09 März 2021

Heimatkunde: "Vom Urvater der Greifen-Dynastie"

Wartslaw (links) - Der pommersche Urvater der Greifen-Dynastie 

Ein Gastbeitrag von Ulrich Moys

"Die Greifen" war die allgemeine Umschreibung für die Dynastie unserer pommerschen Herzöge. Die Bezeichnung selbst leitet sich von unserem pommerschen Wappentier, dem Greifen ab. Allerdings sollte es im Laufe der Geschichte gleich mehrere Herzogtümer - mitunter auch parallel zueinander geben. So werden die Herzogtümer Pommern-Stettin, Pommern-Demmin, Pommern-Wolgast, Pommern-Stolp und Pommern-Barth unterschieden.

Auch heute liegen Ihre Ursprünge im geschichtlichen Nebel vergangener Zeiten. Einigkeit besteht allerdings darüber, dass Wartislaw I. als Urvater der Greifen-Dynastie gilt. Obgleich auch von ihm wenig bekannt ist, so hatte sein Wirken doch auch geschichtliche Zeugnisse hinterlassen, die heute noch in unserer pommerschen Kulturlandschaft ihre Präsenz zeigen. 

Wartislaw I., von dem man annimmt, er sei der Sohn des Herzogs Svantopolk I. gewesen, war einer der Unterstützer der Missionsreisen des pommerschen Apostels, Otto von Bamberg. Dieser bereiste, wie wir bereits berichteten, zweimal unsere pommersche Heimat - von 1124 bis 1125 und 1128. Bei seiner zweiten Reise wurde diese durch die Annahme des Chistentums zu Pfingsten 1128 durch den Landtag in Usedom gekrönt. Anwesend damals: Wartislaw I. und Otto von Bamberg.


Der sogenannte "Wartislawstein" bei Grüttow - unweit von Stolpe an der Peene

So umstritten das ist, was man von Wartslaw I. weiß, so mysteriös ist sein Tod: Nach verschiedenen Quellen wird das Ableben von Wartslaw I. mit einer zeitliche Spanne zwischen 1135 und 1148 angegeben. Er soll von einem oder mehreren Unbekannten und aus bis heute unklaren Gründen ermordet worden sein. Heute erinnert jedoch der sogenannte "Wartislawstein" bei Grüttow an seinen Tod. Die Stelle seines Ablebens bezeichnet er allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht, da der Stein gleich mehrfach in der Vergangenheit versetzt wurde. Auch wer den Stein setzte und ob er vielleicht doch nur als Grenzstein zwischen dem herzöglichen und klösterlichen Besitz diente, bleibt ungewiss. Eine Tafel verrät u. a., dass das in den Stein getriebene Kreuz das Christentum symbolisiert.

Die Überreste des ältesten pommerschen Klosters in Stolpe

Das nun schon mit dem Landbesitz in Verbindung gebrachte Kloster befand sich in Stolpe. Es wurde in Erinnerung an Wartislaw I. im Jahre 1153 durch seinen Bruder Ratibor I. und dessen Gemahlin Probislawa und in Übereinstimmung mit dem ersten Pommernbischof Adalbert von Cammin gestiftet. Es gilt als das erste und damit älteste pommersche Kloster. Dem Ruf aus Pommern waren Mönche des Benediktinerordens aus Magdeburg gefolgt. 1304 sollen diese zum Zisterzienserorden übergetreten sein. Mit dem Beschluss des pommerschen Landtags 1534 zur Einführung der Reformation wurde aus katholische Kloster ein herzögliches Amt, welches später im 17 Jahrhundert z. T. durch eine Inbrandsetzung in weiten Teilen vernichtet worden war.

Die 1893 errichtete "Wartislaw-Gedächtniskirche" erinnert an den Urvater der Greifen

Wer heute die historischen Überreste des Klosters besucht, die wohl das Untergeschoß des Westturmes der ehemaligen Klosterkirche sind, kann unweit davon neben einer gut erhaltenen Gutsanlage auch die sogenannte "Wartislaw-Gedächtniskirche" besuchen. Sie wurde 1893 anstelle der zerstörten Klosterkirche nach Plänen des pommerschen Kirchenbaumeisters Theodor Prüfer errichtet. Einer der heute dort angebrachte Tafel lautet:

„Der erste christliche Pommernherzog Wartislaw I. wurde um seines Glaubens willen ermordet zu Stolpe an der Peene 1136“.

Im Bogenfeld des Westportals der "Wartislaw-Gedächtniskirche" befindet sich zudem noch ein figürliches Relief, welches Christus, den pommerschen Herzog Wartislaw I. und den pommerschen Apostel Otto von Bamberg darstellen soll. Wo allerdings der Urvater der Greifen-Dynastie seine letzte Ruhe fand, bleibt ungewiss.

Westportal: Christus (mittig) mit dem pommerschen Herzog Wartislaw (rechts) und dem pommerschen Apostel 


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