01 April 2021

"April, April!" oder: Mein 1. April in Saßnitz


Liebe Saßnitzer,
wurdet Ihr heute schon in den April geschickt? Nein? Das ist heutzutage auch gar nicht mehr so einfach. Nehmen wir zum Beispiel die "Wasserprawda". Als die noch das "Zentralorgan" der Partei des Bürgermeisters war, hatte man an einem 1. April angekündigt, um welche Zeit ein damals auf "Ossi" getaufter Wal (das war noch bevor es "Ossis" und "Wessis" gab!) wo aus der Ostsee auftaucht. Die Nachricht verfing zu jener Zeit so stark, dass sich wirklich einige Schaulustige an der Ostseeküste tummelten, um den legendären Wal zu sehen. Wie das möglich war? 
- Nun die Antwort gab damals ein Lied: 

"Die Partei, die Partei, hat immer recht."

Natürlich war das glatte Eigenwerbung, die im Zweifelsfall von Arbeitern und Bauern in der DDR sogar nach Belieben vom wissenschaftlichen Beweis sprach (wobei es damals um den Sieg des Sozialismus über den Kapitalismus ging - jedenfalls bis 1989).


Die heutige "Wasserprawda" kämpft da mit ganz anderen Problemen, Die letzten Tage schalteten u. a. verschiedene Ministerien große Anzeigen ("Kraut und Rüben." gestern und "Uschi" heute)... Das war aber nicht der Aprilscherz! Denn: Da wurden ja offensichtlich unsere Steuergelder zur "Pflege der Presselandschaft" eingesetzt. Also: "Welche Überschrift war der Aprilscherz?"

Ins Auge fiel beispielsweise die folgende Schlagzeile auf Seite 1: "Trotz Lockdown: Schon viele Oster-Urlauber illegal in MV". Klar! Das klingt nach einem Scherz, bei so vielen braven Untertanen. Aber: Unmöglich ist es eben auch nicht, auch wenn es nicht sein darf! Dann war da noch die Titelzeile "Frisöre beklagen Corona-Chaos". Auch dies hätte bei einer gut aufgestellten Regierung ein Scherz sein können. Aber: Wer sich an den O-Ton des Gesundheitsminister Glawe beim gestrigen Auftritt um 19.30 Uhr im "Nordmagazin" erinnert: "Der Test gilt für die Frisur..." Da möchte man antworten: "Ach Du lieber Harry! Der Bart ist ab, jedenfalls wenn man die Jagd nach einem Schnelltest unternahm... Dann bliebe also vielleicht noch die Überschrift: "Sind das die neuen Versuchskaninchen?" In diesem Beitrag ging es allerdings um den Impfstoff "Astra..." Erst sollte er nicht für die über 65-Jährigen eingesetzt werden. Nun, nach den bekannt gewordenen Todesfällen, soll eine Impfung erst mal nur an über 60-Jährige erfolgen. Angesichts des drohenden Lochs in der Rentenkasse kriegt man schon das Grauen...

Das Fazit: Es gibt vielleicht gar keinen Aprilscherz mehr. Warum? Weil das unter "Fakenews" fallen könnte und die sind bekanntlich strengstens und ggf. unter Strafe verboten. Klar! Darum darf ein Wal eben nicht mehr auftauchen, selbst wenn eine Zeitung vorab behaupten, wann er den Schwanz wo gen Himmel streckt. Durfte vor zwanzig Jahren noch jeder glauben, woran er wollte - zum Beispiel an Gott - gibt es nun Menschen, die das für uns "filtern" (Gott sei Dank!). Sie erklären uns die Welt, wissen im Zweifel immer die Wahrheit und machen andere Meinungen überflüssig. Das ist extrem praktisch, weil man ggf. im Ministerium anrufen darf, um nachzufragen, was richtig oder falsch ist. Das Problem dabei? Wenn man unterschiedliche Mitarbeiter an den Hörer bekommt, kriegt man auch unterschiedliche Antworten. Das wiederum ist total menschlich (also noch keine künstliche Intelligenz!) und kann sogar hoffen lassen. Denn in einem Land, wo keine "Fakenews" mehr verbreitet werden dürfen, muss einer ja die Angebotslücke schließen. Im Zweifel der, der sie bekämpft, oder?

April, April! - Und da das natürlich totaler Quatsch wäre, ist dies doch der Aprilscherz. Er ist einfach anders, als der Rücktritt der Bundeskanzlerin. Verrückter als ein Interview von Harry Glawe im "Nordmagazin". Provokanter als ein heimlicher Urlaub an der Ostsee. Kürzer als die Haare bei einem negativen Corona-Test. Länger als ein Lockdown und tödlicher als ein "Astra..." 
Na dann: "Prost! Auf den 1. April!"

Einen schönen Feierabend wünscht Euch
Euer Fiete



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