04 Februar 2021

"Wozu ist die Schule da?"


Ein Beitrag von Dr. Thomas Sarnes

Zweifels ohne, eine ungewöhnliche Frage, oder? Lassen wir uns einfach von dieser Frage in unseren Gedanken treiben. 

Sagen wir, wir gehen in eine ganz normale Schule, in eine 3. oder 4. Klasse und wir stellen diese Frage. Und wie sehr wir uns wundern werden. Dort hören wir alles. Schule ist blöd, Schule macht Spaß, Schule ist interessant und so weiter und so fort.

Und wir werden mit Sicherheit ein Kind treffen, das uns erklärt, die Schule sei für das Leben da. Ein guter Grund, sich dieses Kind zu merken. In der heutigen Zeit ohne Frage besonders, in diesem Alter eine solche Antwort zu geben und der Grundstein für eine wünschenswerte beginnende, vielleicht bedeutsame Lebensgeschichte. 

Also, wozu ist die Schule da? Zum Lernen, natürlich. Und jeder der kommt hat sein eigenes Spektrum an Interessen, an Fähigkeiten und an Vorlieben. Also bauen wir dort zunächst ein Fundament aus Tugenden wie Ehrlichkeit, Pünktlichkeit, Fleiß, Ordnung und Zuverlässigkeit. Und darauf aufbauend entwickeln wir uns in jeder Hinsicht. 

Es geht nicht ums Rechnen oder Schreiben, ums Zeichnen oder Basteln, zumindest nicht nur. Es geht ums Denken, um das selbstständige Denken. Die Fähigkeit dazu entwickeln unsere Lehrer und je besser sie das tun und je mehr sie von ihren Schülern geliebt und respektiert werden, desto leichter werden die es lernen. Eine ständig ansteigende unterschiedliche Kurve immer nach oben. 

Bis zu dem Punkt, an dem sie das, was ihnen nicht mehr gefällt „abwählen“ können. Das, was mir eher etwas fremd ist, was meine Fähigkeit zum Denken besonders fordern würde, das drängen wir einfach weg. 

Hier gerät der Wissensdurst ins Wanken und ab hier braucht es neue Konzepte. Zu diesem Zeitpunkt beginnen die jungen Menschen, sich auszurichten und sich eine Perspektive für ihr Leben zu entwickeln. Sie werden differenzierter, ihr Denkvermögen und die Lernbereitschaft richten sich an anderen Orientierungspunkten aus, als an der Sympathie zum Lehrer oder der Lehrerin. Und so differenzieren sich die Lebenskarrieren immer weiter bis zum Entschluss, ich studiere, ich lerne weiter oder ich begebe mich in das direkte Erwerbsleben und verdiene ab jetzt meinen Lebensunterhalt auf der Stufe, auf der ich gerade bin. Das ist zweifelsfrei in Ordnung. 

Dieser Punkt ist nicht immer eine endgültige Trennung der Karrieren. Es beginnt nun die Orientierung an den Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb des Bildungs- oder Lebenssegmentes. Um mich nicht zu verlieren, lassen sie mich bitte meinen Diskussionspunkt vorwegnehmen. 

Es werden einige von den Kindern zu Wissenschaftlern heranwachsen. Sie haben sich die Basis geschaffen, Großes zu tun. Sie haben sich den Verstand und das Fundament erarbeitet, Dinge zu erkennen, die andere nicht sehen, sie können Zusammenhänge erfassen und analysieren, die andere selbst nach subtilen Erklärungen nicht begreifen. Warum nicht? Nicht, weil die Dumm sind, sondern weil denen jegliche Basis für rationales Denken auf diesem Gebiet fehlt. Sie sind dafür nicht ausgebildet. 

Wenn nun diese Wissenschaft in Persona der Akteure zunehmend an Bedeutung, wir sagen noch nicht Wichtigkeit, gewinnt, dann beginnt eine Phase in deren Leben, in der sie Versäumtes aus der Zeit des frühen Bildungs- und Entwicklungsweges, als ihre Freunde schon gutes Geld verdient haben, nachholen können und sollen. 

Sie haben sich Anerkennung erarbeitet, sie haben sich berechtigterweise Wohlstand und soziale Stellung erarbeitet. Und nun kommt ein wichtiger Punkt dazu. Es geht ihnen so gut und sie stehen so deutlich im Vordergrund, dass sich etwas entwickelt, das vermeintlich nicht begreifbar ist. Der gute Stand, der Akzeptanz und der Würdigung der Leistung die errungen wurde durch Empathie und kollektiven Geist, der Umgänglichkeit und hohen kulturellen Gemeinsamkeit des menschlich-kollegialen Umfeldes, der Möglichkeit des weiteren Aufstieges beginnt sich spürbar und auch sichtbar eine Grenze zu setzen. 

