je länger der Lockdown andauere, umso mehr sind davon betroffen - aber: Die Verlierer seien alle zusammen. 

Er machte zudem deutlich, dass durch die Einschränkung der Debatte, es zu Protesten käme, um die Debatte auf die Straße zu bringen. Deshalb sei auch sein Platz dort, wo der Protest stattfinde. Und denjenigen, die auf Landes- und Bundesebene Politik machen, müsse man sagen, dass das was sie derzeit täten, so nicht funktioniere. Er erwähnte u.a. die Kontakte, die er zu Bundes- und Landespolitiker aufgenommen hatte. Doch auf die Fragen, wie man sich vorstelle, die Probleme zu lösen, wäre nur leeres Gerede gekommen. Und von der Dame, die von "Covidioten" sprach, wäre gar nichts beigetragen worden. Abschließend rief er dazu auf, zu hinterfragen und nachzudenken, wandte sich dagegen das Grundgesetz einfach "über Bord zu werfen" und forderte zu einer Streitkultur auf, bei der man sich nicht gegenseitig beleidige oder herabsetze. Man müsse wieder aufeinander zugehen, mit einander reden und sehen, wie man gemeinschaftlich aus der Krise herauskomme. 

Danach übernahm der Saßnitzer Oliver Wächter das Wort. Er sagte, dass er immer noch auf der Suche nach der Pandemie sei. Dabei habe er festgestellt, dass sich die Definition dazu, was eine Pandemie ist, vollständig 2019 geändert hat. Grundlage wären nun nicht mehr die Opferzahlen. Zu sprechen kam er in diesem Zusammenhang auf die Problematik der Tests mit Fehlerquote, die gegenwärtig Grundlage der politischen Maßnahmen der Regierung seien. Dabei verglich er die aktuelle Situation in in der Rückschau mit Statistik und Reaktion vorangegangener Pandemien. Abschließend zitierte er die Einschätzung, dass Regierungen Pandemien aus den gleichen Gründen lieben würden, wie Kriege, da es sie in die Lage versetze, Kontrollmechanismen zu installieren die sonst niemals akzeptiert würden.  

Im Anschluss kamen weitere Teilnehmer der Veranstaltung der Aufforderung nach, sich am "freien Mikrofon" zu äußern. So sprachen noch der Dransker Gemeindevertreter Hans-Georg Eckard, ein junger Mann aus Stralsund und ein Mitglied der Bürgerbewegung in Stralsund.

Die Mindestabstände wurden eingehalten, die Auflagen zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung wurden erfüllt. Auch das Mikrofon war nach jeder Rede desinfiziert worden. Die Absicherung durch die Polizei war ohne Zwischenfälle erfolgt und wurde von den Veranstaltern gelobt.

Weitere Informationen zum Thema:
Lichtermarsch im Saßnitzer Birkenweg
https://www.inselreport.de/2019/04/die-hochsten-pommerschen-leuchtturme.html   https://www.inselreport.de/2019/04/die-groten-pommerschen-inseln.html   https://www.inselreport.de/2019/11/die-erfolgreichsten-pommerschen-musiker.html https://www.inselreport.de/2017/10/enders-welt.html   https://www.inselreport.de/2017/10/mythos-stortebeker-2-die-rugenfestspiele.html   https://www.inselreport.de/2018/08/uber-ulrich-muther-seine-mitstreiter.html
https://www.inselreport.de/2019/12/schloss-putbus-zum-wiederaufbau.html   https://www.inselreport.de/2019/10/nord-stream-2-wettlauf-mit-der-zeit.html   https://www.inselreport.de/2018/07/ein-besuch-der-hydrierwerke-politz.html