Die Überwindung dieser Grenze gelingt nur durch eine Veränderung in der Seele. Die Menschlichkeit, die Empathie, Großzügigkeit und uns allen angeborene Barmherzigkeit, kurz die Würde der Persönlichkeit weicht der Gier. Der Gier nach Anerkennung, der Gier nach Geld und letztlich der Gier nach Macht. Und an dieser Stelle verleiten Einflüsse von außen, materielle in erster Linie, zum schlimmsten, was einem Wissenschaftler widerfahren kann. Er wird seine Wissenschaft und damit alles, was er gelernt, geliebt und auch gelehrt hat, verraten. Er oder auch sie, Frauen sind vor dieser Entwicklung nicht gefeit, werden sich denen an die Brust werfen, die ihren Durst nach allem und ihre Gier zu stillen in der Lage sind. Sie werden ihren Gönnern zum Munde reden, sie machen sich zum Büttel und zum Knecht derer, die sie von nun an tragen werden. Ich denke, es gehört viel Abgebrühtheit dazu, zu lügen, wissenschaftliche Werte, gute wissenschaftliche Werte zu zertreten und den nunmehr verlorenen Verstand zu verkaufen. Es wäre zu einfach, es lapidar eine Krankheit zu nennen. 

Allein die Erkenntnis, kaum noch Gleichgesinnte um sich zu haben, ist ein Nährboden für eine Veränderung der Persönlichkeit, die keiner mehr verstehen kann und will. Und an dieser Stelle ist der Weg zur Strafe nicht mehr weit. Der wissentliche, ja der vorsätzliche Missbrauch aller wissenschaftlichen Wahrheit wird alles zerstören was uns wichtig ist, bis hin zum Leben des Einzelnen. Aber, es ist dem Lügner wie auch dem Dummen egal. Es ist ja nicht die Lüge, sondern es ist die Gier. Die Lüge ist, wie der Verrat, nur ein kleines Instrument. Und wenn es hilft, dann holt er, der gescheiterte Wissenschaftler sich Unwissende an die Seite oder er begibt sich an deren Seite. Und er lässt sie mit seiner Sprache lügen auch, wenn sie diese Sprache gar nicht verstehen. 

Wird sich der Kreis eines solchen Lebens schließen? Nein, er kann sich nicht schließen, weil das Leben keine Lüge ist. Und das ist gut so. 

Da ist er oder sie nun angekommen, das Kind aus der damaligen 3. oder 4. Klasse. Wir hatten uns damals über die Antwort so sehr gefreut und wir hatten diesem Kind ein großes und wichtiges Leben vorausgesagt. Und nun? Es ist am Ende gescheitert. Nicht, weil es zu dumm war. Es war zu schwach. In der Seele und im Charakter zu schwach, an diesem einen Punkt, als es die Gier nicht erkannte und nicht abwehren konnte. Schade eigentlich. Aber es gibt Hoffnung, denn es gibt viele Gute. Sie werden weiter forschen, sie werden gute Lehrer sein. Sie werden mit dem Verstand und den Idealen fest auf dem Boden der Wirklichkeit stehen bleiben und sie werden dem Lügner, dem Klakeur und dem Kriecher die Grenzen aufzeigen. Ich hoffe, Sie verstehen was ich meine……
https://www.inselreport.de/2019/04/die-hochsten-pommerschen-leuchtturme.html   https://www.inselreport.de/2019/04/die-groten-pommerschen-inseln.html   https://www.inselreport.de/2019/11/die-erfolgreichsten-pommerschen-musiker.html https://www.inselreport.de/2017/10/enders-welt.html   https://www.inselreport.de/2017/10/mythos-stortebeker-2-die-rugenfestspiele.html   https://www.inselreport.de/2018/08/uber-ulrich-muther-seine-mitstreiter.html
https://www.inselreport.de/2019/12/schloss-putbus-zum-wiederaufbau.html   https://www.inselreport.de/2019/10/nord-stream-2-wettlauf-mit-der-zeit.html   https://www.inselreport.de/2018/07/ein-besuch-der-hydrierwerke-politz.html